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Kreis Pinneberg : Den „Grünen“ fehlt der Nachwuchs

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Freiwillige sind aus Kliniken und Pflegeheimen nicht mehr wegzudenken. Helfer sind fast alle älter als 60 Jahre. Wenige Männer.

Kreis Pinneberg | Wer den Haupteingang des Pinneberger Klinikums betritt, kann sie nicht verfehlen. Geradewegs in Sichtweite hinter dem Empfangstresen sitzen die „Grünen“, wie sie von allen nur genannt werden. Gemeint sind die „Grünen Damen und Herren“, jene ehrenamtlichen Helfer, die Lotsen- und Besuchsdienste übernehmen. Ein freundliches Gesicht blickt dem Besucher entgegen: Es ist das einer Frau und sie ist 70 Jahre alt. Sei es im Klinikum oder in den Alten- und Pflegeheimen: Den „Grünen“ fehlt der Nachwuchs und Männer sind unterrepräsentiert.

Das freundliche Gesicht gehört zu Ingeborg Jaenisch. Sie zieht sich seit 20 Jahren den grünen Kittel über, um Patienten zuzuhören, sie zu Untersuchungen zu begleiten, Besuchern den Weg zu zeigen und die Kleiderkammer zu managen. „Wir sind dafür da, ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagt die 70-Jährige. Ohne die Mitglieder der Ehrenamtlichen Krankenhaushilfe würde etwas fehlen, sagt Angela Bartels, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regio-Kliniken, und fügt an: „Sie leisten einen wertvollen Beitrag bei der Betreuung unserer Patienten und deren Angehöriger. Sie sind Teil der Seele eines jeden Krankenhauses.“

Jaenisch konnte ihre Zeit frei einteilen und meldete sich deshalb für den ehrenamtlichen Dienst. Das geht den wenigsten Berufstätigen so, weiß Einsatzleiterin Monika Hennig (60). Drei bis vier Stunden pro Woche sind ihre Helfer im Klinikum im Einsatz. Dafür fehlt den meisten schlichtweg die Zeit. „Wir haben drei Frauen, die unter der Woche arbeiten und deshalb sonnabends kommen, das finde ich richtig toll“, sagt Hennig. 46 „Grüne“ zählt das Team im Pinneberger Klinikum aktuell. Zum Ende des Jahres hören einige auf – die Altersgrenze des Dachverbands Evangelische Kranken- und Alten-Hilfe verlangt das mitunter. Sie liegt bei 80 Jahren.

Ähnliche Situation in Elmshorn

Nachfolger werden nicht nur in Pinneberg gebraucht. Auch Bärbel Heinitz, die am Klinikum in Elmshorn eine Gruppe von 57 Helfern leitet, muss am Ende des Jahres vier Kollegen von der Einsatzliste streichen. Seit fünf Jahren steht die 66-Jährige an der Spitze des Teams, das einmal 70 Einsatzkräfte zählte. „Aber es wurden auch einige Stationen geschlossen“, sagt sie. Die Elmshornerin schätzt das Durchschnittsalter ihrer „Grünen“ auf 70 Jahre. „Wir sind sogar bei Ehrenamtsmessen vertreten. Viele finden toll, was wir tun, aber dabei bleibt es“, sagt Heinitz.

Die Abläufe im Krankenhaus und Pflegeheim lassen einen Einsatz in den Abendstunden nicht zu. Es bleiben nur die Vor- und Nachmittage für das ehrenamtliche Engagement. Sabine Klövekorn (68), die Einsatzleiterin im Wedeler Klinikum, hat sich längst damit abgefunden, dass ihre „Grünen“ im Rentenalter sind. Sie seien einfach spontaner und zuverlässiger. Aber sie hat wie die anderen auch nur wenige Männer auf ihrer Einsatzliste: Das Wedeler Team zählt drei „Grüne Herren“ unter 14 Damen, in Elmshorn sind es acht von 57.

Uschi Podewski kann auf drei Männer zählen. Ihr 30-köpfiges Team geht in fünf Pinneberger Pflegeheimen ein und aus. Spielenachmittage, Handarbeitsgruppen, plattdeutsche Lesungen, Begleitung bei Arztterminen, Spaziergänge – Auch in den Pflegeheimen sind die „Grünen Damen und Herren“ nicht mehr wegzudenken. „Sie machen die Arbeit bunter. Wir können vieles mit unserem eigenen Personal gar nicht abdecken“, sagt Tina Frommholz, Leiterin des Bereichs soziale Betreuung in der Seniorenresidenz Helene Donner in Pinneberg. „Es könnten mehr Männer unter ihnen sein“, fügt sie lachend hinzu. Die Aufgaben der „Grünen“ erfordern laut der Pinneberger Einsatzleiterin Monika Hennig Empathie, Zuhörerqualitäten, Zurückhaltung sowie physische und psychische Stabilität. „Schließlich wissen wir nicht immer, was uns hinter der Tür eines Krankenzimmers erwartet“, sagt sie. Die Empfangsdame des Pinneberger Klinikums, Susann Klekot, dreht sich um und sagt: „Ohne euch würden wir das hier alles gar nicht schaffen. Die ,Grünen’ werden immer gebraucht.“

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erstellt am 20.Nov.2015 | 12:54 Uhr

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