Radfahrer kämpfen für ihre Straße : Der ADFC will die Halstenbeker Straße attraktiver machen

In Pinneberg passiere allgemein zu wenig, so die Aussage des ADFC.

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30. März 2017, 16:00 Uhr

Pinneberg | Es sei spannend gewesen, sagt Martina Bartels, wie die Themen, die ihnen am Herzen liegen, während der letzten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses von der Tagesordnung gestrichen worden seien. „Mit einem Federstrich.“ Die Mitglieder des Pinneberger Ortsvereins des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) kämpfen seit 2012 um die Ausweisung einer Fahrradstraße in der Halstenbeker Straße. Die Ausschussmitglieder vertagten das Thema auf die Sitzung am 9. Mai. „Bis dahin dürften alle Ratsmitglieder ihre Vorlagen gelesen haben“, sagt Bartels. Der ADFC kämpft um mehr Aufmerksamkeit. „Es ist ein mühseliges Verfahren“, fasst Juliane Besendahl den Kampf um die Fahrradstraße zusammen. Sie sichert Radfahrern mehr Rechte gegenüber Autofahrern zu. Diese dürften nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde fahren. Radfahrer können nebeneinander fahren. „Der Hauptteil des Verkehrs muss Fahrradverkehr sein und das wäre rund um die Johann-Comenius-Schule der Fall“, erklärt Besendahl.

Den Einwand von Bauamtschef Klaus Stieghorst, die Straße sei zu schmal, winkt Matthias Walenda ab. „Es gibt aber keine Vorgabe“, sagt er. Auch die von der Verwaltung ins Spiel gebrachte Verkehrszählung sei nicht notwendig. „Nun schiebt die Verwaltung vor, dass die Anwohner beim Ausbau zur Kasse gebeten werden. Wenn die Buckelpiste repariert wird, werden sie das aber ohnehin – Fahrradstraße hin oder her“, sagt Besendahl. Besser ausgebaute Straßen würden mehr Radfahrer auf die Straße bringen. „Das größte Problem, warum viele in Pinneberg nicht aufs Fahrrad steigen, ist die Sorge, bedrängt oder angehupt zu werden. Das kennen viele von uns“, so Besendahl.

Jochen Hilbert kritisiert ein Missverhältnis bei der Förderung von Auto- und Fahrradverkehr: „Pinneberg gibt bei 6000 bis 7000 parkenden Autos im Stadtgebiet 500.000 bis 600.000 Euro allein für den ruhenden Verkehr aus. Für den Radverkehr will man nur 50.000 Euro investieren. Das passt nicht.“

50 Cent investiert Pinneberg laut ADFC-Sprecher Ulf Brüggmann pro Einwohner und Jahr in den Radverkehr. „In Elmshorn sind es fünf Euro und in Hamburg ist es ähnlich.“ In europäischen Fahrradstädten sind die Dimensionen allerdings noch anders: Kopenhagen investiere 40 bis 50 und Groningen sogar 100 Euro pro Einwohner in den Radverkehr. „Viele Punkte sind umsetzbar, ohne Geld in die Hand zu nehmen“, weist Brüggmann hin.

„Wir hätten gern einen Mängelmelder für Fahrräder eingerichtet, aber die Stadt wollte es nicht“, sagt er. Vor zwei Jahren habe es im Rahmen des Stadtradelns ein Mängelradar gegeben, bei dem etwa 200 Meldungen eingingen. Dieses soll es auch in diesem Jahr während des Stadtradelns vom 11. Juni bis 1. Juli geben. Das Thema der Radwege und deren Zustand scheint jedoch kein alleiniges Thema in Pinneberg zu sein. In ganz Schleswig-Holstein sind die Wege in einem zum Teil fragwürdigen Zustand. Mehr lesen Sie hier.

Und auch die Sportler auf den Straßen fühlen sich nicht immer ausreichend berücksichtigt. Im Selbstversuch hat das Tageblatt die Probleme zwischen Rennrad- und Autofahrern getestet. Mehr lesen Sie hier.

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