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Werftbesuch : Das ist die neue Ökofähre für Helgoland

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das neue Bäderschiff, das in Berne-Motzen bei Bremen gebaut wird, wird mit Flüssiggas betankt. Es soll eine ganzjährige Verbindung nach Helgoland entstehen.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2015 | 12:15 Uhr

Berne/Helgoland | Die „NB 1889“ ist wahrlich keine Schönheit. Sie ist rostig-braun. Sie ist staubig. Sie hat Löcher im Bauch. Und in ihrem Inneren winden sich ungeordnet Kabelstränge und Rohre. Doch fleißige Werftarbeiter setzen alles daran, aus der hässlichen Ente bis zum Sommer einen stolzen Schwan zu machen. Das neue Bäderschiff der Reederei Cassen Eils wird den Namen MS „Helgoland“ tragen.

Die Fassmer-Werft in Berne bei Bremen will die Fähre im Juni an Cassen Eils übergeben. Dann soll sie das Festland mit der Hochseeinsel Helgoland verbinden. Im Sommer und im Winter. Auch von Hamburg aus steuert die 31-Millionen-Euro-Fähre Helgoland an.

Am Dienstag gewährte die Werftführung einen Blick hinter die Kulissen und damit in den als Kasko bezeichneten Rohbau der Fähre. Dort lassen die Schweißer Funken sprühen. Es riecht nach heißem Stahl und frischem Lack. Von den Decken hängen Isoliermatten und Kabelenden. Durch einen Spalt im Boden eines Zwischendecks ist ein riesiger Tank für Flüssiggas zu sehen.

Das Schiff ist etwas Besonderes. Es wird zukünftig mit LNG (Liquefied Natural Gas) betrieben. LNG gilt als umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Schiffsdiesel. Nach Angaben von Bernhard Brons, Geschäftsführer von Cassen Eils, ist es europaweit der erste Neubau eines Passagierschiffes dieser Art.

Halb Fähre, halb Frachtschiff

Das neue Bäderschiff soll nicht nur mehr Touristen auf die Insel bringen. Es wird die Helgoländer auch täglich mit Waren versorgen. Zehn Standardcontainer von zehn Fuß (etwa 3 mal 2,5 mal 2,5 Meter) und einen Standardcontainer von 20 Fuß (etwa 6 mal 2,5 mal 2,5 Meter) bieten Platz für die Bestellungen der Insulaner. Auch Kühltransporte sind möglich.

Wer das Schiff in der Werfthalle umrundet, kommt an zwei mehrere Meter langen Konstrukten mit Flügeln vorbei. Diese jeweils elf Tonnen schweren Stabilisatoren von Bloom & Voss sollen die Rollbewegungen, also das Schwanken bei schwerer See, verhindern. So kann die Insel auch bei unfreundlichem Wetter angesteuert werden – vor allem im Winter ein Vorteil.

So sieht das neue Bäderschiff in einer Simulation der Reederei Cassen Eils aus. (Quelle: Cassen Eils)
So sieht das neue Bäderschiff in einer Simulation der Reederei Cassen Eils aus. (Quelle: Cassen Eils)
Schiffsdaten: Bauwerft: Fr. Fassmer GmbH & Co. KG, Berne; Auftraggeber: AG EMS Emden; Reederei: Cassen Eils GmbH, Cuxhaven; Länge: 83m; Breite: 12,60m; Tiefgang: 3,60m; Verdrängung: 1,820 t; Geschwindigkeit: 19 Knoten; Gasmotor: MAN Natural Gas Engine E3262LE202, 500 kW; Dieselmotoren: 2xWärtsila 9L20DF, 2x1,665kW, 2xCCP2600Ø; Passagiere: 1060; Besatzung: 12.

Etwa 1060 Passagiere kann die Fähre im Sommer aufnehmen. Im Winter sind es etwa 840. Die Reise ist barrierefrei. Die MS „Helgoland“ macht an einem Anleger fest. Das Ausbooten entfällt. „Wir rechnen damit, in Zukunft bis zu 30 Prozent mehr Gäste nach Helgoland zu bringen“, sagt Peter Eesmann, ebenfalls Geschäftsführer von Cassen Eils. Das werden die Helgoländer gerne hören, nachdem die Besucherzahlen während der vergangenen Jahre deutlich zurückgegangen waren. Doch Eesmann fordert von den Helgoländern auch, Geld in den Tourismus zu stecken. Er kleidet das in höfliche Worte: „Gerade der Winter auf Helgoland ist toll. Bald haben Besucher die Möglichkeit, dort täglich hinzufahren. Die Unterkünfte müssen aber zwölf Monate im Jahr geöffnet haben. Und momentan ist das Zinsniveau günstig, um zu investieren.“

Flüssiggas oder Liquefied Natural Gas (LNG) gilt als umweltfreundliche Alternative zum Schiffsdiesel. Im Vergleich zu Schiffen mit herkömmlichem Treibstoff stößt die neue LNG-Fähre MS „Helgoland“ von Cassen Eils 20 Prozent weniger Kohlenstoffdioxide, 90 Prozent weniger Stickoxide, 95 Prozent weniger Schwefeloxide und keinen Feinstaub mehr aus. Das teilt die Reederei mit.
Für das Erdgas mit einer Temperatur von etwa minus 160 Grad Celsius hat die „Helgoland“ einen 53 Kubikmeter fassenden Tank. Der Treibstoff soll zukünftig in Cuxhaven gebunkert werden, so der Plan. Bis es soweit ist, liefern Tankwagen das Gas aus den Niederlanden. Etwa einmal pro Woche muss das Schiff an die Zapfsäule.
In Hamburg wird von diesem Frühjahr an eine LNG-Barge, ein schwimmendes Kraftwerk, Kreuzfahrtschiffe mit Strom versorgen. Der Hersteller plant zudem eine LNG-Autofähre zwischen Wedel und York.
Sie mögen Helgoland? Dann wird Sie auch unsere Multimedia-Reportage über die Seenotretter der DGzRS auf dem "Roten Felsen" interessieren. Sie finden die Reportage unter helgoland.shz.de
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