Stauchaos auf der Autobahn : Das war nur der Anfang

Kilometerlang stauten sich gestern Morgen Fahrzeuge auf der Autobahn 7 bei Quickborn in Richtung Süden. Grund dafür sind Bauarbeiten zwischen der Anschlussstelle Hamburg-Eidelstedt und dem Dreieck Nordwest.
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Kilometerlang stauten sich gestern Morgen Fahrzeuge auf der Autobahn 7 bei Quickborn in Richtung Süden. Grund dafür sind Bauarbeiten zwischen der Anschlussstelle Hamburg-Eidelstedt und dem Dreieck Nordwest.

Echte Nervenprobe: Die Straßen im Kreis Pinneberg waren am Mittwochmorgen völlig überlastet - und ab Montag droht die nächste Vollsperrung.

shz.de von
28. November 2013, 06:00 Uhr

Für viele der zirka 40.000 täglichen Berufspendler aus dem Kreis Pinneberg in Richtung Hamburg war der Weg zur Arbeit am Mittwochmorgen aufgrund von Staus eine echte Nervenprobe – und kann es unter Umständen noch bis zum 3. Dezember bleiben. Seit Dienstagabend gibt es Teilsperrungen auf der A 7 sowie der A 23 aufgrund von unvorhergesehenen Problemen bei Bauarbeiten. Auf der A 7 in Richtung Süden wurde die Fahrbahn zwischen den Anschlussstellen Hamburg-Schnelsen und dem Dreieck Hamburg-Nordwest auf einen Fahrstreifen verengt. Nur ein Fahrstreifen stand auch den Fahrern auf der A 23 Heide Richtung Hamburg zwischen den Anschlussstellen Hamburg-Eidelstedt und dem Dreieck Hamburg-Nordwest zur Verfügung. Erst für gestern Nacht war die Freigabe einer zweiten Fahrspur auf der A7 Richtung Süden geplant.

Laut dem Autobahnrevier Elmshorn staute sich der Verkehr gestern Morgen bis zur A 23-Anschlussstelle Tornesch zurück – knapp 16 Kilometer lang. Auf der A 7 standen Autofahrer nach Auskunft der Polizei Neumünster etwa 18 Kilometer bis Henstedt-Ulzburg. Dazu kam: Nahezu alle Ausweichstrecken in Richtung Hamburg waren mit Einsetzen des Berufsverkehrs verstopft.

„Ich befürchte, dass das ein Vorgeschmack auf die Situation ist, wenn 2014 der Ausbau der A7 beginnt“, sagte der Sprecher des Kreises Pinneberg, Marc Trampe.

Ein Schwerpunkt abseits der Autobahn war das Pinneberger Stadtgebiet. Viele Autofahrer mussten durch die Kreisstadt, wenn sie nach Hamburg wollten. „Das Verkehrsaufkommen war erheblich, vor allem Lkw fuhren quer durch die Stadt“, berichtet Dienstgruppenleiter Sascha Schmidt vom Pinneberger Revier. Auch im Nachbarort Rellingen waren „alle Straßen voll, die ein Navi hergeben“, wie der stellvertretende Revierleiter Götz Nowobilski berichtete.

In Rellingen soll ab kommenden Montag, 2. Dezember, zudem eine fünftägige Vollsperrung der Landesstraße 99 erfolgen – für den ohnehin schon überlasteten Ortskern zu viel: „Aus polizeilicher Sicht würde eine Verschiebung der Vollsperrung Sinn machen“, so Nowobilski. Bürgermeisterin Anja Radtke (parteilos) setzt sich für einen Aufschub der Bauarbeiten ein: „Wir haben uns mit dem zuständigen Landesamt in Itzehoe in Verbindung gesetzt und um Verschiebung gebeten“, sagte Radtke. Doch erst heute solle darüber entschieden werden, ob das drohende Chaos abgewendet werden kann.

Busse mit bis zu 40 Minuten Verspätung

Um diesem Chaos im Kreisgebiet zumindest Einhalt zu gebieten, haben die Bus- und Bahnunternehmen reagiert: Hamburger Hochbahn, S-Bahn Hamburg, die Deutsche Bahn und AKN verstärken ihr Angebot, weitere Maßnahmen werden geprüft.

Trotzdem hatte auch der Busverkehr mit Problemen zu kämpfen: „Am Morgen gab es wirklich ein absolutes Chaos. Teilweise sind unsere Busse mit 40 Minuten Verspätung gefahren. Uetersen war in alle Richtungen komplett verstopft“, sagte der Pressesprecher der Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg (KViP), Thorsten Ziehm. Ähnliches berichtet auch Martin Beckmann, Sprecher der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH). Vor allem die Linien 295 und 285 waren betroffen.

Gute Nerven waren gestern nicht nur bei den Bus- und Autofahrern gefragt. Denn auch an der Ursachenbehebung des Staus musste gearbeitet werden. Das Unternehmen Hamburg Wasser erneuert derzeit ein Schmutzwassersiel, das unterhalb der Fahrbahn der A7 verläuft, mithilfe eines unterirdischen Bauverfahrens, dem so genannten Rohrvortrieb. Einschränkungen des Verkehrs waren nicht geplant gewesen, so Pressesprecher Matthias Sobottka.

Am Dienstagnachmittag stieß ein unterirdischer Bohrer jedoch unvorhergesehen auf eine aus früheren Baumaßnahmen in der Erde verbliebene, nicht in den Plänen verzeichnete Stahlblechwand unter der Erde. Diese musste gestern von oben freigegraben und geborgen werden, um die Sielerneuerung fortsetzen zu können. Jetzt müsse die Baugrube wieder verschüttet sowie die Straße neu asphaltiert werden, so Sobottka, der die Lage gestern vor Ort begutachtete. „Wir versuchen mit längeren Arbeitszeiten rund um die Uhr zu arbeiten.“

Eine zweite Stahlblechwand wurde gestern zudem auf der anderen Seite des Mittelstreifens entdeckt. Auch diese muss geborgen werden, so dass der Verkehr seit gestern Nacht auch auf der A7 Richtung Norden zwischen den Anschlussstellen Stellingen und dem Dreieck nur noch zweispurig rollt.

Bis Dienstag sei laut Sobottka jedoch mit Einschränkungen zu rechnen. Da die Zusammenführung der Autobahnen 23 und 7 einen Unfallschwerpunkt darstelle, sei die Baustelle weiträumig abgesperrt worden, um den Verkehr sicher daran vorbeileiten zu können. Zur Erneuerung des Schmutzwassersiels war Hamburg Wasser im Rahmen der Planungen zum Ausbau der A7 verpflichtet worden.

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