Anstoss – Die HSV-Kolumne : Dennis Diekmeiers Abgang ist ein Segen für den HSV

Kolumnist Lars Zimmermann.

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shz.de-Kolumnist Lars Zimmermann über Diekmeier: Spieler, Trainer und Sportchefs kamen und gingen meistens ganz schnell wieder weg. Diekmeier überlebte sie alle.

shz.de von
27. Mai 2018, 10:00 Uhr

Hamburg | Wohl kein Spieler verkörperte die Entwicklung des HSV in den vergangenen Jahren so sehr wie Dennis Diekmeier. Gelegentliche Lichtblicke, nie über einen längeren Zeitraum wirklich gut, aber zumindest immer da – das galt für den Verein und auch für Diekmeier, der 2010 nach Hamburg kam. Spieler, Trainer und Sportchefs kamen und gingen meistens ganz schnell wieder weg. Diekmeier überlebte sie alle.

So wurde der Rechtsverteidiger sozusagen zum Dino beim Dino und zu einem der Gesichter des HSV. Das war für den Verein nicht nur positiv. Diekmeier war zwar ein netter Kerl. Aber irgendwie hatte man das Gefühl, dass er sein Potenzial nicht wirklich ausschöpft. Schließlich galt das Urgestein mal als riesiges Talent, dem eine große Zukunft bescheinigt wurde.

Letztendlich blieb er aber ein austauschbarer Mitläufer bei einem Abstiegskandidaten – und schien damit auch ganz zufrieden sein. Das Geld kam pünktlich, auch sonst hatte der Rechtsverteidiger wenig auszustehen. Diekmeier ging es gut und daran ließ er über die sozialen Medien auch alle teilhaben. Selbst im Abstiegskampf blieb immer noch Zeit, die neuen Tattoos zu präsentieren. So stand der Defensivspieler genau wie sein Verein für Bequemlichkeit und Stillstand. Beide hatten sich gemütlich eingerichtet und wurschtelten sich irgendwie durch. Sowohl der HSV als auch Diekmeier schienen sich ein Zitat aus dem Baseball-Film „Die Indianer von Cleveland“ zu Herzen genommen zu haben. Dort hieß es, dass man nicht gut sein, sondern nur auffallen müsse. Das tat der Dino vorrangig durch ständige Querelen neben und peinliche Auftritte auf dem Platz.

Diekmeier suchte sich sein ganz persönliches Alleinstellungsmerkmal. Kein Bundesligaspieler hat so viele Spiele bestritten, ohne jemals ein Tor zu erzielen.  So mögen einige vielleicht Diekmeiers Abgang bedauern. Man trennt sich halt ungern von dem, was man gut kennt, auch wenn es häufig nutzlos ist. Für den HSV ist der Weggang des Rechtsverteidigers  aber ein Segen. Denn er steht wie kein anderer für die Zeit, die die sportlich schlechteste der Vereinsgeschichte war. Mit Spielern wie ihm ist kein glaubwürdiger Neuanfang möglich.

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