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Mit Kommentar : Das letzte Ackerfestival in Kummerfeld

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Organisatoren verkünden nach zwölf Jahren das Aus für das Ackerfestival in Kummerfeld. Sie finden keine Nachfolger.

Kummerfeld | Große Bühne, laute Musik, Bier und Camping auf der grünen Wiese – so kennen die Fans ihr Ackerfestival in Kummerfeld. Jetzt ist bekannt: Das soll es bald nicht mehr geben. Nach zwölf Jahren ist Schluss. Eine schwere Entscheidung für die Macher. Die erste Vorsitzende des Ackerfestival-Vereins, Birte Ganser, sagt auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir haben während unserer Schulzeit damit angefangen und es ist eine normale Entwicklung, dass die alten Hasen rauswachsen. Wir stehen im Beruf und uns fehlt die Zeit, viele haben Familie oder sind weggezogen.“ Der Nachwuchs im ehrenamtlichen Team fehlt, Nachfolger wurden nicht gefunden. 

Ein weiterer Grund sind gestiegene Kosten: vor allem wegen der geforderten Sicherheitsvorkehrungen in Zeiten von Terroranschlägen. Aber nicht nur das: „Wir haben mehr Auflagen als früher. Auch selbstgemachte. Der Anspruch, den wir an uns stellen, ist immer höher geworden“, erläutert Ganser. Etwa bei der Unterbringung der vielen Camper, die regelmäßig zum Ackerfestival anreisen. „Wir wollten aber ein günstiges Festival sein. Das ist so nicht mehr möglich, wir müssten theoretisch die Preise erhöhen, und das wollten wir nicht.“ Eine vor Jahren bereits getestete Kulturförderung brachte viel Arbeit, aber nur minimale Entlastung. Und so heißt es in diesem Jahr Tschüs auf Kummerfelds Sportplatz, wo das Event seit mehr als zehn Jahren stattfindet.

Das Ackerfestival in Kummerfeld ist über die Jahre zu einer festen Institution geworden. Mit Hilfe des Pinneberger Jungendzentrums Geschwister-Scholl-Haus und der Musical Company Pinneberg  organisierte n drei Jugendliche 2004 ein Open Air Festival in Tangstedt. 2005 folgte das erste offizielle Ackerfestival – in Hamburg, denn wegen eines geschützten Vogels fiel Tangstedt als Standort aus. Erst 2006 kam das Event in Kummerfeld an und der Verein wurde gegründet. Schnell schlossen sich damals mehr als zwanzig Mitglieder an. Heute arbeiten etwa 50 Freiwillige mit, immer im Einsatz sind etwa15.  Die Organisatoren wollten  den jungen Bands und Musikern Pinnebergs ein Forum bieten.  Der Mix von altbekannten  Größen und Newcomern aus der Kreisstadt  sollte zur Chance für Einsteiger werden.  Heute kommen die Künstler aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland.

 

Angefangen hatte alles bereits im Jahr 2004 mit einer großen Geburtstagsparty (siehe Infokasten): 300 Besucher feierten damals mit. Bis heute ist das Festival stetig gewachsen, im vergangenen Jahr kamen mehr als 2000 Besucher nach Kummerfeld. „Wir blicken stolz und glücklich zurück“, sagt Ganser. „Sicher ist es traurig, aber wir hoffen, dass die Nachricht positiv aufgenommen wird und wir den Abschied  nochmal richtig feiern können.“

Kummerfelds Bürgermeisterin Erika Koll ist traurig über die Entscheidung: „Das Festival hat sich über viele Jahre etabliert und gehört ein Stück weit zu Kummerfeld und wird auch mit Kummerfeld verbunden“, sagt sie. „Ich kann das nur bedauern, habe aber Verständnis für die Gründe der Organisatoren.“ Die Hoffnung, dass sich jemand findet, der die Tradition weiterführt, wolle sie aber so schnell nicht aufgeben.

Die Organisatoren wollen mit ihrer Entscheidung auch Platz für Neues machen. „Wir hatten das Gefühl, dass es an der Zeit ist, zu neuen Projekten aufzubrechen“, sagt Ganser. Geplant ist derzeit nichts. Aber: „Wir sind da nicht komplett verschlossen vor.“ Und ein Ackerfestival bleibt ja noch zu organisieren. Der Ticketverkauf ist bereits gestartet. Wer zum letzten Mal dabei sein will, findet weitere Infos auf der Website des Ackerfestival Vereins. „Man sollte sich Karten sichern“, sagt Ganser.

13 Bands haben sich für den Abschluss 2017 angekündigt. An beiden Festivaltagen gibt es jeweils bis Mitternacht Livemusik, der zweite Tag startet zudem mit einem Poetryslam. Die musikalische Mischung macht ein breites Spektrum auf: Von Rap über Metall und Punk bis Rock’n’Roll ist alles dabei. Auf dem Ackerfestival sind aber vor allem wieder solche Bands am Start, die mit einem bunten Cross-Over in keine Schublade passen wollen. 

Kommentar von Andreas Dirbach:

Als die Nachricht kam, dass es 2018 kein Ackerfestival mehr geben wird, war ich erst überrascht, dann geschockt, dann traurig. Letzteres hält immer noch an. Denn aus einer einfachen Idee wurde etwas richtig Großes. Vielmehr noch: Eine Handvoll motivierter junger Menschen hat eine Marke und ein Aushängeschild für den Kreis Pinneberg geschaffen. Ein Festival, das abseits des Pop-Kommerzes die Musik in den Mittelpunkt stellte. Den Spaß. Das Miteinander. Vielleicht dieselben Gründe, die jetzt auch das Ende besiegelt haben. Aber so ist es eben beim Ehrenamt: Es kann nicht eingefordert, sondern nur gefördert werden. Deshalb ist diese Entscheidung zu respektieren. Selbst wenn eine ganze Generation jetzt traurig ist. Immerhin: Es waren zwölf geile Jahre. Dankeschön!

 

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erstellt am 07.Jul.2017 | 16:00 Uhr

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