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Johannis-Hospiz in Elmshorn : Das letzte Mal Weihnachten feiern

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Konzerte und Andachten prägen die Adventszeit in der Einrichtung für unheilbar kranke Menschen. Leiterin Janet Dahlmann und Patientin Irene Oettel erzählen vom Arbeiten und Leben im Hospiz.

Elmshorn | Gänsebraten mit Rotkohl und zum Nachtisch Zimtmousse – ein sehr klassisches Weihnachtsmenü ist für Heiligabend geplant. Für manche am Tisch wird es das letzte Weihnachtsfestessen ihres Lebens sein.

„Wir feiern hier Weihnachten wie zu Hause. Für unsere Gäste ist es ja auch das letzte Zuhause“, sagt Janet Dahlmann. Dahlmann ist die Leiterin des Johannis-Hospizes in Elmshorn, das zu den Regio-Kliniken gehört. Etwa zehn Gäste werden in diesem Jahr Weihnachten im Hospiz verbringen. Gutes Essen und ein Gottesdienst sind für den Heiligen Abend geplant. Auch die Angehörigen der Gäste sind eingeladen. Doch der 24. Dezember ist nicht der einzige besondere Tag in dieser Zeit.

Die Weihnachtszeit wird im Hospiz mit vielen Veranstaltungen gefeiert. Schon früh im Advent wird damit begonnen; Andachten werden gefeiert, Musiker eingeladen und das gesamte Haus wird festlich geschmückt. „Wir versuchen jede Adventswoche eine Veranstaltung zu haben, weil einige Gäste den Heiligen Abend nicht mehr erreichen“, erläutert Dahlmann. Klassische Konzerte gehören zu den typischen Veranstaltungen, zu denen auch die Familien eingeladen werden. „Manchmal bringen auch die Mitarbeiter ihre Angehörigen mit. Wer teilnehmen möchte, ist hier willkommen“, sagt Dahlmann.

Für viele Menschen ist Weihnachten eine intensive Zeit. Religiöse Gedanken sind vielleicht präsenter oder die Vorfreude auf ein gelungenes Familienfest frisst sprichwörtlich einiges an Zeit. Auch die Geschenkefrage lässt so manchen in Stress geraten. Gerade diese praktischen Probleme hätten auch manche Hospizgäste, berichtet Dahlmann. Manchmal würden daher Ehrenamtliche gebeten, Geschenke für Gäste zu besorgen, die es selbst nicht mehr schaffen. So schafft das Hospiz auch Normalität.

Doch nicht immer fühlt sich das Leben dort so normal an. Manch einer hadert mit seinem Schicksal, ein anderer wird auch mal wütend. Dann wird auch mal am Essen oder am Tee gemeckert. „Aber wenn der fünfzigste Tee immer noch eklig schmeckt, dann wissen wir, es liegt vielleicht nicht am Tee“, sagt Dahlmann. Die 22 Mitarbeiter und auch alle Ehrenamtlichen seien deshalb besonders geschult. „Unsere Aufgabe ist es, jeden zu nehmen, wie er ist, und jedem zu geben, was er braucht“, sagt Dahlmann. Viel werde deshalb geredet. „Doch ‚Warum jetzt? Warum ich?’, auf diese Fragen gibt es keine Antwort.“

„Ich bin ein altes Weib von fast 90 Jahren“, sagt Irene Oettel über sich selbst und lacht dabei. Oettel ist Gast im Hospiz. Sie hat mit dem Leben noch nicht abgeschlossen. „So lange ich irgendwie kann, will ich weitermachen“, sagt sie. Weihnachten im Hospiz nehme sie nicht so wichtig. Die Tochter und der Schwiegersohn würden zu Besuch kommen und einen Fischteller mitbringen, danach möchte sie früh schlafen gehen.

Von einem anderen Ereignis erzählt Oettel indes begeistert: „Am Dienstag hat hier ein Mann Posaune gespielt. Die ganz alten Weihnachtslieder, die wir als Kinder schon gesungen haben.“ Anschließend habe sie mit dem Musiker gesprochen. „Ich habe gesagt, ich bin zwar eine alte Frau, aber ich muss Sie umarmen.“

Oettel wirkt lebensbejahend und ist eine begeisterte Erzählerin. Dass das Leben durch Krankheit und Alter auch schwierig sein kann, lässt sie nur am Rande durchblicken. „Alte Menschen werden manchmal grantig“, sagt sie. Zum Beispiel, wenn das Essen nicht mehr schmeckt oder der Körper nicht mehr will. Doch Oettel muss lächeln, als sie nach dem Tod gefragt wird: „Vor dem Tod habe ich keine Angst. Was soll der mir schon tun?“

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erstellt am 23.Dez.2015 | 00:42 Uhr

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