Streit zwischen Chor und Kirche : Das Tischtuch ist zerschnitten

Hasloher Black-Rose-Gospelchor wird als eigenständiger Chor weiterbestehen. Neuer kirchlicher Chor probt dienstags

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26. Juni 2018, 16:00 Uhr

Was sich bereits nach der Sitzung des Kirchengemeinderats (KGR) der evangelischen Kirchengemeinde Quickborn-Hasloh am vergangenen Donnerstag abzeichnete, ist nun Gewissheit: Der Hasloher Black-Rose-Gospelchor wird nicht mehr offizieller Chor der Kirchengemeinde sein.

„Wir beraten in Kürze, in welcher Form wir uns künftig organisieren“, kündigt Sprecherin Karin Deuticke-Thies an. Nach wie vor würden die Proben jeden Mittwoch von 20 bis 21.30 Uhr in Räumen der alten Kirche im Mittelweg 2 stattfinden.

„Der Name Black-Rose-Gospelchor bleibt selbstverständlich bei diesem Chor. Aus seiner Mitte wurde er anlässlich des zehnjährigen Jubiläums gefunden“, sagt Deuticke-Thies. Die Sängerinnen und Sänger seien zwar enttäuscht, würden den Bruch mit der Kirche jedoch auch als Chance für einen freien Neustart sehen.

Eskaliert war der Streit, weil der Chor, nachdem der bisherige Leiter Kai Schnabel m Dezember seinen Posten aufgegeben hatte, sich eigenständig auf die Suche nach einer Nachfolge machte.


Gespräche haben nicht stattgefunden

Nach Informationen dieser Zeitung entschied jedoch der KGR ohne jemals Rücksprache mit den Chormitgliedern gehalten zu haben, dass künftig der Quickborner Kantor Michael Schmult den Chor übernehmen, dieser künftig nur noch 14-tägig und darüber hinaus an einem anderen Wochentag als bisher proben soll.

Am späten Freitagabend verschickte Pastorin Claudia Weisbarth eine Pressemitteilung, in der bekannt gegeben wird, dass dieser Beschluss des KGR aus dem Mai einstimmig bestätigt worden sei: „Der Gospelchor der Kirchengemeinde probt ab dem 29. Mai jeden zweiten Dienstag von 19.30 bis 21 Uhr in der Hasloher Kirche unter der Leitung von Michael Schmult.“ Weiter wird erklärt, dass die Kirchenmusik finanziell dem KGR und inhaltlich dem hauptamtlichen Kirchenmusiker unterstehe.

Pastor Florian Niemöller, der Weisbarth während ihres derzeitigen Urlaubs vertritt, erläuterte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass der kirchliche Gospelchor seine Leitung nicht selbst finanzieren dürfe. „Das geht rechtlich nicht, weil für die Mitglieder kirchlicher Gruppierungen keine Beiträge erhoben werden dürfen – entweder die Leitung ist ehrenamtlich oder wird über die Kirche bezahlt“, erklärte Niemöller.


Rechtliche Fragen im Vordergrund

Da die Leiterin, die der Chor sich ausgesucht hatte, Irene Otto, seitens der Kirche abgelehnt worden war, habe er die Chorprobe in der Hasloher Kirche am Mittwoch, 6. Juni, beenden müssen. „Es wäre sonst das stillschweigende Einvernehmen eines Beschäftigungsverhältnisses entstanden, und Frau Otto hätte ein Anrecht auf Bezahlung durch die Kirche gehabt“, so Niemöller weiter. Die Trennung des Chors von der Kirche bedauerte er sehr. „Das ist ein großartiger Chor, dem ich alles Gute wünsche“, betonte der Pastor.

Als eigenständige Gruppe mit selbst finanzierter Leitung könne der Chor durchaus in den Kirchenräumen proben allerdings nur, wenn dafür ein Obolus entrichtet werden würde. „Ich weiß, dass sich das komisch anhört, aber so ist es nun einmal“, sagte Niemöller.

Die Proben des neuen kirchlichen Gospelchors an den Dienstagen in der Hasloher Kirche werden laut Niemöller planmäßig stattfinden. „Es gibt bereits Teilnehmer, und wir hoffen, dass die Zahl weiter steigt“, sagte er. Es sei nicht die Intention der Kirche gewesen, einen neuen Chor zu gründen. „Aber jetzt ist es eben so“, so der Pastor mit Bedauern.

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