Kreis Pinneberg : Debatte um Spitzelei im Wald

In Schleswig-Holstein gibt es derzeit Ärger um Kameras, die in Wäldern zur Überwachung von Wildtieren eingesetzt werden.
Foto:
In Schleswig-Holstein gibt es derzeit Ärger um Kameras, die in Wäldern zur Überwachung von Wildtieren eingesetzt werden.

Datenschützer und Grüne kritisieren sogenannte Wildkameras. Genehmigungen sind bislang nicht notwendig.

shz.de von
25. Januar 2015, 11:00 Uhr

Kreis Pinneberg | George Orwell lässt grüßen? In Schleswig-Holstein gibt es derzeit Ärger um Kameras, die in Wäldern zur Überwachung von Wildtieren eingesetzt werden. „Die hohe Auflösung der Bilder lässt im Falle der Erfassung einer Person deren klare Identifizierung zu. Der Einsatz von Wildkameras in öffentlich zugänglichen Räumen ist damit grundsätzlich unzulässig“, heißt es in eine Stellungnahme des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD).

Auch Resy de Ruijsscher, Vorstandssprecherin der Grünen im Kreis Pinneberg sieht die Geräte kritisch. „Für Wildkameras an öffentlichen und von Spaziergängern genutzten Wegen im Wald gibt es keinerlei Notwendigkeit“, sagt sie. Der Datenschutz sei ein wesentlich höheres Gut als die Interesseren einzelner Personen odfer Gruppierungen. „Die Aufstellung sollte deshalb an ganz bestimmte Kriterien wie Positionierung und klare Kennzeichnung gebunden sein und eine Genehmigung erfordern“, so de Ruijsscher weiter.

Dies ist laut Kreissprecher Oliver Carstens bislang nicht der Fall. Wie viele Kameras in den Wäldern des Kreises konkret installiert sind, weiß deshalb niemand so recht. Mit einer Einschränkung allerdings: Kameras, die speziell der Überwachung von Wölfen dienen, sind als Projekt der Landesregierung gesondert gekennzeichnet, es gibt 14 in Schleswig-Holstein und genau eine aktuell im Kreis Pinneberg. „Da sie den Wolfsbewegungen folgen, sind sie sehr kurzlebig und können sich morgen schon wieder woanders befinden“, sagt Hans-Albrecht Hewicker.

Der Kreisnaturschutzbeauftragte hält die Aufregung für übertrieben. „Von den Wölfen abgesehen dienen Wildkameras ausschließlich der Beobachtung des Hochwilds und hängen deshalb dort, wo sich im Normalfall  keine Menschen aufhalten. Sollten aber doch einmal Personen mit fotografiert werden, werden die Bilder umgehend gelöscht“, so Hewicker. Zur Dokumentation seien die Geräte unerlässlich. „Auf der Basis der Daten ermitteln Jäger Bestände und Abschusspläne“. Nur so sei der Artenschutz gewährleistet.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen