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Interview Teil 2 : Deborah Azzab-Robinson über geschlechtsspezifische Grillwurst und die Frauenquote

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im zweiten Teil unseres Interviews spricht die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Pinneberg über Politik und Veränderungen.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Am Sonntag, 11. Oktober, ist der Internationale Weltmädchentag. Deborah Azzab-Robinson (49, Foto), Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Pinneberg, im zweiten Teil des Interviews zur Situation in Pinneberg, ihrer Meinung zur Frauenquote und über Sinn und Unsinn geschlechtsspezifischer Grillwurst.

Unternimmt die Pinneberger Politik  genug für die Gleichstellung?
Deborah Azzab-Robinson: Wo Pinneberg  Entscheidungskompetenzen hat: Ja. Wo es aber andere Rahmenbedingungen gibt, wie zum Beispiel wenn es um Themen wie gleiches Geld für gleiche Arbeit geht: Dann kann die Pinneberger Politik da nicht dran drehen. Was sie machen kann und gemacht hat: Sie hat eine Gleichstellungsbeauftragte bestellt. Und das – im Vergleich zu anderen Kommunen – zu guten Konditionen. Außerdem gibt es eine Frauenberatungsstelle und ein Frauenhaus – angesichts der  Finanzsituation der Stadt ist das ein wichtiges Zeichen.

Hat sich in Pinneberg etwas verändert, seitdem Sie hier arbeiten?
Ich bin in die Arbeit meiner Vorgängerin eingestiegen und habe viele Projekte weitergeführt. Zu allen wichtigen frauenrelevanten Netzwerken im Kreis Pinneberg habe ich Kontakt oder kooperiere mit ihnen. Was ich mit eingebracht habe? Eine intensive Vernetzung mit dem Bereich Integration und Migration. Aktuell ist mein Arbeitsschwerpunkt die Situation weiblicher Flüchtlinge.

Was halten Sie als Gleichstellungsbeauftragte von der viel diskutierten Frauenquote?
Ich bin eine absolute Befürworterin. Gut, dass Sie das fragen. Denn es gibt einen Punkt an der Diskussion, der mich unwahrscheinlich ärgert: Dass immer unter den Tisch fällt, an welche Voraussetzungen die Quote geknüpft ist. Die Frauenquote greift nur bei gleicher Qualifikation. Außerdem greift die Regelung nur in den Bereichen, wo ein 50 prozentiger Frauenanteil noch nicht erreicht ist. Für die freie Wirtschaft hat es zwar schon vor vielen Jahren eine Selbstverpflichtung gegeben – aber es hat fast nichts gebracht. Generell ist es ja so: Wenn etwas nicht funktioniert, dann haben wir rechtliche Instrumentarien – wie die Frauenquote – das zu ändern. Die Frage der Gleichstellung ist eine Frage, die Verfassungsrang hat. Es heißt schließlich auch in Artikel 3 des Grundgesetzes, dass Männer und Frauen nicht nur gleichberechtigt sind, sondern der Staat bestehende Nachteile aktiv beseitigen muss.

Was halten Sie von Produkten wie Ü-Eiern für Mädchen in Rosa und für Jungs in Blau oder Grillwurst stärker gewürzt  für Männer und fettarm Frauen?
Ich finde das hochproblematisch und lehne es ab. Kinder nehmen früh wahr: Ich habe ein Geschlecht. Die Zuordnung zu einer Rolle erfolgt aber erst später. Unter anderem durch das soziale Umfeld und die Gesellschaft, aber auch zunehmend durch Medien. Die werden von Kindern immer früher konsumiert. Jungs werden dabei so geprägt, dass sie etwas bewirken  können. Mädchen werden zum reagierenden, passiven Geschlecht gemacht. Dabei müssen beide Geschlechter merken: Ich habe Gestaltungsmöglichkeiten.

Was wünschen Sie sich künftig für Pinnebergs Mädchen? 
Ich wünsche mir, dass sie viel Kraft haben und sich frei von Vorgaben und Stigmen, Vorurteilen und Rollenzuweisungen beruflich und privat entfalten können.

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