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Kreis Pinneberg : Der Arbeitsmarkt braucht Zuwanderung

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Flüchtlinge sollen helfen, den Fachkräftemangel zu verhindern. Arbeitsmarktintegration gelingt im ersten Jahr nur acht Prozent der Flüchtlinge.

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2015 | 12:52 Uhr

Kreis Pinneberg | „Es geht nicht darum, ob wir die Integration schaffen, sondern darum, wie wir es schaffen und ob wir es schaffen wollen“, sagte Jens Sander, Sektionssprecher Pinneberg des Wirtschaftsrats Deutschland gestern. Der Verband diskutierte gemeinsam mit Ole Schröder (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, sowie Margit Haupt-Koopmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Nord in der Bundesagentur für Arbeit, zum Thema „Die aktuelle Flüchtlingspolitik und Qualifikation der Flüchtlinge vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt“.

„Wir wollen keine Grabenkämpfe. Dafür haben wir keine Zeit. Wir brauchen Leute, die anpacken und mitmachen“, betonte Sander. Er sehe derzeit eine wichtige Aufgabe der Bundesregierung in der Regulierung des Arbeitsmarkts. „Es gibt viele ehrenamtliche Helfer, die auch den Staat verändern“, stellte Sander eine Abkehr von der „üblichen Beamtenmentalität“ fest. Er ist sicher: Der schnellste Weg, die sozialdemokratische Marktwirtschaft in die Köpfe der Flüchtlinge zu bekommen, geht über den Arbeitsmarkt. „Zum Glück ist unser Arbeitsmarkt sehr robust. Ich möchte nicht erleben, was los wäre, wenn wir eine Jugendarbeitslosigkeit wie in Frankreich hätten“, sagte Schröder. Der Parlamentarische Staatssekretär mahnte allerdings auch: „Entscheidend ist nicht, wie wir in der Krise arbeiten, sondern auch wie wir an der Krise arbeiten.“ Es sei notwendig, die Zuwanderung zukünftig zu begrenzen. Schröder betonte, dass Deutschland nicht jedes Jahr eine Million Flüchtlinge aufnehmen könne. Er lobte in dem Zusammenhang die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen: „ Es ist eine humanitäre Visitenkarte für unser Land.“

„Uns war schon lange klar, dass wir Zuwanderung brauchen“, sagte Haupt-Koopmann. Eine Nettozuwanderung von 200.000 Menschen pro Jahr sei notwendig, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. So sollen bis 2025 etwa 90.000 qualifizierte Arbeitskräfte in Schleswig-Holstein fehlen. Bis 2050 seien es fast eine halbe Million. „Wir werden viele Menschen mit Bleibeperspektive erhalten. Daraus müssen wir etwas machen und die Menschen gut ausbilden“, betonte Haupt-Koopmann. Denn 55 Prozent der Zuwanderer seien jünger als 25 Jahre und 81 Prozent jünger als 35 Jahre alt. Allerdings würden nur acht Prozent im ersten Jahr in den Arbeitsmarkt integriert. Nach fünf Jahren seien es 50, nach zehn Jahren 60 und nach 15 Jahren 70 Prozent der Migranten. „Der syrische Arzt oder Bauakademiker sind die Ausnahme. Wir haben viele Menschen, die eine Qualifikation mitbringen, wenn auch nicht nach deutschen Standards“, so Haupt-Koopmann, die für einen schnellen Spracherwerb als Einstieg in den Arbeitsmarkt warb. Ihr Aufruf: „Wichtig ist, dass man mutig und pragmatisch ist und etwas bewegen will.“

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