Der Deal ist besiegelt

Die Privatschule steht schon – die übrigen Teile des Schulcampus sollen bis 2022 gebaut werden. Darauf will sich der Investor aber nicht verbindlich festlegen, so steht es im Vertrag.
Die Privatschule steht schon – die übrigen Teile des Schulcampus sollen bis 2022 gebaut werden. Darauf will sich der Investor aber nicht verbindlich festlegen, so steht es im Vertrag.

SPD, CDU und FDP stimmen Kaufvertrag über Eggerstedt-Fläche zu / Spätestens 2019 soll gebaut werden

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24. Februar 2018, 16:42 Uhr

Der Vertrag war bereits unterschrieben, jetzt hat auch die Politik dem Deal über den Verkauf einer Fläche auf dem Eggerstedt-Kasernengelände im nicht öffentlichen Teil der Ratsversammlung zugestimmt. SPD, CDU und FDP votierten dafür, Die Bürgernahen dagegen. Von den fünf Ratsmitgliedern der Grünen stimmten drei dagegen, zwei enthielten sich.

Der Vertrag, der unserer Zeitung vorliegt, ist umstritten. So verpflichtet sich die Firma Campus Entwicklung Pinneberg GmbH (CEP), nur noch ein Hotel auf dem ehemaligen Eggerstedt-Kasernengelände zu bauen. Das ist in der Vereinbarung verbindlich festgelegt worden. Der Baubeginn ist spätestens zum 31.  Dezember 2019 vorgesehen, die Fertigstellung soll 36 Monate später erfolgen. Gert Prantner, der einst das Hamburger Luxushotel Vier Jahreszeiten leitete, soll mit seinem Unternehmen RIMC der Betreiber sein.

Bis hierhin herrscht unter den Politikern noch Konsens. Ein Passus in dem Vertrag hatte bei der Politik schon im Vorfeld für viel Aufregung gesorgt (unsere Zeitung berichtete). Das CEP-Vorhaben steht im Zusammenhang mit dem Internationalen Schulcampus des Vereins Wabe. Kita und Privatschule stehen schon. Da die Wabe-Gruppe ihre nächsten Projekte (Ausbau der Privatschule, Sporthalle und Boardinghaus) noch nicht realisiert habe, heißt es im Vertrag, erwägt der Investor derzeit alternative Investitionsstrukturen. Hiervon seien die weiteren Maßnahmenschritte abhängig. Stattdessen hat sich der Investor in dem Kontrakt verpflichtet, für den Fall, dass die anderen Projekte nicht realisiert werden, das Areal zu bebauen und gewerbetreibende Firmen dort anzusiedeln. Sollten die anderen Projekte dennoch realisiert werden, geschieht das bis zum 31. Dezember 2022. Für das Grundstück erhält die Stadt 2,5 Millionen Euro. Der größte Teil der Summe, etwa 1,6 Millionen Euro, soll erst Ende dieses Jahres gezahlt werden. Irritationen hatte es in den vergangenen Tagen wegen der Nachricht gegeben, dass der Investor Premero auf dem Schulcampusgelände eine Mehrzweckhalle für bis zu 3500 Besucher plane. Das beunruhigte auch die Eggerstedt-Anwohner: In der Einwohnerfragestunde der Ratsversammlung am Donnerstagabend fragte ein Anwohner, wie die einzelnen Parteien dazu stehen. Er hatte zuvor nach eigener Aussage bereits ein dreiseitiges Schreiben mit seinen Bedenken an die Politiker geschickt. Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) sagte zunächst: „Über eine Mehrzweckhalle wird weder heute noch später entschieden.“ Carl-Eric Pudor (CDU) reagierte verärgert und verwies auf eine vorherige, nicht öffentliche Vorstellung des Vorhabens. „Die Person, die diese Informationen verbreitet hat, hat gepennt und zwar richtig“, sagte er. „Was an die Öffentlichkeit gelangt ist, ist signifikant falsch.“

Gerhard Thomssen (SPD) bestätigte dies: „Auf das Grundstück kommt keine Mehrzweckhalle. Wenn ein Investor so etwas wollte – egal wo in Pinneberg–, müsste zuerst ein politischer Beschluss her. Und ich bezweifle, dass es für ein Projekt in dieser Größenordnung an dieser Stelle eine Zustimmung geben würde.“ Empörung gab es bei CDU, SPD und FDP darüber, dass sich die Grünen im Vorfeld öffentlich zu der nicht öffentlichen Beratung geäußert haben. Joachim Dreher (Grüne & Unabhängige) verteidigte sich: „Es ist Quatsch, dass es für meine Äußerungen keine Sachgrundlage gibt. Es geht um einen Grundstückskauf, aber das ist nur die halbe Wahrheit: Das Grundstück steht im Zusammenhang mit der Internationalen Schule, wir müssen das Gesamtprojekt im Auge haben.“ Dreher befürchtet, dass die Mehrzweckhalle gebaut wird – und es dann im Zuge von Veranstaltungen zu einem Verkehrschaos in der Parkstadt kommt.

Die Projektentwickler und Gert Prantner stellten das 100-Millionen-Euro-Campus-Projekt auf dem 63 000 Quadratmeter großen Areal erstmals 2015 vor – damals noch öffentlich. Steinberg sprach 2015 von einem „Bildungsleuchtturm mit enormer Strahlkraft weit über Pinneberg hinaus“.

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