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Drei neue Pädagogenstellen : Das Jugendamt will raus aus dem Krisenmodus

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Abteilung für Pflegefamilien und Adoptionen bekommt deutlich mehr Personal.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2017 | 15:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Jasper Jensen ist Leiter einer Abteilung der Pinneberger Kreisverwaltung, die für einen besonders sensiblen Bereich zuständig ist. Denn im Team „Pflegestellen/Adoption“ geht es um Kinder, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern leben. Drogensucht, häusliche Gewalt, ungewollte Schwangerschaften, allgemein Überforderung mit der Erziehung oder weil die Kinder zu Waisen geworden sind. „Die ganze Bandbreite an Krisen“, fasst Jensen zusammen. Um so glücklicher ist er, dass diese Abteilung jetzt nach einem Beschluss der Kreistagspolitiker in eine Situation gebracht wurde, die Jensen so zusammenfasst: „Aufbruchstimmung statt Krisenmodus.“

Mit den vom Jugendhilfeausschuss auf den Weg gebrachten und jetzt umgesetzten Maßnahmen wurde die Abteilung Pflegestellen – so der behördliche Fachbegriff für Pflegefamilien – und Adoption unter anderem personell stark aufgestockt. Drei neue pädagogische Mitarbeiterinnen, umgerechnet 2,5 Stellen, wurden eingestellt. Außerdem erhielt die Verwaltungskraft mehr Stunden. „Unterm Strich hatten wir dadurch eine Aufstockung bei den Pädagogen von rund 7,5 auf rund 10,5 Stellen.“

Aktuell werden im Kreis Pinneberg 255 Kindern in 195 Pflegefamilien betreut. Eine für die Pflegeeltern anspruchsvolle Aufgabe, bei der die Verwaltung eine umfassende Unterstützung bieten will. Rechtliche Beratung, Tipps und mindestens vier Besuche durch einen Kreis-Mitarbeiter pro Jahr sind laut Jensen nur einige der Maßnahmen, die den Familien vor allem das Gefühl geben sollen, „dass sie mit der neuen Situation nicht alleingelassen werden“. Genau das sei für sein Team dank der zusätzlichen Mitarbeiter jetzt wieder möglich. Zugespitzt fasst Jensen die Entwicklung zusammen: „Vorher konnten wir immer nur reagieren. Wir waren immer als Feuerwehr unterwegs. Jetzt gibt es wieder eine anlassunabhängige Betreuung.“ Denn genau diese bräuchten die Pflegefamilien. Denn Konflikte sollten rechtzeitig erkannt und bearbeitet werden. Probleme lauern unter anderem im Verhältnis zwischen leiblichen Kindern und Pflegekindern. Aber auch zwischen zwischen leiblichen Eltern und Pflegeeltern. Um das zu entschärfen, plant die Abteilung Pflegestellen/Adoption jetzt unter anderem einen begleiteten Familien-Treff.

Phasen der Eingliederung

 

Anpassungsphase

Zu Beginn zeigt sich das Kind sehr angepasst. Es bemüht sich, es allen in der Familie recht zu machen, um angenommen und geliebt zu werden. Die Pflegeeltern erleben diese erste Phase meist als sehr harmonisch.

Konfliktwiederholung

Hat das Kind an Vertrauen gewonnen, wagt es, seine früheren Erlebnisse und Verhaltensweisen in die Pflegefamilie einzubringen. Die Regeln und Werte der Pflegefamilie werden in Frage gestellt.

Beziehungsaufbau

Sind tragfähige Beziehungen aufgebaut, besteht die Chance, dass das Kind sich an die Pflegefamilie bindet und sein oftmals auffälliges Verhalten positiv verändert.

Die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Helga Kell-Rossmann (SPD), betonte, dass das Fachgremium mit seinem Beschluss die Qualität der Arbeit im Team Pflegestelle/Adoption verbessern wollte. Das sei in den wichtigsten Bereichen gelungen, so die Vorsitzende: „Der Kreis benötigt die Pflegestellen ganz dringend und deshalb müssen die Mitarbeiterinnen genügend Zeit haben für die Betreuung und Zusammenarbeit mit den Pflegestellen. Das ist jetzt gewährleistet und auch die Mitarbeiterinnen können wieder fachlich befriedigend arbeiten.“

Die ungewöhnlich starke Personalaufstockung, die die Politiker – in diesem Fall der Jugendhilfeausschuss – auf den Weg gebracht hat, hat zu einer im Verhältnis zwischen Parteien und Verwaltung ungewöhnlichen Reaktion geführt. Als Jensen in der Sitzung des Fachausschusses vergangene Woche darstellte, wie sich die konkreten Veränderungen auf die Arbeit im Bereich Adoption und Pflegestellen auswirkt, startete er seine Präsentation mit einem Foto. Auf diesem war das Team seiner Abteilung zu sehen. In den Händen Buchstaben, die ein Wort bildeten: „Danke!“

Als Pflegefamilien können sich grundsätzlich alle volljährigen Männer und Frauen beim Kreis Pinneberg anmelden. Aus Sicht von Jasper Jensen, Leiter der Abteilung Pflegestellen/Adoption, sollten vor allem drei Kriterien auf die Familien zutreffen: „Lust, Kraft und Platz.“ Außerdem sollten Bewerber in stabilen Lebensverhältnissen sein. Die Verwaltung prüft vor der Vermittlung eines Pflegekindes außerdem die Situation der Eltern und es gibt Schulungen. Informationen für mögliche Bewerber – auch Termine von Infoabenden – gibt es unter Telefon 04121-45023422 oder per E-Mail an unter u.huckfeldt@kreis-pinneberg.de.
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