„Der Coach spielt nicht die Hauptrolle“

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Benka Barloschky, Trainer des Pro B-Teams des SC Rist Wedel, spricht im Interview über seine Arbeit, die Towers-Kooperation und die künftigen Ziele

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08. Oktober 2020, 11:21 Uhr

Wedel | Benka Barloschky ist nicht nur Cheftrainer des SC Rist Wedel, sondern auch gleichzeitig Assistenztrainer bei den Hamburg Towers. Im Interview spricht der 32-Jährige über die Doppelrolle und seine Ziele mit dem SC Rist in der Pro B.

Was erwarten Sie von Ihrer Mannschaft in der kommenden Saison?
Die Zielsetzung ist genauso wie im vergangenen Jahr. Wir haben den Kader noch einmal verjüngt und uns vorgenommen, Spieler zu entwickeln und auf das nächste Level zu heben. Das schließt aber nicht aus, dass wir erfolgreichen Basketball spielen wollen. Jeder möchte schließlich gewinnen. Dazu sind wir auf jeden Fall in der Lage. Es kommt darauf an, dass wir unser Spiel durchziehen und uns stetig verbessern. Wenn dann ein Gegner stärker ist, müssen wir das akzeptieren.

Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen der Mannschaft?
Zu den großen Stärken gehören die Ambitionen der Spieler. Alle Akteure haben das feste Ziel, sich zu verbessern und ihre Karriere im Blick. Die Eigenmotivation ist also sehr groß. Zu unseren Schwächen könnte die Konstanz gehören. Auf und abs gehören bei jungen Spielern dazu.

Ist es schwer, ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, weil die jungen Spieler ihr persönliches Fortkommen in den Vordergrund stellen könnten?
Das ist generell ein schmaler Grat im Profisport. Bei einem Farmteam kommt noch hinzu, dass die Spieler nicht immer gemeinsam trainieren. Das macht meinen Job schwieriger, aber auch herausfordernder. Wichtig ist, dass jeder Spieler weiß, welche Regeln er zu befolgen hat, wenn er bei uns trainiert. Dazu gehört, sich gegenseitig zu respektieren und offen gegenüber Coaches und Mitspielern zu sein. Außerdem sollen sie sich für den Weg verantwortlich fühlen, den wir gehen. So spürt jeder, dass es nur zusammen geht.
Was macht den Reiz der Arbeit beim SC Rist aus?
In Wedel wurde ich von Anfang an mit offenen Armen empfangen. Das Umfeld ist großartig und wir werden vom gesamten Verein unterstützt. Zudem bereitet mir die Arbeit mit jungen, ambitionierten Spielern, die Profis werden wollen, große Freude. Nach meiner Auffassung müssen Trainer eine unterstützende Rolle einnehmen, Ratschläge geben und versuchen, den Weg vorzugeben. Der Coach spielt aber nicht die Hauptrolle. Am wichtigsten sind die Spieler.

Wann werden Sie sauer?
Wenn jemand meine oder seine eigene Zeit verschwendet. Wer beim Training nicht fokussiert ist, bekommt von mir eine deutliche Ansage. Wir sind schließlich zum Arbeiten in der Halle.

Für was für einen Basketball wollen Sie stehen?
In meiner Position als Trainer des Towers-Farmteams muss ich einen Spagat bewältigen. Da wir viele Spieler im Kader haben, die bei den Towers und in Wedel trainieren und spielen, werden wir ähnlich wie die Towers agieren. So kann beispielsweise ein Justus Hollatz in der Woche in Hamburg trainieren und am Wochenende in Wedel spielen, weil er weiß, wie dort agiert wird. Das System gibt also mit Pedro Calles der Headcoach der Towers vor. Zu meinem Glück ist dieses System deckungsgleich mit dem, was ich mir vorstelle. Uns ist wichtig, dass wir aggressiv verteidigen und alle Spieler in der Defense vollen Einsatz zeigen. Wenn wir den Ball haben, wollen wir schnell nach vorne spielen und dadurch zu leichten Punkten kommen.

Sie sind Headcoach des SC Rist und Co-Trainer der Towers. Ist die Doppelfunktion stressig?
Klar ist damit viel Arbeit verbunden. Ich möchte es aber so und habe mich selbst für diesen Weg in der jetzigen Phase meiner Karriere entschieden. Deswegen darf ich mich auch nicht beschweren. Ich habe zum Glück eine Familie, die mir den Rücken freihält. Anders würde es nicht funktionieren.

Was ist der Unterschied zwischen Ihrer Arbeit in Wedel und in Hamburg?
In Hamburg kann ich Pedro über die Schulter schauen und von ihm lernen. Ich bin eher der stille Zuarbeiter. In Wedel stehe ich dagegen als Headcoach in der Verantwortung und muss auch für schlechte Ergebnisse gerade stehen. Jedes Wochenende wird meine Arbeit bewertet – nicht nur von meinem Chef, sondern auch von vielen anderen Menschen. Dieser Ergebnisdruck liegt in Hamburg bei Pedro. Die Mechanismen des Profisport sind letztendlich überall gleich.

Am Wochenende sind Sie häufig gleich bei zwei Spielen an der Seitenlinie. Sind beim zweiten Spiel Erfolgserlebnisse beziehungsweise Frust von der ersten Partie bereits verarbeitet?
Ich glaube, man macht sich kaputt, wenn man nach Siegen nach oben schwimmt und bei Niederlagen nach unten taucht. Das hält auf Dauer keiner aus. Für mich ist vor allem wichtig, dass ich mit meiner Arbeit und dem Auftreten des Teams zufrieden bin und nach Wegen suche, wie wir uns verbessern. Emotionen gehören aber natürlich dazu. Wir geben uns 24 Stunden, um diese zu verarbeiten. Danach geht es wieder von vorne los. Manchmal bleibt mir allerdings weniger Zeit, weil zwischen den beiden Spielen am Wochenende keine 24 Stunden liegen.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht den Basketball-Standort Wedel aus?
Die Atmosphäre ist familiär, aber trotz allem ist der Standort sehr ambitioniert und professionell – auch im Frauenbereich. Die Kooperation mit den Towers gibt den Spielern zudem die Chance, sich in Wedel zum Profi zu entwickeln. Dass sich große Talente wie Hendrik Drescher für das gemeinsame Programm der Towers und des SC Rist entscheiden, ist ein starkes Zeichen und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wedel und Hamburg profitieren beide von der Zusammenarbeit.

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