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Täglich dreimal 720 Mahlzeiten : Das THW hilft und versorgt Flüchtlinge mit Essen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hilfsorganisationen unterstützen die Arbeit in Einrichtungen für Flüchtlinge. Nach knapp zwei Monaten im Einsatz sind die Mitglieder des Ortsverbands Barmstedt nun nicht mehr einsatzbereit.

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erstellt am 06.Okt.2015 | 10:00 Uhr

Barmstedt/Neumünster | Acht Wochen lang im Einsatz, um in Flüchtlingsunterkünften zu helfen. Acht Wochen lang für große Menschenmengen kochen. Acht Wochen lang die Freizeit opfern, damit die Asylsuchenden versorgt sind, obwohl es noch keine feste Küche oder einen Essenssaal gibt. Nach knapp zwei Monaten im Einsatz sind die Mitglieder des Ortsverbands Barmstedt des Technischen Hilfswerks (THW) nun nicht mehr einsatzbereit. „So ein Einsatz geht an Mensch und Material nicht spurlos vorbei“, sagt Stefan Schrade, Ortsbeauftragter des THW Barmstedt. Bis Ende Oktober hat die Truppe Zeit zu verschnaufen. Sie hat sich in den vergangenen Monaten in Neumünster, Seeth und Kellinghusen engagiert, um die erste Versorgung der neuen Flüchtlinge zu gewährleisten, bis ein Catering-Service die Verpflegung übernehmen konnte.

Im September wurde die Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster aufgrund des anhaltenden Flüchtlingsstroms erweitert und kurzfristig mehr Versorgung benötigt. Das THW eilte zur Hilfe. Schrade war dann längst nicht mehr nur mit seiner Stammtruppe unterwegs. Durch die Vielzahl der Einsätze in diesem Jahr könne er nicht mehr nur auf seine eigene Mannschaft zurückgreifen. So wurde sie durch Helfer aus dem ganzen Land aufgestockt, die zuvor eine Hygiene-Belehrung erhalten haben.

Es ist Sonntag, 6.45 Uhr, in der Feldküche des THW Barmstedt in Neumünster läuft das Radio. Feldkoch Hermann Gross bereitet im hinteren Teil des aus Zelten zusammengesetzten Komplexes bereits das Mittagessen vor, während im Vorbereitungszelt die Helfer Bananen in Wannen geben, die vorbereiteten Wurst- und Käse-Platten aus dem Kühlschrank holen und Brot in Körbe füllen. Ab 7.30 Uhr können die Flüchtlinge, die im Bereich „Hart 3“ der Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht sind, zum Frühstück kommen. Da in dem Zelt nicht genug Platz für alle Bewohner ist, steht vor der Tür ein Sicherheitsdienst, der dafür sorgt, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig hineinkommen. An der Tür hängen Schilder auf Englisch und Arabisch, auf denen steht, dass für eine zweite Portion erneut angestanden werden müsse, aber genug Essen vorhanden sei.

Kurz nach 7.30 Uhr stehen die ersten Menschen vor der Ausgabe und nehmen sich Brot und Getränke. Drei Helfer sind vor Ort und füllen nach, wenn etwas leer ist oder erläutern – manchmal mit Händen und Füßen – dass die Alete-Gläschen für Babys bestimmt seien oder dass die Wurst nicht vom Schwein sei. Louisa Tank vom Ortsverband Burg/ Hochdonn steht seit Anfang der Woche an der Ausgabe. Inzwischen kennen einige der Menschen sie und haben die Vorbehalte, die sie der Uniform gegenüber haben, abgelegt. „Guten Morgen“, sagt Tank und lächelt einen jungen Mann an. Dieser lächelt zurück und fragt: „Wie geht es?“. Immer wieder ist das Wort „Danke“ zu hören. „Das, was sie an Deutsch können, probieren die Flüchtlinge gleich anzuwenden“, sagt Helfer Andre Wildner.

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„So ein Einsatz geht
an Mensch und Material nicht
spurlos vorbei.“

Stefan Schrade
THW Barmstedt
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Knapp 720 Menschen versorgt die Truppe laut Schrade, der den Einsatz koordiniert. „Früher haben wir über 500 Leute gestöhnt“, sagt Feldkoch Gross. Aus dem sprichwörtlichen Nichts haben Schrade und sein Team mit zwei Kühlcontainern, einem Abwaschzelt, einem Küchenzelt, einer Feldküche und einem Vorbereitungszelt eine Großküche geschaffen, mit der sie problemlos drei Mahlzeiten am Tag zubereiten können. „Eigentlich sind wir für 250 Mahlzeiten ausgerüstet“, sagt Schrade. Aufgrund des Einsatzes sei jedoch zusätzliche Ausrüstung beschafft worden.

Auch der Nahrungsmitteleinkauf wird von den Einsatzkräften organisiert. „Unser erster Einkauf hat 24  000 Euro gekostet“, sagt Stefan Gebers, der als Gruppenführer der Logistikgruppe Versorgung und Transport dafür verantwortlich ist, dass genug Vorräte da sind und die Feldköche ihre Arbeit verrichten können. In den provisorischen Regalen aus Bierzeltgarnituren lagern Kiloweise Nudeln, Tee, Gewürze und Brotaufstriche. Die Kosten für die Lebensmittel werden vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten übernommen.

Eine Internetseite mit Informationen zum Thema „Flüchtlinge in Schleswig-Holstein“ hat das Innenministerium in Kiel gestartet. Auf der Seite im Landesportal können Interessierte aktuelle Zahlen über Zugangsentwicklungen, Angaben zur Situation in den Erstaufnahmeeinrichtungen und weitere Hinweise einsehen, teilte die Pressestelle mit. Regelmäßig werde sich zudem Innenminister Stefan Studt (SPD) per Video-Statement zu aktuellen Fragen äußern. Im Oktober soll die Landesregierung außerdem mit einer neuen Schwerpunktseite mit Infos für Engagierte im Haupt- und Ehrenamt sowie Asylsuchende selbst online gehen, hieß es.

Um 9 Uhr ist das Frühstück vorbei und während die Küchen-Crew selbst isst, geht es in der Spülküche hoch her. Teller, Becher und Besteck müssen bereits für den Einsatz beim Mittagessen vorbereitet werden. Auf einem Teller stapelt sich übrig gebliebenes Brot. „Das müssen wir wegschmeißen, das bringen die Flüchtlinge nicht über das Herz“, sagt Tank.

Bis 21 Uhr dauert der Tag für die Helfer, dazwischen gibt es immer mal wieder Pausen, in denen sich die Männer und Frauen entweder in einem etwas abseits stehenden Zelt ausruhen können, oder aber wie an diesem Sonntag die Sonne genießen. Die zwei Feldköche rotieren inzwischen vor den großen Kochbehältern. Es stehen Tortellini mit Käse-Sahne-Soße auf dem Speiseplan. Und schon kurz vor 12 Uhr stehen die ersten Flüchtlinge vor der Tür zum Zelt.

Das Technische Hilfswerk (THW) hat in seinen Landesverbänden unterschiedliche Fachgruppen, die über das ganze Land verteilt sind. Der Ortsverband Barmstedt hat etwa einen Verpflegungstrupp und kann daher die Versorgung in einer Flüchtlingseinrichtung zunächst übernehmen, bis eine langfristige Lösung gefunden wird. Im Regelfall sind die Gruppen für eine Versorgung von maximal 200 Personen ausgerüstet, für die aktuellen Einsätze wurden die Kapazitäten durch angemietetes Material jedoch erhöht. Während des Einsatzes in Neumünster waren die Ehrenamtler auf Feldbetten beim Ortsverband untergebracht. Für ihren Einsatz werden die Mitglieder in der Regel von ihren Arbeitgebern freigestellt, damit sie helfen können.
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