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Kreis Pinneberg : Der A23-Ausbau ist derzeit kein Thema

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer will zunächst die Kosten kennen. Ohne Förderung des Bundes gibt es keine Finanzierung.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Wie schnell die Bundesautobahn A7 zwischen Quickborn und Hamburg Nord zum Nadelöhr werden kann, erfuhr der Schleswig-Holsteinische Wirtschafts- und Verkehrsminister am eigenen Leib. Zur vierten gemeinsamen A7-Informations-Großveranstaltung von Landesregierung, Industrie- und Handelskammer (IHK), der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) sowie der Logistik Initiative Schleswig-Holstein kam Reinhard Meyer (SPD) leicht verspätet. Er stand im Stau.

„Es gibt keine Alternative zum Ausbau der A7“, erklärte Meyer vor 120 Vertretern aus Kommunen, Firmen und Verbänden. Schon heute reichten die Kapazitäten nicht aus, um den anfallenden Verkehr aufzunehmen. Der Landesminister stellte allerdings auch klar, dass die Verkehrsbelastung mit 84.000 Fahrzeugen pro Tag im Gegensatz zu anderen großen Metropolen noch erträglich sei. Allerdings würde diese weiter steigen: „Alle Verkehrsprognosen gehen davon aus, dass das Verkehrsaufkommen zunimmt.“

Die aufkommenden Fragen nach einem sechsspurigen Ausbau der A23 wehrte Meyer ab. Eine Studie habe die Sinnhaftigkeit eines Ausbaus bestätigt, so der SPD-Politiker. „Ohne die Kosten zu kennen, sage ich nichts dazu, wann was losgeht“, stellte Meyer aber klar. Derzeit liefen Untersuchungen, welche Baumaßnahmen erforderlich seien. Denn auch die Einbindung der Standstreifen sei nicht ohne bauliche Veränderungen machbar. „Ohne Gelder aus Berlin und Zustimmung des Bundes ist das Projekt auch nicht zu finanzieren“, erklärte der Wirtschafts- und Verkehrsminister.

Das sähe beim Ausbau der A7 anders aus. „Wir haben ein transeuropäisches Projekt“, stellte Bernd Rothe, Prokurist Technik und Bereichsleiter Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen klar. Der Bund liefere eine Anschubfinanzierung für das Projekt. Für Bau und Grunderwerb seien 330 Millionen Euro geplant. Für den Betrieb des Autobahnabschnitts in den kommenden 30 Jahren sollen 1,54 Milliarden Euro fließen. Nach der ersten Abschlagzahlung sollen die Gelder im Rahmen des „Verfügbarkeitsmodells“ ausgeschüttet werden. Deges werde die Verfügbarkeit der Fahrstreifen und notwendige Geschwindigkeitsreduzierungen überwachen. Sei keine volle Verfügbarkeit erreicht, würden Zahlungen reduziert. „Wir erhoffen uns dadurch eine schnelle Umsetzung des Projekts“, so Rothe, der einräumte: „Wir stehen vor einem Mammutprojekt und wir haben noch nie vor so einer komplexen Aufgabe gestanden.“ Denn die gesamten Arbeiten sollen ohne Vollsperrungen erfolgen.

Um für Entlastung zu sorgen, warb Gerhard Fuchs, Verkehrskoordinator der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein und Verantwortlicher für das Mega-Projekt, für den Umstieg auf den Nahverkehr. Die Bahnlinien Hamburg-Kiel und Hamburg-Flensburg sollen ihre Taktung verbessern und zukünftig jede halbe beziehungsweise jede Stunde fahren. „Die AKN wird Fahrzeuge mit mehr Kapazitäten einsetzten“, so Fuchs, der hoffte, das „viele Pendler das gute Angebot des ÖPNV als Alternative zur A7 nutzen.“

Am 31. Dezember 2018 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Meyer versprach: „Wir wollen und werden den Termin einhalten.“

Der Ausbau der Bundesautobahn A7 gilt als eines der größten Straßenbauprojekte überhaupt. Die 58,8 Kilometer lange Strecke zwischen Hamburg Nord-West und Bordesholm soll acht- bis zehnspurig (inklusive Seitenstreifen) ausgebaut werden. Dafür müssen unter anderem 33 Brücken angepasst und 30 neue gebaut werden, da sie in den 60er Jahren nicht für die heute anfallenden Lasten konzipiert wurden. 15,7 Lärmschutzwälle und -wände sollen in den kommenden vier Jahren errichtet werden. Bei Unterführungen sei zudem der Einsatz von „Flüsterbeton“ geplant. Für den Ausbau und die spätere Instandhaltung ist das Baukonsortium „Via Soltions Nord“ zuständig. baf
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