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Pinneberger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 18:36 Uhr

Lokalpolitik : Das Wohl der Stadt fest im Blick

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Von der Schulpolitik zum Fraktionsvorsitz: Die Sozialdemokratin Angela Traboldt ist seit 15 Jahren in der Pinneberger Politik aktiv.

Pinneberg | „Die politische Arbeit ist wie eine Maschine hinter einem Vorhang. Ein Teil der Maschine, wie die Schraube der Schulpolitik, ist sichtbar und wird verstellt. Dann fällt der Vorhang und die komplette Maschine kommt zum Vorschein. Da wird einem dann plötzlich klar, dass die Veränderungen an der Schraube negative Auswirkung auf die ganze Maschine haben können.“ Mit dieser Metapher beschreibt Angela Traboldt ihre Arbeit in der Kommunalpolitik. „Das Ergebnis ist dann oft nicht so, wie man es sich vorgestellt hat. Für das Gesamtwohl der Stadt muss man also die Zusammenhänge – die ganze Maschine – begreifen.“

Alle Stellschrauben der Stadt Pinneberg in Einklang zu bringen – das versucht die 56-Jährige seit 2008 als Fraktionsvorsitzende der Pinneberger SPD. Auslöser für ihr politisches Engagement war zunächst ihre Arbeit im Elternbeirat. Zwanzig Jahre hat sie sich insgesamt bei drei Schulen an der Elternarbeit beteiligt: „Wolfgang Thierse hat mal gesagt, dass man erst wirklich politisch aktiv wird, wenn es einen persönlich betrifft. Das war auch bei mir so, denn die Probleme an der Schule bekam ich als Mutter hautnah mit“, begründet sie die Entscheidung für ihre ersten politischen Schritte in Pinneberg. Der Positionswechsel von der Seite der Eltern, die immer Veränderung wollten, auf die Seite der Kommunalpolitik war dabei für sie nicht immer ganz einfach: „Es war interessant, aber es gab auf einmal noch viel mehr Probleme als die Ausstattung einer Schule. Als Politikerin bist du dann auch oft sofort an allem Schuld“, erinnert sich Traboldt.

Ihrem Steckenpferd, der Schulpolitik, ist sie als Mitglied der Ratsversammlung, der sie seit 2003 angehört, und als Vorsitzende des Schulausschusses treu geblieben. „Nach der letzten Kommunalwahl im Frühling habe ich mich aber zumindest von der Führungsrolle in der Schulpolitik zurückgezogen. Unser Parteinachwuchs möchte sich dort einbringen und da darf ich nicht an meinem Posten festhalten“, so Traboldt, die im Mai von ihrer Fraktion für weitere fünf Jahren als Vorsitzende bestätigt wurde. Lachend fügt sie hinzu: „Jetzt bin ich im Wirtschafts-und Finanzausschuss gelandet. Das hätte ich mir auch nie gedacht.“

Fraktionsvorsitzende – eine zeitintensive ehrenamtliche Position. An drei bis vier Abenden muss die Personalratsvorsitzende in einer Hamburger Behörde zu Ausschusssitzungen. Als Vorsitzende immer präsent sein. „Für die Sitzungen müssen natürlich auch immer noch Vorbereitungen getroffen werden. Ich muss mich einlesen und informieren“, berichtet die SPD-Politikerin und zeigt auf einen dicken Umschlag mit Ausschusspapieren, der neben dem Wallnusskuchen auf dem Esszimmertisch liegt. Den Beruf, die Familie und die ehrenamtliche Partei unter einen Hut zu bringen, ginge dabei nur, wenn der Ehemann, die Familie und auch die anderen Fraktionsmitglieder mitziehen. „Man muss immer genau in sich reinhören und um die eigenen Instrumente wissen, um den Stress wieder zu minimieren. Außerdem ist man immer nur so gut, wie sein Team. In der Fraktion sind wir eine sehr eingespielte Gruppe und unser Fraktionsvorstand arbeitet echt Hand in Hand.“ Vielen, vor allem den Frauen, die sich politisch engagieren möchten, falle es allerdings schwer Kind und Kegel zu koordinieren, so Traboldt. Außerdem fühlten sie sich vielen Themen nicht gewachsen und seien oft eingeschüchtert. Die Genossin ermutigt: „Da wächst man rein. Ich habe mir am Anfang auch erst mal alle Themen angehört und kaum einen Pieps gesagt. Mittlerweile habe ich so viel neues Wissen bekommen, zum Beispiel darüber, wie Sozialarbeit funktioniert oder über die Stadtentwicklung.“

Die gebürtige Hamburgerin ist Ende der 70er Jahre nach Pinneberg gezogen und weiß um die Probleme der Stadt: Es fehle an allen Ecken und Enden an Geld und in der Innenstadt ganz klar an Einzelhandel. Es müssten mehr Gewerbeflächen geschaffen werden, denn nur über die höheren Einnahmen durch Gewerbesteuer könne wirklich Geld in die leeren Kassen der Kreisstadt kommen.

Außerdem müsse der Bahnhof dringend behindertengerecht gestaltet und attraktiver Wohnraum für junge Familien geschaffen werden. Auch bei ihrem Lieblingsthema, der Schulpolitik, sieht Traboldt noch Nachholbedarf: „Wir brauchen anständige Schulen – nicht Container als Klassenräume oder Wasser in den Räumen.“

Trotz all dieser Schwierigkeiten schätzt Angela Traboldt ihr Leben in Pinneberg sehr: „Wir haben hier eine tolle Infrastruktur. Grünanlagen zum Erholen, gute Bildungsstandorte, genügend Ärzte und alles Notwendige direkt vor der Tür. Und natürlich die wunderbaren Feste, wie zum Beispiel das ehrenamtlich organisierte Jazzfestival im Sommer“, schwärmt die zweifache Mutter von ihrer Wahlheimat Pinneberg und fügt hinzu: „Es ist hier nicht so hektisch und man sieht immer bekannte Gesichter. Das gibt einfach einen anderen Zusammenhalt. Außerdem ist Pinneberg eine sehr engagierte Stadt. Das zeichnet Pinneberg wirklich aus.“

Den Fraktionsvorsitz hat Angela Traboldt 2008 von Dieter Tietz übernommen. „Mir war da von Anfang an klar, dass ich es gar nicht erst versuche, in die Fußstapfen meines Vorgängers zu treten. Man muss seinen eigenen Weg finden und entweder man schafft es, zu überzeugen oder eben nicht.“ Typisch weiblich sei hierbei vielleicht, dass sie auf der Kommunikationsbasis gut vermitteln kann und gleichzeitig in der Lage ist, konsequent zu entscheiden. So möchte die passionierte Radfahrerin auch die nächsten fünf Jahre ihre Führungsrolle ausfüllen. Was danach passiere, wisse sie nicht. „Solange es mir gesundheitlich gut geht, kann ich mir vorstellen auch noch weiter zu machen, aber ich finde, man muss auch irgendwann aufhören können.“

Die am Sonntag, 26. Mai 2013, gewählte Pinneberger Ratsversammlung hat 35 Mitglieder. Die meisten Sitze haben die Christdemokraten mit zwölf Sitzen, elf weitere werden von sozialdemokratischen Mitgliedern besetzt, sieben von der GAL und der Rest von der FDP und der Partei die Bürgernahen. In den Ausschüssen und Gremien der Ratsversammlung treffen sich die Politiker und beraten und entscheiden über die Belange der Pinneberger Bürger. Gesetzlich vorgeschrieben ist hierbei die Einrichtung eines Hauptausschusses, der die Arbeit in den übrigen Ausschüssen koordiniert. Der Hauptausschuss trifft sich einmal monatlich. Außerdem gibt  es beispielsweise einen Ausschuss für Kultur, Sport  und Jungend, einen für Soziales, Kinder und Senioren oder den Ausschuss für Stadtentwicklung. Ausschusstermine, deren Tagesordnung und Themen sind online unter der Rubrik Rathaus & Politik bei den Sitzungsinformationen auf www.pinneberg.de abrufbar. Dort stehen ebenfalls Hinweise, ob die kommenden Sitzungen der Ausschüsse öffentlich oder nicht-öffentlich sind.
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