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Pinneberger Tageblatt

16. Dezember 2017 | 20:25 Uhr

„Der christliche Glaube fragt immer neu“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Propst Thomas Drope hält den Auftaktvortrag in der Reihe „Heilige Schriften“ / Bibeltexte müssen diskutiert und kritisiert werden

shz.de von
erstellt am 16.Jan.2016 | 16:00 Uhr

Dass die Bibel für Christen eine Heilige Schrift ist, ist allgemein bekannt. Aber was macht sie eigentlich dazu? Sind es die Wörter, der Text, das Papier, auf dem sie gedruckt ist? Diesen Fragen ist Propst Thomas Drope (Foto) gestern in seinem Vortrag „Bibel und Leben, Leben und Bibel“ nachgegangen. Diesen hielt er als Auftakt der Veranstaltungsreihe „Heilige Schriften“ der Akademie Theologie in Pinneberg.

Der gedruckte Text allein mache die Bibel nicht heilig, sagte Drope. „Wenn man den Text einfach so hinnehmen würde, wie er gedruckt ist, dann wäre er autoritär und statitisch.“ Radikale Gruppen des Islam, aber auch des Christentums und des Judentums argumentierten so. Und bewerteten die religiösen Texte im Extremfall höher als ein Menschenleben.

Die Bibel sei, wie andere Heilige Schriften auch, keine Handlungsanweisung, sagte Drope. Gerade im Alten Testament gebe es Passagen, die als Strafe für einige Vergehen die Tötung eines anderen Menschen nennen. „Es darf keine Tötungen mehr geben. Das will Gott nicht“, sagte Drope. Durch den Tod von Jesus Christus sei das letzte Opfer erbracht worden, weitere dürfe es nicht geben. „Im Alten und Neuen Testament gibt es einige Sachen, von denen wir heute als Gesellschaft sagen müssen, dass wir sie nicht mehr wollen“, sagte der Propst.

Damit die Bibel zu einer Heiligen Schrift werde, sei es wichtig, sich mit ihr auseinanderzusetzen, sie zu hinterfragen und zu kritisieren. „Der christliche Glaube fragt immer neu nach der Bedeutung der Bibeltexte“, erläuterte Drope. „Wer sein Leben ernsthaft reflektiert, wird feststellen, dass einige Worte der Bibel für ihn heute eine andere Bedeutung haben als früher.“ Erst die Verbindung der eigenen Erfahrungen mit den Texten der Bibel mache sie für Christen zu einer Heiligen Schrift. „Passiert dies und spricht so ein biblischer Text befreiend, ermutigend, erhellend, tröstend in ein menschliches Leben, glauben Christen, dass Jesus Christus zu ihnen spricht“, erläuterte Drope.

Die Diskussion über die Bedeutung der Bibeltexte sei nichts Neues, sagte Drope. „Sie wurden bereits während der Aufklärung im 17. Jahrhundert total auseinandergepflückt.“ Heute werde unter anderem bei der christlichen Bibelarbeit über die Texte diskutiert. In besonders großem Maß während der Kirchentage, berichtete Drope. Die Redner dort seien nicht nur Theologen, auch der Comedian Eckart von Hirschhausen oder die Völkerrechtlerin Professor Kerstin Odendahl hätten 2015 während des Kirchentags in Stuttgart gesprochen. „Die Bibeltexte entfalten dabei manchmal eine überraschende Aktualität“, sagte Drope.

Dass auch literarische Texte ihre Leser zu einem ähnlichen Nachdenken über das eigenen Leben anregen können, stritt Drope im anschließenden Gespräch mit dieser Zeitung nicht ab. Heilig macht sie laut Drope das jedoch nicht: „Im Gegensatz zu Bibeln fehlt einem Roman die Gemeinschaft, die sich auf ihn geeinigt hat.“

>Die Reihe geht weiter am Freitag, 22. Januar, um 9 Uhr in der Bahnhofstraße 20 in Pinneberg. Thema: „Altes und Neues Testament als Heilige Schrift der Christen“, Referentin: Monika Schwinge. Eintritt: 4 Euro.

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