Kündigung für KSP-Chefin : Der Bauhof ist bald ohne Führung

„Ich will nicht ausschließen, dass ich vor das Arbeitsgericht gehe“, sagt Silkata Sahin-Adu, KSP-Chefin.
Foto:

„Ich will nicht ausschließen, dass ich vor das Arbeitsgericht gehe“, sagt Silkata Sahin-Adu, KSP-Chefin.

Hauptausschuss Pinneberg: Die Schulallianz und die Grünen befürchten Verzögerungen bei Schulbausanierung.

von
24. März 2017, 12:15 Uhr

Pinneberg | Ein Kommunalpolitiker sprach von einem „Tollhaus“. So gehe man nicht mit Menschen um. Er meinte damit die Stimmung am Mittwochabend in der Sitzung des nicht öffentlichen Hauptausschusses. Wie berichtet, ist dort das Schicksal von Bauhof-Chefin Silkata Sahin-Adu besiegelt worden. CDU, SPD und FDP stimmten dafür, die Zusammenarbeit mit der Leiterin des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg (KSP) zu beenden. Grüne & Unabhängige sowie die Bürgernahen votierten dagegen. Die Stadt wollte sich gestern nicht äußern, da es sich um Personalangelegenheiten handelt, so Sprecherin Maren Uschkurat.

CDU, SPD und FDP folgten der Empfehlung von Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos). Sie wirft Sahin-Adu vor, ohne Erlaubnis 160Euro für ein Seminar abgerechnet zu haben. Nun sei das Vertrauensverhältnis zerstört. Steinberg soll in der Sitzung schweres Geschütz aufgefahren haben. Eine Arbeitsrechtlerin war an ihrer Seite, um die Mitglieder juristisch davon zu überzeugen, dass der Beschluss auch vor Gericht nicht anfechtbar sei. Dieser sieht vor, bis zum 29.März einen Aufhebungsvertrag mit Sahin-Adu abzuschließen. Das Arbeitsverhältnis würde am 30. Juni in beiderseitigem Einvernehmen enden. Bis dahin wird die Bauhof-Chefin freigestellt unter Fortsetzung der Vergütung. Eine Abfindung wird nicht gezahlt. Sollte Sahin-Adu nicht einwilligen, würde Steinberg zu dem Mittel der ordentlichen Kündigung greifen.

Was hat die KSP-Chefin nun vor? „Ich werde mich mit meinem Anwalt beraten. Ich will nicht ausschließen, dass ich vor das Arbeitsgericht gehe“, sagte sie gestern. Den Aufhebungsvertrag habe ihr bereits ein Bote gebacht. Sie verstehe die Welt nicht mehr. „Ich habe angeboten, die 160 Euro zurückzuzahlen.“ Viele hätten ihr aber Mut gemacht.

Unterdessen soll auch die Bürgermeisterin im Hauptausschuss im Fokus der Kritik gestanden haben. Bemängelt  worden sei ihre Personalführung. Mittlerweile sollen fünf Mitarbeiter gegen sie klagen, zwei davon sind noch im Rathaus beschäftigt. Sahin-Adu könnte die sechste Klägerin werden. Auch der Vorwurf in Richtung Steinberg, selbst von der Kommunalaufsicht des Landes Schleswig-Holstein zu einer Geldbuße von 500Euro verdonnert worden zu sein, weil sie eigenmächtig einer Firma Kosten von 4750Euro erlassen hatte, kam zur Sprache. Die Mitglieder der CDU, die derzeit uneingeschränkt hinter Steinberg stehen, sollen daraufhin „fuchsteufelswild“ geworden sein, so ein Mitglied des Hauptausschusses. 

Während der  Hauptausschuss nicht öffentlich tagte, fand im Rockvillezimmer des Rathauses  die öffentliche Sitzung des Schulausschusses statt. Die Personalie Sahin-Adu hatte dort bereits erste Konsequenzen. Die meisten Tagesordnungspunkte zum Thema Schulbausanierung  flogen von der Agenda. Deswegen verließen die Vertreter der Schulallianz und mehrere Schulleiter schon nach kurzer Zeit die Sitzung – nicht ohne vorher ihren Unmut über die bevorstehende Entlassung von Werkleiterin Sahin-Adu zu äußern: „Wie wollen Sie sicherstellen, dass es keine Verzögerung gibt“, wollte Ulrike Graefen, Vorsitzende der Schulallianz, von dem Ausschussvorsitzenden Gerhard Bode (CDU) wissen. Er werde die Frage an die Verwaltung weitergeben, so seine Antwort.

 

Thomas Gerdes, Leiter der Grund -und Gemeinschaftsschule (GuGs), kam nicht dazu, eine Stellungnahme vorzutragen, die auch die Meinung, so Gerdes im Gespräch, der meisten Pinneberger Schulleitungen widerspiegele. Gerdes geht darin auf die Versäumnisse und Hemmnisse seitens der Leitung der Kernverwaltung ein. Er spricht von einer Atmosphäre des Misstrauens und der Angst im Rechnungsprüfungsamt und im Rathaus.

Gerdes sieht eine Verbesserung seit dem Eintritt von Sahin-Adu. Seit 2014 ist sie Leiterin des KSP. Um nur einige Punkte zu nennen: Sahin-Adu habe diverse Fehler und Versäumnisse der letzten 50 Jahre aufgearbeitet, Brandschutzmaßnahmen umgesetzt, sie sei in unzählige Sanierungsvorhaben trotz großer formeller Hürden eingestiegen und habe  Barrierefreiheit, Inklusion und pädagogische Interessen berücksichtigt. 

Das sieht die Fraktion Grüne & Unabhängige genauso. In einer Pressemitteilung heißt es: „Frau Sahin-Adu bekommt von ihren Kunden  –  den Schulen, dem Museum, der Stadtbücherei, dem Jugendzentrum – sehr oft ein positives Echo für ihre Arbeit. Dass diese wichtige Kraft aus Pinneberg vertrieben werden soll, ist überhaupt nicht nachzuvollziehen.“ Die Bürgermeisterin müsse jetzt erklären, wie die sowieso nicht ausreichenden Baumaßnahmen an den Schulen in diesem Jahr überhaupt noch geschafft werden sollen, wenn der KSP demnächst ohne Führung dastehe. Hintergrund: Auch der technische Leiter des KSP hat  gekündigt.  Für die Grünen besteht kein Zweifel daran, dass die Verwaltung mit allen Mitteln die Rückgabe des Gebäudemanagements erzwingen, wenn nicht sogar den KSP insgesamt zerschlagen will. „Dabei werden wir nicht tatenlos zusehen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen