Das Surren in der Luft

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Drohnen schwirren immer häufiger umher– doch was ist so ein unbemanntes Fluggerät überhaupt und was kann es alles? Drohnenfotograf Hans-Joachim Kölln klärt im Vorfeld des Drohnen-Tags über die Fluggeräte auf.

shz.de von
02. Juni 2018, 16:00 Uhr

Jeder kennt sie mittlerweile: die kleinen, schwarzen Geräte, die durch die Luft fliegen und Aufnahmen machen. Oft werden Drohnen verteufelt. Doch zum Beispiel für Fotografen bieten sie einen entscheidenden Vorteil: Aufnahmen aus der Vogelperspektive sind problemlos möglich. Die Flugtechnische Gemeinschaft Borstel-Hohenraden veranstaltet am Sonnabend, 10. Juni, einen Tag im Borsteler Wohld, bei dem alles im Zeichen der Drohne steht – und natürlich werden sie auch in Aktion gezeigt.

Die Bezeichnung Drohnen gilt für vom Boden aus gelenkte, unbemannte Fluggeräte. Es gibt sie mit vier (Quadrokopter), sechs (Hectakopter) oder acht (Octakopter) Rotoren. Nicht selten schweben sie unbemerkt über unseren Köpfen. Gewerblich sind sie als mobile Kameras bei Konzerten, Sportveranstaltungen oder beim Film- und Fernsehdreh bereits eine Selbstverständlichkeit, auch Rettungsdienste setzen sie erfolgreich ein.

Privat werden Drohnen als kleine, blitzschnelle Rennmaschinen mit Videobrillen über einen Hindernisparcour gesteuert, oder sie sorgen für Luftaufnahmen. Typische, private wiegen meist weniger als zwei Kilogramm. Mehr als eine halbe Million große und kleine Drohnen – so schätzt die Deutsche Flugsicherung (DFS) – gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. Nicht nur deshalb gibt es seit April 2017 eine spezielle Verordnung zum Betrieb.

Eine Drohne ist nichts anderes als fliegende Elektronik. Sie kennt ihren genauen Standort durch GPS-Abgleich und Kompass, speichert Flugdaten, bemerkt mittels ihrer Sensoren Hindernisse und weicht ihnen aus, behält über eine Gyro-Steuerung die korrekte Fluglage und richtet mit Hilfe eines Gimbal – eine Aufhängung zur Stabilisierung – eine Kamera vibrationslos auf ein Motiv aus.

Die sinkenden Preise erlauben es, Drohnen für Hobby und Freizeit zu nutzen. Praktisch darf jeder ab 14 Jahren ein solches Fluggerät besitzen und damit fliegen. Aber sind sie nun per se gefährlich? Sicher nicht – jedenfalls nicht mehr als andere technische Geräte. Aber wie in anderen Bereichen gilt: Alle elektronische Unterstützung ist nur so viel wert, wie es der Steuerer zulässt. Wer fahrlässig Regeln ignoriert oder willentlich missachtet, gefährdet andere.

Grundsätzlich regeln die Luftverkehrsordnung (LuftVO) und Luftverkehrsgesetze (LuftVG) alles, was sich in unserem Luftraum abspielt. Das fängt bei kleinen Modellfliegern oder Lenkdrachen an und hört bei Düsenjets auf. Die Drohnenverordnung aus 2017 ist eine Ergänzung und Novellierung des bestehenden Luftfahrtgesetzes.

Nach dem neuen Gesetz wird weitestgehend nicht mehr zwischen der gewerbliche und privaten Verwendung unterschieden. Die neuen Bestimmungen regeln den Umgang eher nach Kriterien wie der Startzeit oder der örtlichen Gegebenheit, wo ein Drohnenflug stattfinden soll. Einige Regeln gelten für das Abfluggewicht: So muss ab einem Gewicht von 250  Gramm eine sichtbare und unzerstörbare Plakette mit der Anschrift des Besitzers angebracht sein und dieser muss eine geeignete Versicherung nachweisen können. Ab zwei Kilogramm Startgewicht ist zusätzlich ein Kenntnisnachweis (Drohnenführerschein) notwendig, der mittlerweile für wenig Geld auch online erworben werden kann.

Betriebsverbote gelten generell dort, wo es um sensible Bereiche geht, aber sie können von Behörden und Kontrollinstanzen per Sondergenehmigung und im Einzelfall aufgehoben werden. Hierbei geht es zum Beispiel um Menschenansammlungen, Unglücks- und Einsatzorte, Krankenhäuser, Justizvollzugsanstalten, Grundstücke von Verfassungsorganen und –behörden von Bund und Land, konsularische Vertretungen, Bundesfern- und Bundeswasserstraßen sowie Bahnanlagen. Bei all diesen Verboten ist ein seitlicher Abstand von 100 Metern einzuhalten.

Weitere Verbote, jedoch ohne Erwähnung des 100-Meter-Abstandes, gelten für das Fliegen außerhalb der Sichtweite, bei Nacht, über Naturschutzgebieten, in Distanzen von weniger als 1,5  Kilometern zu Flugplätzen, in Flughöhen über 30  oder 50 Meter innerhalb von Kontrollzonen zu Flughäfen und generell in Flughöhen ab 100 Meter (Ausnahme: über einem Modellflugplatz). Auch diese Verbote können von Behörden oder Kontrollinstanzen im Einzelfall Ausnahmen genehmigt werden. Über Wohngrundstücken (ab einem Gewicht über 250  Gramm oder wenn eine Kamera an Bord ist) ist das Fliegen grundsätzlich verboten, wenn keine Erlaubnis des Grundstückbesitzers vorliegt.



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