zur Navigation springen

Rellinger Brandstiftungs-Prozess : Der Angeklagte schweigt weiter

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Anwalt fordert die Einstellung des Verfahrens. Ein Deal zwischen Staatsanwaltschaft, Angeklagtem und Gericht ist gescheitert.

Rellingen/Itzehoe | Am Dienstag ist die Verhandlung gegen André M. fortgesetzt worden. Ihm wird vorgeworfen, in Rellingen mehrfach versucht zu haben, Autos anzuzünden. Polizisten hatten ihn laut Anklage beobachtet, wie er Papier in den Radkästen der Wagen deponierte und in Brand steckte. Daraufhin wurde er festgenommen.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren am Dienstag wesentlich lockerer als noch am ersten Prozesstag. Damals hatten zahlreiche Justizangestellte vor dem Gerichtssaal alle Prozessbeobachter durchsucht. Diese Kontrollen entfielen dieses Mal. Der Verhandlungstag begann mit einem Antrag, das Verfahren einzustellen. Anwalt Pennecke sprach von Medienhetze gegen seinen Mandanten, die unvoreingenommene Aussagen von Zeugen und eine unabhängige Entscheidung des Gerichts unmöglich machten. Presse und Fernsehsender hätten seinen Mandaten als „Feuerteufel“ und „Apfelfest-Bomber“ bezeichnet. Eine Boulevardzeitung habe das Attribut „irre“ verwendet. Politiker hätten zudem den Eindruck erweckt, dass André M. als Serienbrandstifter verurteilt werden müsse. „Ein fairer Prozess ist nicht mehr möglich“, sagte Pennecke.

Richter Dominik Mardorf wies den Antrag nach Beratung mit seinen Schöffen zurück. Artikel 5 des Grundgesetzes garantiere die Meinungs- sowie Pressefreiheit und lasse Berichte über die erhobenen Vorwürfe zu. „Das Gericht hat die nötige Sachkunde, Zeugen auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen“, sagte Richter Mardorf. Die unvoreingenommene Urteilsfindung sei nicht gefährdet.

Den Prozesstag Dienstag nutzten Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, um die Polizisten zu befragen, die in der Nacht auf den 10. September an dem Einsatz auf der Straße An der Rellau und an der Festnahme von André M. beteiligt waren. Ihren Aussagen nach war der Angeklagte mehrfach aus seinem Wohnhaus gekommen, um Papier auf den Reifen parkender Autos anzuzünden.

Ein Beamter sagte auf Nachfrage von Pennecke, dass die Familie des Angeklagten mehrfach Anzeige erstattet habe, weil sie sich bedroht fühle. Der Beamte sagte in Bezug auf André M.: „In diesem Zusammenhang wurde mitgeteilt, dass es Leute gibt, die ihn in Rellingen nicht haben wollen.“

Ein sogenannter Deal, also eine Verständigung auf ein Strafmaß zwischen Angeklagtem, Staatsanwaltschaft und Gericht war gescheitert, wie Mardorf zu Beginn des Verhandlungstags sagte. Es war demnach diskutiert worden, nach einem Geständnis von André M. eine dreijährige Gefängnisstrafe zu verhängen.

Bisher umfasst die Anklage lediglich die drei Vorfälle in der Nacht auf den 10. September. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch davon überzeugt, dass André M. für weitere Brandanschläge in Rellingen verantwortlich ist. Deswegen sollen noch zwei Anklagen, die insgesamt zwölf Taten umfassen, folgen. Sie waren bisher nicht Gegenstand des Verfahrens. Der Prozess wird am Freitag, 27. März, fortgesetzt.
zur Startseite

von
erstellt am 17.Mär.2015 | 14:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert