zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 02:58 Uhr

Prisdorf : Der „Altkanzler“ macht Pause

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wilfried Hans, ehemaliger Bürgermeister, spricht über die Herausforderungen der Verwaltung und seine zukünftigen Pläne.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Prisdorf | Wilfried Hans wurde kürzlich als kaufmännischer Geschäftsführer der Großstadtmission in den Ruhestand verabschiedet. Zudem leitete er 14 Jahre bis 2016 als Bürgermeister die Geschicke Prisdorfs. Mit shz.de sprach er über Vergangenes und seine Sicht auf Themen der heutigen Politik im Ort.

Geboren ist Hans in Burg in Dithmarschen. Das Finanzgeschäft, für das er bei seiner Verabschiedung große Ehre erhalten hatte, war für Hans aber keine freie Wahl gewesen: Er wollte Zimmerer werden. „Das ist zu schwer für Dich“, habe seine Mutter gesagt. Dann wollte Hans zur Polizei: „Zu gefährlich“, sei Mutters Urteil gewesen. „Du gehst zur Bank“, hatte sie für den Sohn entschieden.

Nach Prisdorf kam Hans als Zivildienstleistender im Kinderheim der Großstadtmission im Prisdorfer Dahl. „Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, hatten es mir immer schon angetan“, sagt Hans. Im Anschluss bot man dem zupackenden Banker mit Herz eine Stelle in der Verwaltung an. „Ich war ernüchtert – ein Holzstuhl und ein Küchentisch, das war mein Büro.“ Am Wochenende zimmerte er: Mit einem Kollegen baute er einmal zehn Betten, von denen einige heute noch da sein sollen.

1980 wurde Hans zum Verwaltungsleiter, 1994 kaufmännischer Vorstand der Großstadtmission. Zudem war er lange Bürgermeister in Prisdorf. Was hat sich in der Zwischenzeit verändert im Dorf? Zu Beginn seiner Amtszeit sei Prisdorfs Wandlungsprozess vom landwirtschaftlich geprägten Ort zum Wohnort bereits fortgeschritten. „Als ich damals das Amt übernahm waren es noch fünf aktive landwirtschaftliche Betriebe, als ich ging war nur noch einer im Ort ansässig.“ Einen schwierigen Haushalt habe er vorgefunden. „Wir hatten kaum finanziellen Handlungsspielraum“, sagt der Ex-Bürgermeister.

Durch den Bau eines dritten Gleises, das bereits in Pinneberg Nord hätte enden können, sei damals auch der Prisdorfer Bahnhof in Gefahr geraten. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir damals um dessen Erhalt gekämpft. Das dritte Gleis wurde am Ende nicht realisiert, der Bahnhof blieb erhalten.“ So habe der Ort seine Attraktivität als Wohnort weiter gesteigert. „Der Schuldenfalle konnten wir am Ende mit der Ausweisung zweier Baugebiete entkommen, eines mit 23    und das andere mit in etwa 35 Bauplätzen“, berichtet Hans. Dass diese so gut verkauft werden konnten, habe auch mit dem Bahnhof und der guten Anbindung an Hamburg zu tun gehabt.

Auch in der aktuellen politischen Diskussion spielt der Prisdorfer Bahnhof eine tragende Rolle: Intensiv diskutiert wird über die Park-and-Ride-Anlage und die Anzahl der Parkplätze. Was hält der „Altkanzler“ davon? „Natürlich nutzen das viele aus anderen Gemeinden, die Prisdorfer werden großteils zu Fuß oder mit dem Rad zum Bahnhof kommen. Die Anwohner in der Bahnhofstraße werden auch durch mehr Verkehr belastet, das kann man nicht wegdiskutieren“, so Hans. „Andererseits halten viele Passagiere den Bahnhof und damit auch den Wohnort attraktiv. Mit einer Stückzahl von etwa 80 Parkplätzen kann man ganz gut leben, denke ich.“

„Das Wichtigste ist immer eine gute Kommunikation über die Sachverhalte“, sagt Hans. „Man kann unterschiedlicher Meinung sein, das macht ja Demokratie aus. Aber man muss alle im Informationsfluss mitnehmen, damit sich jeder ein Bild machen kann.“ Hans lobt besonders die Arbeit mit den Vereinen und Verbänden im Ort. „Auf die konnte ich mich immer verlassen.“ Ein besonders dickes Lob hat er für die Feuerwehr übrig: „Ohne die läuft hier nichts.“

Die Mammutaufgaben für die Zukunft seien die Einführung der Niederschlagswassergebühr und die Sanierung der Eisenbahnbrücke. „Das wäre auf mich auch zugekommen“, seufzt Hans. Nachdenken solle man in Prisdorf über neue Wohnformen für die verschiedenen Generationen und seine langfristige Entwicklung: „Ich denke, man könnte ein Ortsentwicklungskonzept erarbeiten, wie es umliegende Gemeinden auch gerade anfangen.“ Es sei sinnvoll, sich Gedanken zu machen, wo der Ort in etwa 30    Jahren stehen soll.

Und wo möchte Hans persönlich künftig stehen? „Jetzt mache ich erstmal Urlaub in Portugal“, sagt er. Bis Jahresende übernehme er auch kein weiteres Amt. Dann wolle er mit seiner Frau beraten, was zu tun sei. Sicher wolle er ab 2018 weiterhin in Prisdorf engagiert sein, vielleicht aber auch einen lang gehegten Traum erfüllen: „Ich wollte schon immer mal Projekte im Ausland unterstützen. Zum Beispiel in Afrika, wo Infrastruktur für Trinkwasser oder Gesundheit fehlt.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen