Das Multi-Talent aus Rellingen

<strong>Sie freut sich</strong>, dass sie ihr Kinderbuch endlich in den Händen hält: Sabine Maria Schoeneich.<foto> Juw</foto>
Sie freut sich, dass sie ihr Kinderbuch endlich in den Händen hält: Sabine Maria Schoeneich. Juw

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05. Januar 2013, 01:14 Uhr

Rellingen | Sabine Maria Schoeneich lacht viel. Sie spricht laut. Und die zierliche blonde Frau strahlt eine unbändige Energie aus, wenn sie von ihrer Arbeit und ihren Projekten spricht. Die Wahl-Rellingerin studierte klassischen Gesang in Dresden und Weimar. Mittlerweile lehrt sie an der Freien Schauspielschule Hamburg. Sie singt und schauspielert auf der Theaterbühne und in Film und Fernsehen. Bearbeitet Opern für Kinder und inszeniert die fertigen Stücke für die von ihr gegründete "Little Opera". Sie ist ständig unterwegs, reist durch ganz Deutschland. Und doch hat sich Schoeneich fünf Monate Zeit genommen und erfolgreich ein Kinderbuch geschrieben. "Das Häuschen Irgendwo" erschien letztes Jahr im editionhoch3-Verlag aus Ellerbek (wir berichteten).

Das Buch dreht sich um ein kleines weißes Häuschen, welches sich im Laufe der Geschichte mit einer bunten Schar von Bewohnern füllt. Nach und nach ziehen der Straßenkater Herr Schiefbahn, die kluge Katze Minimiez, die aber viel lieber Isis Bastet gerufen werden will, und ihre beste Freundin - eine Maus - sowie ein sportliches Eichhörnchen, eine Fledermaus und ein ganzer Clan von Schnecken in das Häuschen "Irgendwo". Gemeinsam versuchen die Tiere dem obdachlosen Sebastian zu helfen. Durch einen altägyptischen Zaubertrick von Minimiez - vielmehr Isis Bastet - lernt der junge Mann die Sprache der Tiere und versucht gemeinsam mit ihnen in Frieden in dem kleinen Häuschen zu leben. Doch der übellaunige Herr von jenseits der Gartenhecke will sich nicht so einfach mit seinen neuen Nachbarn abfinden.

Die Geschichte ist ein modernes Märchen. Über Freundschaft ohne Grenzen, in der Mäuse auf Katzen reiten und Menschen für Schnecken Salatköpfe anbauen. "Ich wollte schon einen Ethos vermitteln", betont Schoeneich, "das Buch hat eine Botschaft, die ich aber nicht mit dem Holzhammer transportieren wollte." Achtung vor dem Leben und die Überwindung sozialer Schranken seien die großen Themen des Buchs. Der Obdachlose Sebastian entpuppt sich als Kinderarzt in einer Lebenskrise, der auch mal für eine Maus mit Milzriss den OP-Tisch freiräumen lässt.

Schon bei ihren Kinderopern versuchte Schoeneich darauf zu achten, was sie da eigentlich auf die Bühne bringt. "Ich habe viele Anfragen den "Freischütz" als Kinderoper zu gestalten, aber ich habe mich lange geweigert." Schließlich sagte sie zu - und verpasste Carl Maria von Webers flintenlastiger Oper den Untertitel "Schießen ist doof". "Ich habe die Story so inszeniert, dass die Kinder um jedes erlegte Tier trauern."

Schoeneich lebt diese Tierliebe auch selbst und wohnt in Rellingen mit zwei Katzen und einem Hund zusammen. Auch Minimiez aus dem Roman existierte wirklich. "Ich habe sie aus einem Tierheim gerettet, wo sie eingeschläfert werden sollte. Der ehemalige Besitzer hatte sie ausgesetzt, weil sie nicht dem Rassestandard entspricht." Die Autorin nahm das geschwächte Kätzchen kurzentschlossen mit nach Hause und päppelte es wieder auf.

Für die Zukunft plant Schoeneich nicht nur eine Fortsetzung des "Häuschen Irgendwo" und ein Kinderbuch mit komplett neuem Stoff. Sie möchte auch in Rellingen und Umgebung vom Buch inspirierte Projekte starten. So plant sie beispielsweise mit Kindern geschützte Nester für Fledermäuse anzulegen. "Dafür suche ich noch Partner", erzählt Schoeneich. Weitere Informationen zum Buch gibt es im Internet unter www.dashaeuschenirgendwo.de.

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