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Pinneberger Tageblatt

20. August 2017 | 19:43 Uhr

Das Verschwinden der Rehe

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Jäger Günter Heitmann aus Borstel-Hohenraden beklagt Verringerung der Population und fordert Leinenzwang für Hunde

Sind sie Opfer von Wilderern geworden? Haben freilaufende Hunde sie gerissen? Oder sind sie einfach in ein anderes Revier abgewandert? Günter Heitmann (69) ist ratlos. Der Jäger aus Borstel-Hohenraden kann sich nicht erklären, warum die Population der Rehe in diesem Jahr so spürbar gesunken ist. Auf dem 900 Hektar großen Areal in der Feldmark hat sich die Population nach ersten Schätzungen des Jägers von 115 auf etwa 80 reduziert. Bei seinen Streifzügen in der Nähe des Sees bei den Funktürmen am Rande von Borstel-Hohenraden hat er in den vergangene Wochen weniger Tiere gezählt als sonst – dafür sieht er immer mehr Hunde.

Wilderer, Autos, landwirtschaftliche Maschinen auf den Feldern oder freilaufende Hunde vermutet er als Ursache. „Es braucht nur eine günstige Gelegenheit und der Wolf im Hund ist wieder da. Das bekommen die Halter gar nicht mit, wenn die Hunde im Gebüsch sind“, sagt Heitmann. Eine Frau habe ihm berichtet, dass sie einen Hund dabei gesehen habe, als er ein Reh gerissen hatte. Zwar gelte im Wald die Anleinpflicht, auf dem offenen Feld aber nicht, so Heitmann. Der ehemalige Hegeringsleiter appelliert an die Hundehalter, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen, um die Rehe nicht in Gefahr zu bringen. „Jeder muss seine Tiere so halten, dass andere nicht gefährdet werden.“

Er fordert, in den Brut- und Setzzeiten zwischen März und Juli einen Leinenzwang gesetzlich einzuführen. „Die Menschen setzen sich für Tiere in Afrika ein. Die Tiere der Serengeti dürfen nicht sterben. Aber vor der eigenen Haustür gilt das nicht. Das kann doch nicht angehen.“ Vor 30 Jahren habe es noch an die 300 Rehe rund um Borstel-Hohenraden gegeben. Verträglich seien allerdings nur 150 Tiere. Im vergangenen Jahr hätten die Jäger nicht die vorgegebene Zahl an Rehen schießen können, weil nicht genug gesichtet wurden, so Heitmann.

Kreisweit lässt sich der Trend übrigens nicht bestätigen. Zwar habe Heitmann entsprechende Informationen von den Kollegen in den anderen Hegeringen auf den Versammlungen gehört – verlässliche Zahlen liegen laut Wolfgang Heins, Kreisjägermeister, aber erst später im April vor. Ein deutlicher Rückgang sei Heins nicht bekannt. „Schwankungen sind normal“, sagt er. Zudem könnten die Populationen lokal sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich nähern sich Rehe immer mehr den Städten und suchen dort nach Futter. Da kann auch der eine oder andere Vorgarten dran glauben. Beispielsweise in Barmstedt sei dies der Fall, so Heins. „Rehe sind sehr anpassungsfähig.“

Alle Tiere sind auf jeden Fall noch nicht entschwunden: Während des Gesprächs mit Heitmann graste auf dem Feld hinter seinem Haus ein Reh friedlich.

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erstellt am 24.Mär.2016 | 16:25 Uhr

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