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Das Sonntagsgespräch : „Das Tierwohl im Auge haben“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Henning Münster, Vorsitzender Ortsbauernverband Borstel-Hohenraden.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2015 | 15:00 Uhr

Borstel-Hohenraden | Borstel-Hohenraden Henning Münster ist in Borstel-Hohenraden Vorsitzender des Ortsbauernverbands. Im Sonntagsgespräch berichtet er, warum die Landwirtschaft trotz mancher Probleme ein faszinierender Beruf ist.

Was reizt Sie an der Landwirtschaft?
Die Vielseitigkeit und die Flexibilität. Es ist einfach alles gefordert. Mal drinnen im Büro, mal draußen im Stall oder auf dem Feld, Pflege von Tieren, immer Kontakt zu anderen Menschen – welcher Beruf kann noch eine solche Bandbreite bieten?

Gibt es etwas, das Sie an der Landwirtschaft stört?
In erster Linie die immer mehr werdende Bürokratie, zum Beispiel der Mindestlohn. Der bereitet nicht nur mir Kopfzerbrechen. Es geht nicht darum, ihn zu zahlen. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Aber der bürokratische Aufwand ist der Wahnsinn. Das gehört nicht zu unseren Kernkompetenzen und hat mit der Praxis, die ich kenne, nichts mehr zu tun.

Sie sind mit der Landwirtschaft schon seit Ihrer Kindheit vertraut. Was hat sich seitdem verändert?
Es war früher ein komplett anderer Beruf. Der Bauer ist längst zum Unternehmer geworden und die Landwirtschaft hat sich unheimlich weiter entwickelt. Diese Entwicklung war häufig mit Einschnitten verbunden, da in der Vergangenheit natürlich auch Fehler gemacht wurden. Letztlich geht es darum, mit den Erkenntnissen, die wir haben, vernünftig zu produzieren.

Massentierhaltung, Biogasanlagen, Geruchsbelästigungen der Nachbarn – Landwirte müssen sich mit reichlich Kritik auseinandersetzen. Aus Ihrer Sicht verständlich?
Bei aller Kritik sollte man uns zugestehen, dass wir verantwortungsbewusst handeln und das Tierwohl im Auge haben. Wenn die Politik uns vorwirft, dass wir zum Beispiel durch Biogasanlagen die Vorteile des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) nutzen, finde ich das unfair. Schließlich war die Politik für das Gesetz verantwortlich. Wir Landwirte haben Familien zu versorgen und müssen die Chancen wahrnehmen, die sich uns bieten. Grundsätzlich sind wir immer bereit, unser Handeln zu erklären. Wenn uns jemand zuhört, haben wir auch Argumente. Schade finde ich, dass Kritik häufig auf Ideologie oder Halbwissen beruht. Jeder sollte bedenken: Bei mir ist alles, was ich mache, darauf bedacht, dass meine Kinder darauf aufbauen können. Wir Landwirte denken seit Generationen für Generationen.

Lohnt sich Landwirtschaft noch?
Auf jeden Fall, auch wenn man nicht reich wird. Aus meiner Sicht geht es um eine Wertefrage. Wer hat schon den Luxus, vom Bett bis zum Arbeitsplatz nur fünf Minuten zu brauchen? Wer kann schon mit drei Generationen zusammenarbeiten, wo der Großvater dem Enkel etwas beibringen kann? Trotz allem müssen wir ein nachhaltiges Einkommen erwirtschaften. Das ist manchmal gar nicht so einfach.

Schafft die Politik vernünftige Rahmenbedingungen?
Es war zumindest richtig, die Milchquote auslaufen zu lassen. Diese Regelung hat die Landwirte nicht nach vorn gebracht, sondern sie Geld gekostet. Da ist ein Strukturwandel auf Kosten der Wachstumsbetriebe vollzogen worden. Ansonsten ist es ein Problem, dass in der Politik häufig die Ideologie eine Rolle spielt und die konventionelle Landwirtschaft nicht von allen gewollt ist.

Was können Sie als Vorsitzender des Ortsbauernverbands bewirken?
Ich bin die Schnittstelle zwischen den Betrieben und der Politik und kann mich dafür einsetzen, dass im Ort die Belange der Landwirtschaft berücksichtigt werden. Dazu wollen wir der Bevölkerung unsere Arbeit vorstellen und den Menschen die Vielseitigkeit sowie den Charme unseres Berufs nahebringen. Mehr lässt sich mit 35 Mitgliedern und nicht einmal zehn aktiven Betrieben gar nicht bewerkstelligen. Ein Problem ist, dass sich die jüngeren Generationen immer weniger mit uns identifizieren, leider auch andersherum.

Sie sind auch für die CDU Gemeindevertreter in Borstel-Hohenraden und Repräsentant der Landwirtschaftskammer. Wieso ist Ihnen der ehrenamtliche Einsatz wichtig?
Ich glaube, ohne ehrenamtliches Engagement würde unser Staat gar nicht funktionieren. Es gehört für mich einfach dazu, etwas für das Gemeinwohl zu tun. Man muss ja nicht immer irgendwo Vorsitzender sein. Es reicht schon, überhaupt mit anzupacken. Wer sich für etwas einsetzt, kann viel besser einschätzen, was andere leisten. Lars Zimmermann

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