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Ominöser Knall in Pinneberg : Das LKA jagt Bomben-Bastler

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seit Monaten sorgen nächtliche Detonationen in der Kreisstadt für Aufregung. Gestern lieferte das Kieler Landeskriminalamt (LKA) erste Ermittlungsergebnisse. Wohnungen seien durchsucht worden. Dabei seien Unmengen illegaler Knallkörper sichergestellt worden.

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Es knallt. Immer wieder. Ohrenbetäubend. Seit Monaten schreckt ein ominöses Geräusch die Pinneberger aus dem Schlaf. Was viele zunächst für heiße Luft hielten, beschäftigt längst die Behörden. Gestern konnten Polizei und Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts Ermittlungserfolge präsentieren, die aufhorchen lassen. Bei Durchsuchungen sind große Mengen illegaler Pyrotechnik sichergestellt worden. Sogar eine mutmaßliche Sprengstoff-Werkstatt wurde ausgehoben.

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe habe mehrere Verfahren eingeleitet, so LKA-Sprecher Stefan Jung. Er bestätigte gestern, dass bereits am 16. Oktober die Wohnung eines 25-jährigen Pinnebergers durchsucht wurde. Es seien diverse illegale pyrotechnische Gegenstände sichergestellt worden. Der Böller-Fan hatte die Ermittler selbst auf seine Spur gelenkt. Im Internet hatte er seine Taten mit Videos dokumentiert.

Die bislang größte Menge von Pyrotechnik im Raum Pinneberg stellten die Beamten am 10. Dezember bei einem 17-jährigen Jugendlichen aus Rellingen sicher, so das LKA. Der junge Mann habe sich zuvor mehrere große Kartons mit Kugelbomben für Großfeuerwerke, Bengalischen Feuern und illegalen Sprengkörpern aus Polen liefern lassen. Insgesamt seien mehr als 30 Kilogramm Pyrotechnik, darunter tausende sogenannte Polenböller, sichergestellt worden. Zuvor soll der Jugendliche versucht haben, Kaufinteressenten für seine illegale Ware zu finden. Die Beamten waren durch einen konkreten Zeugenhinweis auf den 17-Jährigen aufmerksam geworden. Auch einem 43-jährigen Pyro-Anhänger ging es mittlerweile an den Kragen. Der Mann war laut Polizei in den Abendstunden des 31. Oktober durch den Stadtteil Quellental gezogen. Er hatte nach Erkenntnissen des LKA dort sogar ein 13-jähriges Mädchen mit den Sprengkörpern attackiert – und verletzt. Beamte hatten daraufhin die Wohnung des Mannes durchsucht – und eine große Anzahl von Polenböllern sichergestellt.

Eine weitere Durchsuchung bei einem 46-jährigen Pinneberger führte laut LKA zunächst ins Leere. Im Nachfassen seien die Beamten jedoch auf eine von dem Mann eingerichtete Pyro-Werkstatt im Umland Pinnebergs gestoßen. Materialien, die zur Herstellung von Sprengkörpern dienen könnten, seien sichergestellt worden. Trotz der Ermittlungserfolge kann Pinneberg keineswegs aufatmen. In den vergangenen Tagen sorgte der ominöse Knall erneut für Aufregung (wir berichteten). Das LKA bittet weiterhin um Hinweise. Die Kieler Ermittler sind unter (04 31) 160 611 11 zu erreichen. Auch Pinnebergs Polizei nimmt Aussagen unter der Rufnummer (0 41 01) 20 20 entgegen.

Chronik: Pinneberg hat einen Knall

Seit Frühjahr 2013 sorgen laute Knallgeräusche in Pinneberg für Aufregung. Im Herbst eskaliert die Situation. „Ein Knall gibt Rätsel auf“,  titelt unsere Zeitung am 19. September nach massiven Beschwerden von Bürgern. Die Bahn AG dementiert, dass der Lärm auf Gleisarbeiten zurückzuführen ist. Fernseh- und Hörfunkteams machen sich in der Kreisstadt auf die Suche nach der Ursache des ominösen Lärms. Dem  Medienecho folgen  umfangreiche Ermittlungen der Behörden. Der Knall wird derweil auch in Appen gehört. Am 16. Oktober schaltet sich das Kieler LKA ein. Dessen Ermittler bitten die Bevölkerung um Mithilfe. Sie gehen davon aus, dass selbst gebastelte  Rohrbomben in Umlauf sind - und durchsuchen Wohnungen. Am vergangenen Wochenende ist  der Knall trotzdem wieder zu hören.

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