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Reise in die Geschichte : „Das ist richtige Detektivarbeit“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Archäologisches Landesamt sucht noch bis morgen in Borstel-Hohenraden Spuren der Vergangenheit.

Borstel-Hohenraden | Etwa 1600 Jahre alte Schmelzöfen, Werkstätten, Reste eines mehr als 2000 Jahre alten Gräberfeldes, einen alten Dolch, 25 Urnen, zwei Speicher und dazu das erste Steingrab im Kreis Pinneberg - „die Ausgrabungen haben sich wirklich gelohnt “, sagt Grabungsleiter Andreas Schütterle vom Archäologischen Landesamt. Seit Oktober suchen Schütterle und sein Team auf dem Areal, auf dem in Borstel-Hohenraden das neue Gewerbegebiet entsteht, nach Spuren aus der Vergangenheit. Morgen ist die Suche vorbei.

Erst rollten die Bagger an und entfernten den Mutterboden. Danach begann die mühevolle Kleinarbeit. Mit Schaufel und Kelle wurde nach Relikten aus früheren Zeiten gesucht. Teilweise waren bis zu sieben Mitarbeiter vor Ort, weil sich die Fläche an der Quickborner Straße als archäologische Fundgrube erwies.

Schon die Voruntersuchungen im Juli zeigten, dass sich die Suche lohnt. Da das Gebiet neben der A23 bereits in einem Fundstellen-Kataster des Landes, das es bereits seit den 1920er Jahren gibt, verzeichnet war, waren Funde durchaus erwartet worden. Doch wie ergiebig die Ausgrabungen waren, hat selbst die Experten des archäologischen Landesamtes überrascht.

Noch bis Anfang kommender Woche wird auf dem Gelände in Borstel-Hohenraden gearbeitet.
Noch bis Anfang kommender Woche wird auf dem Gelände in Borstel-Hohenraden gearbeitet. Foto: pt
 

Besonders bemerkenswert ist die Entdeckung eines Dolmens (Steintisch) aus der Jungsteinzeit. Ein solches Steingrab ist im Kreis einzigartig. Zwischenzeitlich vermutete Schütterle sogar, dass gleich zwei Gräber entdeckt wurden. Es stellte sich jedoch heraus, „dass es sich doch nur um ein, allerdings ziemlich verrissenes, Grab handelt“, berichtet der Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes. Die Größe des Grabs lasse darauf schließen, dass dort nicht irgendjemand, sondern eine wichtige Persönlichkeit der damaligen Zeit bestattet worden sei. Sozusagen alter Adel. „Die Ausgrabungen verschaffen uns einen Eindruck, wie es hier früher aussah“, erläutert der wissenschaftliche Leiter. So wurden beispielsweise Reste von Pfählen entdeckt, die einen Speicher trugen. Diese stammen wahrscheinlich aus der römischen Kaiserzeit. Die Archäologen vermuten, dass sich in der Nähe auch ein Wohnhaus befand. Dessen Spuren sind jedoch verloren gegangen. An der Stelle, an der Schütterle das Haus vermutet, wurde Kies abgebaut. So sind wahrscheinlich alle Hinweise vernichtet worden.

Das Archäologische Landesamt sammelt viele Puzzleteile, um sich einen möglichst genauen Eindruck zu verschaffen, wie es früher aussah. „Das ist richtige Detektivarbeit“, sagt Schütterle. Absolute Gewissheit gibt es dabei nicht. „Wir versuchen der Wahrheit so nah wie möglich zu kommen.“ Bis Ende Januar werden die Fundstücke nun untersucht und dann in einem Magazin in Schleswig untergebracht. Sie können zum Beispiel für wissenschaftliche Untersuchungen von Studenten oder Doktoranden verwendet werden. Ein Teil wird vermutlich auch restauriert und ausgestellt.

Schütterle kann sich vorstellen, dass in den kommenden Jahren in Pinneberg und den Umlandgemeinden noch weitere Erinnerungen an vergangene Zeiten entdeckt werden. Schließlich sei das Gewerbegebiet an der A23 in Borstel-Hohenraden nicht der erste Ort, an dem Archäologen fündig wurden. Ausgrabungen des Archäologischen Landesamtes legten beispielsweise im Februar ein germanisches Langhaus an der Westumgehung frei. Weitere Funde in neuen Bau- oder Gewerbegebieten sind aus Schütterles Sicht durchaus möglich.

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erstellt am 06.Dez.2016 | 17:23 Uhr

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