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Pinneberger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 17:22 Uhr

Kreis Pinneberg : Der Abschied vom Klassenkampf

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Reger Zulauf: Gewerkschaften im Norden möbeln ihr Image auf und gewinnen erstmals seit über 20 Jahren neue Mitglieder.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Nach Jahren des Mitgliederschwunds verzeichnen die Gewerkschaften in Schleswig-Holstein wieder regen Zulauf. „Im Jahr 2012 gab es ein Plus – zum ersten Mal seit Anfang der 90er Jahre“, verdeutlicht Heiko Messerschmidt, Sprecher des IG Metall Bezirks Küste, die Situation. Er spricht von einer „insgesamt positiven Trendwende“. Im Gesamtbereich der IG Metall Küste, zu dem neben Schleswig-Holstein auch Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordwest-Niedersachsen zählen, sei die Zahl um 1500 auf nun 177.000 Mitglieder gestiegen, 36.000 davon in Schleswig-Holstein. Daten für das Jahr 2013 sollen morgen veröffentlicht werden. „Wir hoffen, dass wir diese stabilen Zahlen halten“, so Messerschmidt.

„In den letzten Jahren gab es bei uns eine positive Entwicklung – und 2013 war unser seit langem erfolgreichstes Jahr“, sagt Frank Schischefsky, Sprecher von Verdi Nord. Hätten in den Jahren 2004 und 2005 noch rund 7000 Eintritte jeweils etwa 14.000 Austritten gegenüber gestanden, so ließe sich seit 2011 eine Angleichung feststellen. „Wir sind noch nicht in der positiven Zone“, so Schischefsky, der für Verdi Nord keine Mitgliederzahlen nennen will. „Ich gehe aber davon aus, dass es dieses oder nächstes Jahr soweit ist.“ Es gebe innerhalb des Gesamtgebiets, zu dem neben Schleswig-Holstein auch Mecklenburg-Vorpommern gehört, schon erste Bereiche mit Zuwächsen. Bundesweit stieg die Zahl der Verdi-Mitglieder 2013 um 3343 auf 2 064 541 an.

Als einen Grund für den Wandel nennt Schischefsky handfeste Konflikte im Norden, gute Strategien zur Nachwuchsgewinnung und einen Imagewandel. „Wir haben ein gutes Standing, gelten nicht mehr bloß als Klassenkämpfer und zeigen, dass wir Konflikte lösen können und gute Tarifrunden machen“, so Schischefsky. „Heute können wir sagen: es sieht super gut aus.“

Einen starken Anstieg der Mitglieder verzeichnet die Gewerkshaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Im Zehnjahreszeitraum von 2003 bis 2013 nahm die Zahl um 1688 auf 9970 zu, wie Sprecher Bernd Schauer sagt. Dies habe zum großen Teil am „Versagen des ehemaligen Bildungsministers Ekkehard Klug“ gelegen. „Wenn Lehrerzahlen durch Stellenabbau reduziert werden und es konfliktträchtige Tarifrunden gibt, bringt das Mitglieder.“ Trotzdem sei es schwierig, junge Leute zu erreichen. „Die Bindungswilligkeit ist nicht stark ausgeprägt.“ Deshalb setze man auf Werbung an Universitäten.

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