Jahresrückblick : Das war das Jahr 2017 im Kreis Pinneberg

Das alles war 2017: Das Bahnunglück in Elmshorn, der Familientag in Tornesch, Pinnebergs Pioniere für die erste Ehe für alle, Trauerfeier für das Kummerfelder Pflegeheims und die Drostei feiert 250. Jubiläum und die S-Bahn fährt seit 50 Jahren nach Pinneberg.

Das alles war 2017: Das Bahnunglück in Elmshorn, der Familientag in Tornesch, Pinnebergs Pioniere für die erste Ehe für alle, Trauerfeier für das Kummerfelder Pflegeheim, die Drostei feiert 250. Jubiläum und die S-Bahn fährt seit 50 Jahren nach Pinneberg.

Drostei-Feier, Bahn entgleist, Waffennarr, „Alexa“ macht Party und das Ackerfestival verabschiedet sich: Was in der Region in diesem Jahr passiert ist.

shz.de von
27. Dezember 2017, 09:00 Uhr

2017 war ein ereignisreiches Jahr. shz.de gibt einen Überblick für den Kreis Pinneberg:

Trauerfeier fürs Pflegeheim

Die „Trauerfeier“ vor dem Pflegeheim Kummerfeld.
Florian Kleist

Die „Trauerfeier“ vor dem Pflegeheim Kummerfeld.

Alle Proteste nützten nichts: Am 31. März schloss das Pflegeheim der Regio-Kliniken in Kummerfeld endgültig seine Pforten. Die Bewohner in den 102 Patientenzimmern hatten sich in den Monaten zuvor mit etwas beschäftigen müssen, mit dem sie wohl nicht mehr gerechnet hatten: Sie mussten einen neuen Wohnort suchen und noch einmal umziehen. Knapp ein halbes Jahr bevor der letzte Bewohner seine Koffer packte, hatte das Unternehmen angekündigt, das Kummerfelder Pflegeheim zu schließen. Unter anderem, weil die Regio-Kliniken zu 25,1 Prozent dem Kreis Pinneberg gehören, war nach der angekündigten Schließung eine Debatte darüber entstanden, ob die Verwaltung diese nicht noch hätte verhindern können.

Großbrand im Jacobs-Werk

 

Großeinsatz der Feuerwehren am 26. Juni in Elmshorn. Das Jacobs-Kaffee-Fabrikgebäude im Lönsweg brannte lichterloh. Meterhohe Flammen zerstörten die Kühlsysteme des Werks. Eine pechschwarze Rußwolke verdunkelte den Himmel über Elmshorn. 240 Einsatzkräfte waren vor Ort, zwei Feuerwehrleute wurden leicht verletzt. Die Bilder ließen Schlimmes für den Produktionsstandort Elmshorn – dort sind 100 Mitarbeiter beschäftigt – vermuten. Doch das Dach hielt. Das Gebäude blieb fast unversehrt. Die Produktion war aufgrund von Wartungsarbeiten wochenlang planmäßig gestoppt worden. Im Juli konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Marseille-Kaserne: Ein Name auf dem Prüfstand

Die Verteidigungsministerin kündigte im Mai an, Kasernen mit Namen von Wehrmachtsoffizieren umbenennen zu wollen.
Tobias Thieme

Die Verteidigungsministerin kündigte im Mai an, Kasernen mit Namen von Wehrmachtsoffizieren umbenennen zu wollen.

 

Vielen Menschen der Region dürfte in diesem Jahr bewusst geworden sein, dass die Appener Marseille-Kaserne nicht nach der französischen Stadt benannt ist – sondern nach einem Mann, der für die NS-Propagandamaschinerie der „Stern von Afrika“ war. Hans-Joachim Marseille galt als Flieger-Ass und holte mehr als 150 Maschinen der Kriegsgegner vom Himmel. Nach Mobbingskandalen, Zimmern mit Wehrmachts-Devotionalien in anderen Kasernen und  einem rechtsextremen Soldat, der offenbar Anschläge plante, stellte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den Umgang der deutschen Soldaten mit der Wehrmachtsvergangenheit auf den Prüfstand. Auch über den Namen der Appener Kaserne wurde kontrovers debattiert – Ergebnis offen.

Erdogan klagt Elmshorner an

Ali Cebir will sich nicht einschüchtern lässen.
Cornelia Sprenger

Ali Cebir will sich nicht einschüchtern lässen.

 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verklagt nicht nur Satiriker wie Jan Böhmermann oder die Sendung Extra 3: Auch der seit 18 Jahren in Deutschland lebende Ali Cebir gerät in das Visier des starken Mannes in Ankara. Immer wieder veröffentlicht er Informationen über Festnahmen oder Repressionen gegen Erdogan-Gegner auf seiner Internet-Seite. Dafür wird er von der Staatsanwaltschaft Itzehoe vorgeladen – auf Antrag der Türkei. Allerdings: Mitte Januar beschließt die deutsche Regierung, dass in Fällen der Strafverfolgung wegen politischer Taten keine Rechtshilfe geleistet wird – sehr zur Freude des Elmshorners.

Gitte Haenning eröffnet die 250-Jahr-Feier der Drostei

Open-Air-Stimmung auf der Drosteiwiese.
Andreas Dirbach

Open-Air-Stimmung auf der Drosteiwiese.

 

Nur wenig Gras ist noch zu sehen, als am 16. September Gitte Haenning ihr Gratiskonzert auf der Drosteiwiese gibt – so viele Menschen wollen unter anderem den Evergreen „Ich will 'nen Cowboy als Mann“ hören. Es ist der Auftakt einer bunten Festwoche zur 250-Jahr-Feier der Drostei, die im Spätsommer für viel Begeisterung in der Kreisstadt sorgt.

„Alexa“ allein zu Haus

„Alexa“ sei also per Fernsteuerung von dem Handy des 29-Jährigen angeschaltet worden. Dennoch zahle man.
dpa

„Alexa“ sei also per Fernsteuerung von dem Handy des 29-Jährigen angeschaltet worden. Dennoch zahle man.

 

Dieser Einsatz der Polizei in Pinneberg hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Weil sich der Amazon-Sprachassistent „Alexa“ eines 29-Jährigen vermeintlich selbst dazu entschieden hatte, laute Musik abzuspielen, während sein Besitzer in Hamburg feierte, riefen Nachbarn die Polizei und diese brach die Tür auf. Die Meldung aus unserer Zeitung ging durch die sozialen Medien. Amazon kündigte daraufhin an, die Kosten für den Polizeieinsatz zu übernehmen. Laut Amazon-Pressestelle sei die Box durch Fernzugriff aktiviert und auf maximale Lautstärke gestellt:  „Ausgelöst durch die kundeneigene Music-Streaming-App eines Drittanbieters.“ „Alexa“ sei also per Fernsteuerung von dem Handy des 29-Jährigen angeschaltet worden. Dennoch zahle man.

Paula Rüpckes langer Kampf gegen Blutkrebs

Ein Bild aus glücklicheren Zeiten: Paula Rüpcke hat Leukämie.
Pinneberger Tageblatt
Ein Bild aus glücklicheren Zeiten: Paula Rüpcke hat Leukämie.
 

Das Schicksal von Paula Rüpcke aus Schenefeld war sicherlich eines der bewegendsten in diesem Jahr. Die 16-Jährige kämpft gegen den Blutkrebs. Sie hatte sich am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf mehreren Chemotherapien unterzogen. Doch nur ein Spender konnte ihr das Leben retten. Mehr als 3000 Freiwillige folgten Anfang Mai dem Aufruf der Feuerwehr Schenefeld und der DKMS. Kurz danach kam die gute Nachricht: Gleich drei potenzielle Spender wurden über die weltweit vernetzten Datenbanken für Stammzellen gefunden.   Die Behandlung war zwar erfolgreich, jedoch hat die Schülerin ihre Krankheit noch nicht überstanden. Zuletzt war sie kurz zu Hause, musste dann aber wieder ins Krankenhaus, weil es ihr schlechter ging. Besonders die Nebenwirkungen machen dem Mädchen zu schaffen. Aber Paula kämpft weiter.

Bahnunfall in Elmshorn: Die Schuldfrage ist weiter offen

Am 15. November entgleiste kurz hinter Elmshorn ein Zug.
Dickersbach

Am 15. November entgleiste kurz hinter Elmshorn ein Zug.

 

Wegen Sturmschäden und Stellwerk-Problemen wurden 2017 manches Mal die Fahrpläne der Regionalbahn im Kreis Pinneberg durcheinandergewirbelt. Aber nie so, wie am 15. November: Kurz nach der Ausfahrt aus dem Elmshorner Bahnhof entgleist ein Zug. Im Laufe der Ermittlung stellt sich heraus, dass der Streckenabschnitt mit einer defekten Weiche nicht hätte befahren werden dürfen. Er war nach Bauarbeiten noch nicht wieder freigegeben. Die Bundespolizei hat ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung sowie Gefährdung des Bahnverkehrs eingeleitet. Das Ergebnis ist noch offen.

Familientag: „Das war das Mega-Ereignis 2017“

Diese Premiere ist wahrlich gelungen: 35.000 Besucher  haben am 10. September gemeinsam mit dem Kreisfeuerwehrverband Pinneberg, dem Kreisjugendring Pinneberg und dem A. Beig-Verlag den ersten Familientag in Tornesch gefeiert. „Das war das Mega-Ereignis 2017 im Kreis Pinneberg“, sagte Mitorganisator Rolf Heidenberger.  Mehr als 1000 ehrenamtlichen Helfern hatten den Erfolg des Familientags  auf dem Gelände der Kreisfeuerwehrzentrale in Tornesch-Ahrenlohe möglich gemacht. Und das alles für den guten Zweck: Eine hohe fünfstellige Spendensumme für die Jugendarbeit in der Region ist zusammengekommen.

Waffennarr mit Hang zu Hasstiraden

Pistolen, Langwaffen und unzählige Munition  beschlagnahmte die Polizei Mitte Februar in einer Pinneberger Wohnung.   
Polizei

Pistolen, Langwaffen und unzählige Munition  beschlagnahmte die Polizei Mitte Februar in einer Pinneberger Wohnung.  

 

114 Schusswaffen  und knapp eine Tonne Munition: Nein, das war nicht das Ergebnis der Inventur in der Marseille-Kaserne. Dieses schwer vorzustellende Waffenarsenal hat die Polizei Pinneberg am frühen Morgen des 16. Februars in einem Privathaus  in der Kreisstadt sichergestellt. Aber der Polizeieinsatz ist nur die Spitze des Eisbergs. Dahinter steht ein jahrelanger bitterböse geführter Streit mit der Kreisverwaltung, der nach der Aufhebung des Waffenlagers fortgesetzt wird – immerhin nur mit verbalen Geschützen.

Ein lauter Abschied vom Ackerfestival

Ein lautes Servus gab's bei der letzten Auflage des Ackerfestivals im September.
Bastian Fröhlig

Ein lautes Servus gab's bei der letzten Auflage des Ackerfestivals im September.

 

Es ist eine dieser Geschichten, die eigentlich verfilmt werden sollten: Ein Haufen Schüler stellt ein kleines Festival auf die Beine, dass sich über die Jahre zu einer Kult-Veranstaltung mausert. Das Ackerfestival in Kummerfeld war ein Konzertwochenende mit dem Gefühl, auch einen Star von Morgen auf der Bühne zu sehen. Irgendwann wurde das Festival einfach zu groß für einen ehrenamtlich betriebenen Verein – auch weil die einstigen Schüler inzwischen selber Familienväter und -mütter sind. Mitte September feiern 1500 Musikfans zum letzten Mal auf dem Kummerfelder Acker.

XFEL: Forscher aus aller Welt blicken auf Schenefeld

Die Tunnelanlage des European XFEL Röntgenlasers in Schenefeld.
dpa

Die Tunnelanlage des European XFEL Röntgenlasers in Schenefeld.

 

Am 1. September wurde in  Schenefeld der größte und leistungsfähigste Röntgenlaser der Welt eröffnet: Die Anlage, die nun Forschern bei European XFEL zur Verfügung steht, ist eine Art Superkamera. In einem 3,4 Kilometer langen unterirdischen Tunnel werden ultraschnelle Röntgenblitze erzeugt. Sie sollen Strukturen von Molekülen sichtbar machen und den Ablauf von chemischen Reaktionen auf atomarer Ebene zeigen. Und in Zeiten von Brexit und Ukraine-Krise zeigt sich auch, wie hier die Wissenschaft verbindet:  Auch Forscher aus Russland und Großbritannien arbeiten hier zusammen.

Erste Ehe für alle in Hamburg: Paar aus Pinneberg macht den Anfang

Diesem Tag haben sie lang entgegengesehen: Werner (links) und Wolfgang Duysen aus Pinneberg durften 2017 endlich heiraten.
Jan Schönstedt

Diesem Tag haben sie lang entgegengesehen: Werner (links) und Wolfgang Duysen aus Pinneberg durften 2017 endlich heiraten.

 

15 gleichgeschlechtliche Paare haben an dem Tag im Hamburger Rathaus geheiratet, als das Gesetz zur Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts in Kraft getreten ist. Auch Wolfgang und Werner Duysen sind dabei gewesen. Für die Pinneberger war es das Ende eines langen juristischen Kampfes. Um ihr Recht auf Gleichstellung durchzusetzen, waren sie bis vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Dort hatten sie 2010 ein Urteil zur Hinterbliebenenversorgung erkämpft.

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