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Förderung von Menschen mit Behinderung : Der Behindertenbeauftrage im Kreis Pinneberg legt Konzept vor

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Behindertenbeauftragte im Kreis Pinneberg, Axel Vogt, will bis Ende 2017 die wichtigsten Themen erfassen und sie angehen. Jetzt hat er sein Konzept vorgelegt.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 16:22 Uhr

Pinneberg | Seit neun Monaten ist er im Amt, jetzt hat er ein Konzept für einen Aktionsplan vorgelegt: Axel Vogt will im kommenden Jahr richtig loslegen. Der Beauftragte für Menschen mit Behinderung im Kreis Pinneberg will bis Ende 2017, spätestens bis Mitte 2018, herausfinden, wo es im Kreis Pinneberg Handlungsbedarf gibt – und so die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK), die seit 2008 besteht und 2009 in Deutschland in Kraft getreten ist, umsetzen. Sie besagt, dass alle gleichberechtigt am Leben teilhaben sollen. Vertragsstaaten verpflichten sich, bestehende Gesetze, Verordnungen, Vorschriften und Verhalten zu prüfen und anzupassen.

Das Leben ist voll von besonderen Herausforderungen für Menschen mit Behinderung. So nennt Vogt als Beispiel den Pinneberger Bahnhof, wo es keinen Fahrstuhl gibt und ein spontaner Gleiswechsel zum Verpassen des Zugs führt. Oder das helle Licht in Duschen in Schwimmbädern, aufgrund dessen Menschen mit Sehbehinderung den Weg nicht finden, weil die Kontraste fehlen. An ihn wenden sich auch psychisch behinderte Menschen. Manche von ihnen benötigten einen Assistenzhund, der ihnen Nähe gibt und Platz schafft, etwa im Bus. „Wenn ihr Vermieter kein Haustier zulässt, sind sie in einem großen Konflikt“, sagt Vogt.

Der Behindertenbeauftragte will in den kommenden zwei Jahren Menschen mit Behinderung, Träger von Einrichtungen und Vereine an einen Tisch holen. „Am Ende stehen etwa 50 bis 60 Aufgaben, die dann umgesetzt werden sollten“, sagt er. Einen Zwang gibt es aber nicht. „Für vieles ist eine politische Entscheidung notwendig, weil Haushaltsmittel erforderlich sind“, sagt Vogt.

Die Politik ist vorab bereits gefragt: Vogt will den Beteiligungsprozess professionell durch eine externe Gesellschaft begeleiten lassen. Die Kosten: 70.000 Euro für zwei Jahre. Der Kreis kommt dafür auf, sollten die Politiker im März dafür stimmen, die benötigten Mittel in den Nachtragshaushalt für 2016 einzustellen. Vogt will alles richtig machen. Er hat den neu eingerichteten Posten ehrenamtlich übernommen. Er weiß, worüber er spricht. Sein elfjähriger Sohn ist schwerbehindert. Vogt blickt entsprechend auf die Herausforderungen im öffentlichen Leben, in den Schulen, am Arbeitsplatz.

„Nicht über, sondern mit uns sprechen.“

Ihm ist wichtig, dass sich auch Nichtbehinderte an dem Aktionsplan beteiligen. Sein Prinzip: „Nicht über, sondern mit uns sprechen.“ Für den Vater eines behinderten Sohnes ist auch die Einbeziehung einer anderen Gruppe wichtig, die seiner Meinung nach keine Lobby hat: Menschen, die Behinderte unterstützen. „Für sie ist das Gefühl, nichts anderes zu machen als zu kämpfen, der Normalzustand“, sagt Vogt.

In Workshops sollen gemeinsam konkrete Maßnahmen erarbeitet werden. „In Arbeitsgruppen werden Querschnittsthemen bearbeitet und am Ende wird priorisiert, was am wichtigsten ist“, erklärt Vogt. Dann ist er wieder am Zug. Für die Umsetzung wolle er dann kämpfen. „Schließlich ist ein Behindertenbeauftragter für die beharrliche Verfolgung der Aufgaben da“, sagt er.

Der Startschuss fällt im März, sobald die Kreispolitiker die Mittel genehmigen. Vogt ruft schon einmal vorsorglich dazu auf, sich dann zu beteiligen. In den Kreisen und kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins gibt es laut Vogt bisher noch keine verabschiedeten Aktionspläne zur Umsetzung der BRK, einige haben aber damit begonnen. Das Land plane, seinen Aktionsplan im kommenden Frühjahr zu veröffentlichen und 2017 zu beschließen.

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