Gemeinschaftsschule Rugenbergen : „Das regelmäßige Schulleben liegt nicht jedem“

Schulleiterin Maike Hinrichsen
Schulleiterin Maike Hinrichsen

Die Bönningstedter Schule ist die einzige im Kreis Pinneberg, die Externe im allgemeinbildenden und mittleren Schulabschluss prüft.

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03. Juli 2014, 16:00 Uhr

Bönningstedt | Seit 2012 ist die Gemeinschaftsschule Rugenbergen in Bönningstedt die einzige Einrichtung im Kreis Pinneberg, die von externen Prüflingen den ersten allgemeinbildenden und den mittleren Schulabschluss abnimmt – so die Bezeichnungen des früheren Hauptschul- und des Realschulabschlusses. Einmal pro Jahr haben die externen Schüler die Möglichkeit, die landesweit zentral gestellten Prüfungsaufgaben zusammen mit den Regelschülern zum gleichen Zeitpunkt zu bewältigen.

„Ich habe es immer sehr bedauert, wenn ich als Lehrerin oder Schulleiterin ein ‚Kind verlor‘, es also ohne Abschluss die Schule verlassen hat. Die Fälle sind mir nahegegangen. Wie können sie ihr Lebensschiff steuern? Gerade deshalb dachte ich: Dafür musst Du Deine Kraft und Zeit opfern“, sagt Schulleiterin Maike Hinrichsen über ihre persönliche Motive. Gemeinsam mit Konrektorin Petra Rebehn organisiert sie die externen Prüfungen. Lehrer der Schule werden als Prüfer bestellt.

In diesem Jahr meldeten sich elf Schüler zur Abnahme des ersten allgemeinbildenden Schulabschlusses, vier Schüler für den mittleren Abschluss an. 2013 waren es 17 Prüflinge für den mittleren und 21 für den ersten allgemeinbildenden Hauptschulabschluss. Die Prüfungen sind kostenfrei. Aber nicht alle nähmen die kostenpflichtigen Vorbereitungskurse an den Volkshochschulen in Anspruch.

Eine kleine Gruppe der Prüflinge bereite sich selbständig vor. „Wir helfen netten Menschen gern aus, verleihen Bücher und beraten sehr ausführlich“, so Hinrichsen. Altersobergrenzen gibt es für den Abschluss nicht. „Ich hatte bereits eine Dame, die mit über 40 Jahren wissen wollte, ob sie es noch schafft. Sie könnten auch mit 95 ihren Abschluss machen“, so Hinrichsen.

„Es stecken überall ganz besondere Leben dahinter. Das regelmäßige Schulleben liegt nicht jedem. Manche sind Spätentwickler und merken später: Der Wind wird kühl, wenn ich versuche, mich ohne Abschluss durchs Leben zu schlagen.“ Viele hätten einen Migrationshintergrund, seien vielleicht erst als Erwachsene nach Deutschland gekommen oder hätten den Abschluss wegen Sprachschwierigkeiten nicht geschafft.

Doch leider bestehe nicht jeder die Prüfung. „Das größte Problem ist, dass die jungen Leute zur Prüfung nicht erscheinen. Es gibt noch einen Nachschreibtermin, aber dann kommen sie auch nicht. Das ist dann das Ende der Fahnenstange und macht uns Kummer. Nach einem Jahr gibt es die Möglichkeit, nochmal anzutreten.“

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