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Integration mit der, die oder das? : Daz-Klassen: Das Erfolgs-Konzept der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

An der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule in Elmshorn werden die Jugendlichen möglichst frühzeitig gemischt.

Elmshorn | 18 Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Stuhlkreis um drei Haufen mit Zetteln. In der Mitte liegt jeweils der Artikel „der“, „die“ oder „das“, darum Bilder mit Gegenständen – zum Beispiel das Messer, der Taschenrechner oder die Vase. Die Daz-Schüler (Daz: Deutsch als Zweitsprache) spielen eine verschärfte Version von „Ich packe meinen Koffer“, das den Jugendlichen höchste Konzentration abverlangt. Die 13-jährige Sana aus Syrien lebt seit Dezember 2015 in Deutschland und ist jetzt an der Reihe: „Ich packe meinen Koffer und nehme mit: seine Mütze, ihre Lampe, ihre Taschenrechner...“ Lehrerin Öznur Baykal korrigiert: „Es heißt der Taschenrechner, also?“ Sana atmet einmal tief ein und aus.

Schulleiterin Maren Schramm.

Schulleiterin Maren Schramm.

Etwa 70 Kinder gibt es in den sprachlichen Integrationsklassen der Elmshorner Anne-Frank-Gemeinschaftsschule in Elmshorn. Wenn die ausländischen Kinder nach Elmshorn kommen und kein oder nur kaum Deutsch können, gehen sie zunächst in eine der Daz-Klassen. Das Erfolgs-Konzept der AFG, mit dem die Schule jüngst mit dem ersten Platz beim Metaplan-Preis geehrt wurde, liegt für Schulleiterin Maren Schramm (Foto) vor allem darin, dass die Kinder möglichst schnell die sprachlichen Inseln der Daz-Klassen verlassen. Schramm: „Die Integration erfolgt in den Stammklassen.“ Daher werden die Jugendlichen von Beginn an einer regulären Klasse zugewiesen: „Sie wissen gleich, zu welcher Gemeinschaft sie gehören. Sie knüpfen schneller Freundschaften zu den Schülern mit Deutsch als Muttersprache. Und sie kommen so einfach besser an.“ Es erfolge auch in den Fächern, bei denen Sprache zweitrangig ist – Kunst, Musik oder Sport – nach und nach gemeinsamer Unterricht. Denn das Ziel der Schulzeit ist laut Schramm die „Integration in die deutsche Gesellschaft“. Dazu gibt es noch Nachmittagskurse, Kooperationen mit dem Willkommensteam, dem Wendepunkt und vielen mehr.

Der Weg hin zu einem Sprachniveau, dass für die Stammklasse ausreicht – das sogenannte Sprachniveau B1 – ist für jeden Schüler unterschiedlich schwer. Es gibt die 14-jährige Zahra aus Afghanistan, die vor ihrer Ankunft im Herbst 2015 in Elmshorn vier Sprachen beherrschte und zur Halbjahrespause bereits in die Stammklasse wechseln konnte. Und es gibt Kinder, die in ihrer Heimat noch nie eine Schule besucht haben. Schramm: „Unsere Lehrer brauchen sehr viel Gespür, um zu sehen, wie weit die Kinder sind und wann sie für den nächsten Schritt bereit sind.“

Auf die Frage, was das Schwerste an Deutsch ist, müssen die Schüler nicht lang überlegen: „Grammatik“, antworten fast alle. Und was mögen sie so an Deutschland: „Ich fühle mich hier frei“, sagt Zahra: „Ich habe hier Fahrradfahren gelernt. Das hätte ich in Afghanistan als Mädchen nicht gekonnt. In meinem Land sind die Taliban.“ Sana ist mit ihren Eltern aus der umkämpften syrischen Stadt Idlib geflohen. Ihre Antwort fällt kürzer aus: „Hier ist es schön, hier fallen keine Bomben.“

Das Quickborner Unternehmen Metaplan lobt alljährlich einen Schulpreis zu einem bestimmten Oberthema aus, um den sich die Schulen im Kreis Pinneberg bewerben können. 2016 lautete das Motto: Integration von Flüchtlingskindern. Die Preisverleihung war im Dezember. Geehrt wurden die Elmshorner Anne-Frank-Gemeinschaftsschule, die Grundschule Mühlenberg und die Comenius-Schule jeweils aus Quickborn und die Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule Wedel. Wir stellen die vier geehrten Schulen und die Konzepte, mit denen sie die Jury überzeugt haben, vor. Heute: die Anne-Frank-Gemeinschaftsschule Elmshorn.
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erstellt am 18.Feb.2017 | 15:00 Uhr

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