Das Sonntagsgespräch : „Das Natürliche geht immer mehr verloren“

Johann Behnke engagiert sich für das Tävsmoor.
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Johann Behnke engagiert sich für das Tävsmoor.

Heute mit Johann Behnke vom Verein zum Schutz des Tävsmoores.

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03. Mai 2015, 15:00 Uhr

Heist | Johann Behnke ist Vorsitzender des Vereins zum Schutz des Tävsmoores. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, wie die Arbeit des Vereins im etwa 180 Hektar großen Naturschutzgebiet „Tävsmoor/Haselauer Moor“ aussieht.

Was war der Anlass für die Gründung des Vereins?
Es gab 1989 eine gemeinsame Initiative der Gemeinden Appen und Heist. Sie wollten einen Verein, der vor Ort mitreden kann, was mit dem Moor passiert und die Flächen pflegt und bewirtschaftet. Das war noch vor der Ausweisung des Naturschutzgebiets „Tävsmoor/Haselauer Moor“. Dieses gibt es erst seit 1995. Die Akzeptanz des Vereins war von Anfang an hervorragend. Wir werden von allen Seiten unterstützt. Unsere Mitgliederzahl liegt inzwischen bei etwa 140. Bemerkenswert ist der Zusammenhalt. Alle packen mit an und sogar viele Landwirte helfen mit, obwohl die Bauern von Naturschutzgebieten eigentlich nicht sonderlich viel halten.

Welche Aufgaben hat der Verein?
Kartierung der Schmetterlinge, Freischneiden der Wege, Untersuchung des Wasserhaushalts, Entkusseln - unsere Arbeit ist vielfältig. Wir bemühen uns auch, den Bürgern und besonders den Kindern das Moor und die gesamte Natur näherzubringen und bieten deshalb Führungen an. Die nächste ist bereits am Freitag, 29. Mai, und startet um 18.30 Uhr in Appen bei der Infotafel für das Naturschutzgebiet am Tävsmoorweg. Am 5. Juni beginnt die nächste Führung um 18.30 Uhr beim Tower in Heist.

Hat sich der Zustand des Moors verändert?
Auf jeden Fall. Inzwischen ist auch dank unserer Anpflanzungen längst ein staatlicher Wald entstanden. Wir sind stolz auf das, was wir als kleiner Verein bewegen können.

Was fasziniert Sie am Moor?
Da ich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen bin, war ich sowieso ständig draußen. Ich habe mit meinem Vater sogar selbst Torf gebacken. Großen Anteil an meinem Interesse für die Natur hat sicherlich auch einer meiner Lehrer. Er fuhr immer mit uns raus in die Landschaft und erklärte uns alles. Wer einmal durch das Moor geht, kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ich finde es immer wieder faszinierend, was dort alles zu sehen ist. Heist ist meine Heimat und ich trage gerne dazu bei, dass die Natur hier so erhalten bleibt, wie sie ist.

Vor welchen Aufgaben steht der Verein in den kommenden Jahren?
Ich hoffe, dass wir unsere Arbeit wie bisher fortführen können. Was uns fehlt, ist Nachwuchs. Wir haben nur wenige junge Mitglieder. Da geht es uns wie den meisten anderen Vereinen.

Woran liegt es, dass die Zahl der jüngeren Mitglieder eher gering ist?
Das Natürliche geht immer mehr verloren. Die Kinder wissen gar nicht mehr, wie Brot entsteht und wie das Fleisch auf den Teller kommt. Sie bekommen von der Natur einfach viel weniger mit als früher. Dabei liegt der Ursprung von allem in unserem Boden. Das ist den meisten gar nicht mehr bewusst.

Johann Behnke (74) ist seit 1993 Vorsitzender des Vereins zum Schutz des Tävsmoor. Der gebürtige Heistmer ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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