Soziales Projekt : Der ASB macht mit dem Wünschewagen letzte Wünsche wahr

Erfüllen letzte Wünsche: Marc Wagner und Pauline Kahnes vom Arbeiter-Samariter-Bund in Elmshorn.
Erfüllen letzte Wünsche: Marc Wagner und Pauline Kahnes vom Arbeiter-Samariter-Bund in Elmshorn.

Nochmal ans Meer, zur Familie oder ins Stadion: Der Arbeiter-Samariter-Bund in Elmshorn erfüllt sterbenskranken Menschen letzte Wünsche.

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22. Dezember 2017, 10:30 Uhr

Elmshorn | Gerade zu Weihnachten ist die Wunschliste lang. Was soll es denn sein, ein neuer Fernseher oder vielleicht eine neue Uhr? Doch es gibt Menschen im Kreis Pinneberg, die nur einen Wunsch haben: der letzte. Diese Menschen wissen, dass sie bald sterben werden. Doch vorher haben sie einen allerletzten, großen Wunsch. Aber wie sollen diese Menschen und ihre Angehörigen das allein bewerkstelligen? 

Hier kommt der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) ins Spiel. „Der Wünschewagen ist ein Landesprojekt in Schleswig-Holstein“, erklärt Marc Wagner, vom ASB in Elmshorn. Er fügt an: „Mit dem erfüllen wir sterbenskranken Menschen in ganz Schleswig-Holstein das ganze Jahr über ihren letzten Wunsch.“

70 Ehrenamtliche in Schleswig-Holstein

Ob nochmal ans Meer, zu Familie und Freunden, ob im Stadion des Herzensvereins zu jubeln oder ins Theater: Jeder Passagier des Wünschewagens möchte nochmal etwas anderes, verbindendes erleben. „Der Wagen ist ausgestattet wie ein Krankenwagen – allerdings nur auf den ersten Blick“, sagt Wagner. Medizinische Geräte im Innenraum seien hinter Schränken versteckt. „Zwölf solcher Wagen gibt es bereits in Deutschland, 16 sollen es in Zukunft sein – einer in jedem Bundesland“, erklärt Wagner. Finanziert werde der Wünschewagen durch Spendengelder. Alle Helfer des Projekts arbeiten ehrenamtlich. „Die meisten kommen aus der Pflege, sind Ärzte oder Rettungskräfte“, sagt Wagner. Etwa 70 Ehrenamtliche gebe es in Schleswig-Holstein.

Doch wie läuft so ein letzter Wunsch ab? „Zunächst bekommen wir eine Anfrage, meist von den Angehörigen“, antwortet Pauline Kahnes. Die junge Frau absolviert zurzeit ihr freiwilliges soziales Jahr beim ASB. „Dann schauen wir, ob das Ganze machbar ist und versuchen alles zu organisieren“, ergänzt sie. Zwei Helfer werden benötigt. Mit der sterbenskranken Person und einem Angehörigen kommen insgesamt vier Menschen mit auf die Wunschfahrt. Gibt es denn Wünsche, die nicht erfüllt werden konnten? „Ein einziges Mal gab es das tatsächlich, ansonsten haben wir es aber immer hinbekommen“, sagt Wagner.

Einmal noch Matthias Reim treffen

Wie beispielsweise bei der letzten Anfrage. Der letzte Wunsch: Einmal noch zum Konzert von Matthias Reim. „Drei Wochen haben wir hin und her telefoniert“, bekräftigt Wagner den Willen, jeden Wunsch zu erfüllen. Die Mühe hat sich gelohnt: Im kommenden Jahr gehe es zum Konzert nach Rostock.

Zwei Jahre gibt es die Fahrten schon. 84 Wünsche konnten in dieser Zeit bereits erfüllt werden. „Die Nachfrage steigt“, sagt Wagner. Die Menschen würden die Idee immer besser annehmen.

Welcher Fall ging denn besonders ans Herz? „Die Frage ist eher, welcher nicht?“, antwortet Wagner. Um so eine Wunschfahrt zu verstehen, müsse man eigentlich mitfahren. „Für jeden Helfer sind glaube ich die persönlich betreuten Fahrten die emotionalsten“, vermutet Kahnes. Sie ergänzt: „Jede Fahrt ist etwas ganz Besonderes.“

Der Wünschewagen wird von keiner öffentlichen Institution unterstützt. Er lebt von Spenden, eigenen finanziellen Mitteln des Arbeiter-Samariter-Bundes und  ehrenamtlichem Engagement. Die Pflege und der Unterhalt des Fahrzeugs sowie die Schulungen für ehrenamtliche Helfer kosten Geld. Wer spenden möchte: ASB S-H e.V., Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE02 2512 0510 0007 4135 30, BIC: BFSWDE33HAN.

Weitere Informationen zum ASB und zum Wünschewagen gibt es hier.

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