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Zwölf Zimmer : Das kleinste Hotel in Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Was tun mit dem schönen Haus an der Ecke? Eine fixe Idee hat den Brüdern Farhad und Tariq Chaudhry zum Glück verholfen.

Pinneberg | Dieses kleine Hotel, das im vergangenen Jahr Eröffnung gefeiert hat, ist den meisten Pinnebergern relativ unbekannt. Dafür ist es im Internet umso bekannter und hat einen fulminanten Start hingelegt: „Wir haben unser Hotel am 6. Mai offiziell eröffnet. Bis zum Morgengrauen waren alle zwölf Zimmer ausgebucht“, erinnert sich Geschäftsführer Farhad Chaudhry. „Wir hatten Glück. Es war Hafenfest in Hamburg. Viele Besucher haben eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht und sind nach Pinneberg ausgewichen.“

Das Eckhaus an der Prisdorfer Straße 21, das jetzt zum Hotel geworden ist, wollte ursprünglich niemand haben. Zu viel Renovierungsbedarf. Und dann steht es auch noch direkt an der Straße. „Die damaligen Eigentümer waren in den USA verunglückt“, erinnert sich der junge Hotelier. Doch sein Vater Basharat sah in dem Haus Potenzial und eine gute Wohnmöglichkeit für seine Eltern, kaufte das Gebäude 2006 und begann mit der Renovierung. Die alten Leute zogen ein, wohnten ein paar Jahre dort, wollten dann aber doch lieber auf’s Land. „Da haben wir überlegt, was wir mit dem Haus machen könnten“, so Chaudhry.

Sein Vater Basharat erzählt: „Eine Option war die Vermietung an Flüchtlinge. Die brauchten dringend Wohnraum.“ Das wurde mit der Nachbarschaft besprochen und dann wieder fallen gelassen. Da kam dem Vater eine andere Idee: „Die Jungs wollten ins Business. Sie brauchten Motivation und Praxis. Warum kann man aus dem Haus nicht ein kleines Hotel machen? Sozusagen eine praktische Ausbildungsstätte für meine Söhne. Learning by doing.“ Der Plan wurde im Familienrat besprochen und für gut befunden. Daraufhin haben die Söhne das Haus vom Vater gepachtet und legten los.

Farhad Chaudhry, frischgebackener Ehemann, der gerade sein Studium für Wirtschaftsrecht abgeschlossen hat, managt das Hotel seitdem gemeinsam mit seinem Bruder Tariq. Die Präsenz im Netz brachte dem C&S Hotel Aufmerksamkeit und Gäste. „43 Prozent sind Geschäftsreisende, die in Pinneberg oder Hamburg zu tun haben und der Rest, das sind Paare oder Familien, die zu Besuch sind oder Urlaub machen“, so der 25-jährige Hotelmanager, der erst kürzlich eine Auswertung seiner Gästestruktur gemacht hat.

Hotelmanager Farhad Chaudhry (l.) will jetzt gemeinsam mit seinem Bruder Tariq expandieren. Vater Basharat hatte die Idee.
Hotelmanager Farhad Chaudhry (l.) will jetzt gemeinsam mit seinem Bruder Tariq expandieren. Vater Basharat hatte die Idee. Foto: Sabrina Lincke
 

Manchmal werden die Gäste aber auch unfreiwillig in das kleine Hotel geführt: „Erst kürzlich hatte eine norwegische Familie eine größere Panne an der Autobahnausfahrt Pinneberg-Nord. Die sprachen kein Wort Deutsch und kamen hilfesuchend zu uns. Mein Bruder hat dann mit ihnen Werkstätten abgeklappert und sich gekümmert.“ Gastfreundschaft stehe bei den beiden Brüdern eben ganz oben. Und der Familiensinn sowieso. Alles wird gemeinsam entschieden. So wie der Name des Hotels – C steht für Chaudhry und S für Söhne.

Das Hotel bietet Übernachtungen und Frühstück an, ist modern eingerichtet und zeigt nur in den Teppichen noch ein ganz kleines bisschen die orientalischen Wurzeln der beiden jungen Männer: „Meine Mutter ist Türkin, mein Vater kommt aus Pakistan. Und meine zwei Schwestern, mein Bruder und ich sind Pinneberger.“ Mit dem Erfolg hat selbst Vater Basharat nicht gerechnet. Seine Söhne wissen eben genau, was sie wollen. Farhad: „Wir eröffnen bald noch ein Hotel in Pinneberg. Ein größeres. Der Bedarf ist da. Mehr können wir noch nicht verraten.“

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erstellt am 27.Apr.2017 | 12:00 Uhr

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