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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 01:43 Uhr

„Das sind auch Menschen“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Rellinger Einwohnerversammlung: Emotionale Diskussion über Flüchtlingsaufnahme / Polizist mahnt zur Besonnenheit

von
erstellt am 23.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Der Umgang mit Bedrohungslagen und die gesetzlich vorgegebene Betreuung von Asylbewerbern in Rellingen: 138 Bürger sorgten dafür, dass die Luft auf der Rathaus Galerie in Rellingen während der Einwohnerversammlung am Dienstagabend zum Schneiden war. Doch Publikumsmagnet Götz Nowobilski, Vize am Polizeirevier Rellingen, dämpfte gleich zu Beginn seines Vortrags die hohen Erwartungen: „Nein. Über die jüngste Brandserie in Rellingen werde ich selbstverständlich nicht berichten. Denn es handelt sich um laufende Ermittlungen.“ Doch die bohrenden Fragen und Ängste der Bürger beim Thema Flüchtlinge rückte den Polizeihauptkommissar schließlich in den Mittelpunkt.

Blieb der erfahrene Beamte während seines Vortrags zum Thema „Wie tickt die Polizei, wenn Gefahr droht?“ noch akademisch-theoretisch – Schlagwörter wie Tatmusteranalyse, Informationsquellen, Delikt spezifische Beeinflussung und Risikoeinschätzung zeigten dessen analytisches Denken auf –, lockten Fragen wie „Steigt die Kriminalität in Rellingen durch mehr Asylbewerber?“ den Experten aus der Reserve. Ein klares „Nein“ gab es von Nowobilski für diese populistische Meinungs- und Angstmache. „Das sind Menschen, die Hilfe brauchen. Das sind keine Wirtschaftsflüchtlinge“, betonte er.

Skepsis und offensive Gelassenheit, gepaart mit Engagement, hielten sich bei den Wortbeiträgen die Waage. Michaela Warnecke vom Ordnungsamt beschönigte nichts: „2015 werden wir etwa 100 Flüchtlinge in Rellingen unterbringen müssen.“ Eine Herausforderung. Logistisch und emotional. Mit Hochdruck werde an der Suche von Standorten gearbeitet, perspektivisch gefundene für die Unterbringung von Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Iran vorbereitet. Container werden dafür aufgestellt, Wohnungen in Festbauweise werden an Standorten wie an der Pinneberger Straße neben der Feuerwache (diese Zeitung berichtete) für 2015 vorbereitet.

Zu guter Letzt setzten sich die Befürworter der Willkommenskultur durch. Mitmachen, sich ehrenamtlich engagieren, Multi-Kulti fördern in Rellingen, Wohnraum zur Verfügung stellen – Ex-Bürgervorsteher Albert Hatje (87) setzte mit erstickter Stimme den Schlussstrich: „Das sind auch Menschen.“

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