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Peter Sieweck führte es 45 Jahre : Das Mannschaftsheim der Marseille Kaserne schließt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Verabschiedung: Peter Sieweck (78) hat 45 Jahre das Mannschaftsheim der Marseille Kaserne geführt. Nun schließt es ganz.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2016 | 10:00 Uhr

Appen | Wie ein Kavalier der alten Schule steht Peter Sieweck (78) am Eingang zum geschmückten Saal und schüttelt den Ankommenden herzlich die Hände – glücklich wirken er und die Gäste dabei aber nicht. Peter Sieweck ist am Freitag nach 45 Jahren als Betreiber des Mannschaftsheims der Marseille Kaserne Appen in den Ruhestand verabschiedet worden. Das Heim wird nun geschlossen.

Sieweck geht nicht allein. Mit ihm verabschieden sich seine Frau Karin Sieweck (75), die stets an seiner Seite im Betrieb gearbeitet hat, und Erika Hattemer, die ebenfalls seit 42 Jahren im Betrieb ist. Zu dritt nahmen sie alle Ehrungen entgegen.

Und davon gab es einige. Nachdem Karin Sieweck das Buffett eröffnet hatte, wurden die Gäste zurückgepfiffen. Fünf Reden wurden noch zu Ehren des Gastronoms gehalten, der eigentlich Denkmalschutz verdient hätte – darunter sprach auch Adolf Bergmann (CDU), Uetersens Bürgervortseher, dem Ort, in dem die Siewecks seit vielen Jahren verwurzelt sind.

Der Weg in die Gastronomie lief über Umwege, und begann spektakulär: Zunächst hatte sich der gebürtige Mecklenburger nämlich auf dem legendären Schiff „Pamir“ auf eine Kochausbildung beworben. Doch ehe er diese antreten konnte, sank die „Pamir“ . Sieweck lernte stattdessen Metallbauer und verpflichete sich 12 Jahre bei der Bundeswehr als Soldat des Heeres. 1962 heiratete er seine Frau Karin, die jetzt gemeinsam mit ihm in den Ruhestand tritt. Erst im Zuge des Berufsförderungsprogramms ausscheidender Soldaten kam Sieweck schließlich doch noch in die Küche und absolvierte eine zweijährige gastronomische Ausbildung. Er befand sich als Volontär in der Marseille Kaserne, als sein Vorgänger in den Ruhestand ging und übernahm das Mannschaftsheim.

Aller Anfang ist schwer

Insbesondere die erste Zeit war nicht einfach. Die Siewecks hatten damals zwei kleine Kinder und waren beide bis zu 14 Stunden täglich im Betrieb beschäftigt. Sohn Oliver Sieweck (54) ist inzwischen in der Immobilienbranche tätig, Tochter Claudia Sieweck (49) ist Stewardess und kam zur Verabschiedung des Vaters mit kleiner Verspätung aus Tel Aviv. Die Kindheit im Betrieb habe sie und ihren Bruder geprägt: „Menschen gehören zu unserem Leben und wir können uns gut auf sie einstellen.“

Das konnten schon die Siewecks Senior besonders gut. Stabsfeldwebel Stefan Wermers war einer der vielen Stammgäste im Mannschaftsheim: „Man fühlte sich immer persönlich wahrgenommen. Es war eine familiäre Atmosphäre hier.“

Die familiäre Atmosphäre wurde auch von den Mitarbeitern geschätzt und erwidert. Siebeck berichtete gerührt, wie Hattemer ihn bei einer schweren Herzkrankheit vertreten habe, wie es sonst nur Familienangehörige täten.

Ein guter Chef, ein guter Freund

Jessica Lambrecht (35) ist seit fünf Jahren Siewecks Köchin. Mit geröteten Augen sagt sie: „Er ist ein guter Chef, ein guter Freund.“ Mit ihrer Kollegin Stephanie Buß (22) gerät sie ins Schwärmen. Sieweck habe sie verwöhnt und sich auch über die Arbeit hinaus für die Belange seiner Angestellten interessiert. „Er behandelte niemanden von oben herab. Ich möchte die Zeit hier nicht missen,“ so Buß. Sogar um einen Nachfolger habe er sich bemüht, aus Sorge um seine Mitarbeiter. Aber seitens des Verpflegungsamts der Bundeswehr wurde beschlossen, das Mannschaftsheim nicht weiter zu betreiben.

Auch deswegen zögerte Sieweck die schwere Entscheidung lange hinaus, aber jetzt ist es soweit. Siewecks Abschiedsrede endete mit den Worten: „Es ist Zeit ‚Adieu‘ zu sagen, bevor ich noch zum Abschuss freigegeben werde. Herr Oberst, wir melden: Wir haben fertig!“ Trotz des Abschiedsschmerzes freuen sich die Siewecks aber auch auf die viele Freizeit und möchte nun viel reisen.

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