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Tragisches Unglück in Hasloh : Der Bauherr ist schuldig

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Am 29. Juni 2012 starb Maurer Norbert W. bei Sanierungsarbeiten. Laut Gericht hat Bashkim H. damals fahrlässig gehandelt.

Itzehoe | Es war ein tragisches Unglück, das sich am Morgen des 29. Juni 2012 in Hasloh ereignete. Während der damals 38-jährige Maurer Norbert W. Sanierungsarbeiten im Kellergeschoss des Hauses verrichtete, stürzte die Decke über ihm zusammen. W. war sofort tot. Gestern sprach das Amtsgericht Pinneberg den 49-jährigen Bauherrn Bashkim H. schuldig, durch fahrlässiges Handeln mitverantwortlich für den Tod des 38-Jährigen zu sein.

Staatsanwalt Joachim Bestmann hatte H. vorgeworfen, mit den Bauarbeiten am Haus begonnen zu haben, ohne den zuständigen Fachdienst darüber zu informieren. Zudem habe H. es versäumt, einen Bauleiter zu benennen, der den ordnungsgemäßen Ablauf der Bauarbeiten überwacht und die Tragfähigkeit des Bestands überprüft hätte. Dies sei eine Fahrlässigkeit gewesen, die den Tod des Maurers verursacht habe.

H. gab gestern vor Gericht zu, dass sich alles so ereignet hatte, wie der Staatsanwalt es in seiner Anklageverlesung schilderte. „Es tut mir für die Familie unendlich leid, dass das passiert ist. Das war ein tragischer Unfall, dessen Bilder ich immer noch im Kopf habe, und den ich nicht vergessen werde“, sagte er.

H. sagte aus, er habe nicht gewusst, dass er verpflichtet gewesen wäre, den Baubeginn beim Fachdienst anzumelden und einen Bauleiter zu benennen. Er habe gedacht, nach Erteilung der Baugenehmigung könne er einfach anfangen zu bauen. Dass in der Baugenehmigung die weiteren nötigen Schritte gestanden haben, habe er nicht gesehen.

Dass H. den Tod des Maurers sehr bedauere, glaubte ihm auch die 33-jährige Witwe, die gestern als Nebenklägerin vor Gericht auftrat. Nachdem der Unfall geschehen war, habe H. sich mit ihr getroffen, um ihr sein Beileid auszuprechen und ihr den verbliebenen Lohn ihres Mannes in Höhe von 1000 Euro auszuzahlen. Zudem habe er ihr 500 Euro gegegeben, um sie kurz nach dem Tod W.s ein wenig zu entlasten. Danach habe es zwischen ihr und H. jedoch keinen Kontakt mehr gegeben, wie sie sagte. Allerdings erwähnte H., dass er sich über eine Kontaktperson immer wieder nach dem Befinden der trauernden Familie erkundigt und der Frau sowie ihren beiden Kindern seine Hilfe angeboten habe. Auf sie selbst zugegangen, sei er jedoch nicht, um sich nicht aufzudrängen.

Da H. gleich zu Prozessbeginn einräumte, dass die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zuträfen, wollte Richter Jens Woydon im weiteren Verlauf herausfinden, ob eine Verwarnung mit Strafvorbehalt möglich sei. Er fragte den Angeklagten, ob dieser sich vorstellen könne, der Witwe zwei Jahre lang monatlich einen Betrag zu überweisen. 200 Euro schlug sein Verteidiger Henning Plate zunächst vor. Doch diese Summe war dem Angeklagten zu hoch. Schließlich habe er nur ein geringes Einkommen, mit dem er für seine Familie aufkommen sowie seine Schulden für den Einsatz der Feuerwehr am Unfallort bezahlen müsse. „Ich möchte nichts versprechen, was ich nicht bezahlen kann“, sagte er zum Richter. 150 Euro seien der höchste Betrag, den er monatlich aufbringen könne.

Staatsanwalt Beckmann forderte in seinem Plädoyer, den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung schuldig zu sprechen und eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen je 30 Euro vorzubehalten. Alternativ wäre eine Bewährungsstrafe mit der Auflage, der Witwe 4800 Euro in Raten von 150 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren zu zahlen. Diesem Antrag schlossen sich auch die Anwälte der Nebenklägerin sowie der Verteidigung an.

Nach einer kurzen Beratung entschied das Gericht, H. schuldig zu sprechen und ihn unter Vorbehalt einer Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu je zehn Euro zu verwarnen. Als Auflage, um diese nicht zahlen zu müssen, solle er der Witwe in den kommenden zwei Jahren monatlich 150 Euro überweisen.

Woydon begründete sein Urteil damit, dass H. bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Zudem habe er die Tat eingeräumt und sich bei der Familie des Opfers entschuldigt. Außerdem habe er sich bereit erklärt, der Witwe eine Schadensersatzleistung zu zahlen. Hinzu käme, dass der Verstorbene gelernter Maurer und erfahrener Bauarbeiter gewesen sei und die Gefahr genauso hätte erkennen müssen wie der Angeklagte. Aus diesem Grund träfe ihn ebenfalls ein Teil der Schuld.

Die Höhe der Schadensersatzleistung legte Woydon auf insgesamt 3600 Euro fest, da eine derartige Bewährung nur über den Zeitraum von zwei Jahren verhängt werden könne, so Woydon. „Dafür muss Herr H. zwar vielleicht zusätzlich arbeiten, doch dazu hat er sich bereiterklärt“, sagte er.

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erstellt am 26.Sep.2013 | 06:00 Uhr

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