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Pinneberger Tageblatt

22. August 2017 | 06:12 Uhr

„Das war grüne Hausmannskost“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kreisverband der Grünen trifft sich zur Manöverkritik nach der Europawahl / Partei weiter auf der Suche nach zweiter Spitze

Gutes Ergebnis geschafft, Kernthemen bedient, Inhalte nach vorne gestellt: So sahen es die einen. Altbackene Kampagne für Fundis, Wechselwähler verpasst, die eigenen Spitzenkandidaten übersehen: So sahen es die anderen. Der Kreisverband der Grünen hat sich am Mittwochabend in Rellingen kritisch mit dem eigenen Abschneiden bei der Europawahl auseinandergesetzt. Und die Meinungen dazu fielen sehr unterschiedlich aus.

„Die Plakate waren thematisch gut. CDU und SPD haben mit Köpfen geworben, wir dagegen mit Inhalten. Das war richtig so“, sagte etwa Hans-Jürgen Bethe aus dem Kreisvorstand. Ähnlich sah es Thorsten Berndt vom Ortsverein Uetersen: „Politisch war es richtig, dass wir auf unsere Kernthemen wie Antiatomkraft, Antifracking und Klimaschutz gesetzt haben.“ Und auch die Landtagsabgeordnete Ines Strehlau sagte: „Es ist gar nicht soschlecht gelaufen. Ich fand es klasse, dass der Kreisvorstand so viele Veranstaltungen organisiert hat, obwohl es sehr schwierig war, damit in der Presse durchzukommen.“ Auch dass die Grünen aus den Ortsverbänden engagiert bei der Sache waren, schien bei allen Mitgliedern Konsens gewesen zu sein.


Wilms bemängelt eigenen Wahlkampf


Die Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms dagegen fand klare Worte. Sie zeigte sich mit dem Ergebnis der Grünen und dem vorangegangen Wahlkampf weniger zufrieden. „Ich muss etwas Wasser in den Wein schütten. Die Plakate waren altbacken. Das war grüne Hausmannkost. Dabei wollen wir doch auch neue Wählergruppen ansprechen“, schimpfte Wilms. Dabei hätten die Grünen sogar noch Glück gehabt, dass die Verfehlungen von Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter, der Zweitwohnungssteuer hinterzogen hatte, kein großes Thema im Wahlkampf gewesen sei. „Wir verlieren massiv im Randbereich um Hamburg, weil wir viele für Nachhaltigkeit offene aber konservative Wähler nicht erreichen“, analysierte Wilms. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir wieder visionär werden. Wie früher, als es gegen die Atomkraft ging. Heute frickeln wir stattdessen kleinteilig am Erneuerbare-Energien-Gesetz herum.“

Da geriet es fast zur Randnotiz, dass die Grünen ihre eigenen Spitzenkandidaten Ska Keller aus Deutschland und José Bové aus Frankreich im Wahlkampf völlig übersehen hatten. Noch Anfang des Jahres waren sie mit großem Tamtam nominiert worden – in einer sogenannten Green Primary. Das war eine Abstimmung, an der sich sogar Nichtmitglieder beteiligen durften. „Die Green Primary war ein Reinfall“, resümmierte die Kreissprecherin der Grüpnen, Resy de Ruijscher.

Weitere Kritikpunkte während der Aussprache: Zu wenig Europawissen der Wahlkämpfer, eine fehlende Landesliste, lustloser Parteitag zum Auftakt, Wahlkampfmüdigkeit. Die Neuausrichtung wird die Grünen wohl während der kommenden Jahre beschäftigen.

Schneller könnte es mit der Besetzung des bei den Grünen üblichen zweiten Sprecherpostens gehen. Da de Ruijscher parteipolitisch mal wieder solo ist, soll während einer Sitzung im Sommer eine Verstärkung gewählt werden.

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