Neubau für 20 Millionen Euro : Das ist die neue Kooperative Regionalleitstelle West in Elmshorn

Stolz stehen Stephan Bandlow (links) und Michael von Malottki im Hauptarbeitsraum der neuen Kooperativen Regionalleitstelle West. 

Stolz stehen Stephan Bandlow (links) und Michael von Malottki im Hauptarbeitsraum der neuen Kooperativen Regionalleitstelle West. 

Von der Zentrale aus werden Helfer zu Einsätzen in den Kreisen Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen auf den Weg geschickt.

shz.de von
26. Juni 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | Die Uhr tickt. In zehn Tagen nimmt die neue Kooperative Leitstelle West in Elmshorn ihren Betrieb auf. Am Freitag, 6. Juli, werden im Laufe des Tages nach und nach alle Telefonleitungen vom alten Gebäude an der Agnes-Karll-Allee ins neue Gebäude, ebenfalls an der Agnes-Karll-Allee umgeschaltet, ganz zum Schluss die Notrufnummern 110 für die Polizei und 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst.

Ein reiner Funktionalbau

Der Stolz ist Stephan Bandlow als Leiter des kommunalen Teils, und dem stellvertretenden Leiter des polizeilichen Teils, Michael von Malottki, anzumerken als sie durch das helle und freundliche Gebäude führen. Räumlich liegen zwischen Alt- und Neubau auf dem Gelände des Elmshorner Krankenhauses gerade einmal 100 Meter. Vom Anblick innen mit Apfelgrün als Hauptfarbmotiv, von der Akustik und der Klimatechnik her sind es gefühlte Lichtjahre. Und dennoch ist von Malottki wichtig eines festzustellen: „Es sieht aus wie ein Prachtbau, ist aber ein reiner Funktionalbau.

Von der ersten Planung des neuen Leitstellengebäuden bis zur Fertigstellung sind fast fünf Jahre vergangen.  Fotos: Bunk (3)
Michael Bunk
Von der ersten Planung des neuen Leitstellengebäuden bis zur Fertigstellung sind fast fünf Jahre vergangen. Fotos: Bunk (3)
 

Die Raumgröße orientiert sich exakt an den jeweiligen Vorgaben und wir haben auch keine völlig freien Räume mehr.“ Dennoch soll der Bau den Ansprüchen der mindestens nächsten 40 Jahre genügen – räumlich. Die EDV-Technik werde alle fünf Jahre angepasst und erneuert. „Immerhin laufen die Server bei uns an 24 Stunden rund um die Uhr“, erklärte Bandlow.

Die Arbeitsplätze der Einsatzsachbearbeiter sind hinter den großen Fenstern von Licht durchflutet.
Michael Bunk
Die Arbeitsplätze der Einsatzsachbearbeiter sind hinter den großen Fenstern von Licht durchflutet.
 

Auch Menschen arbeiten ununterbrochen dort, wenn auch in verschiedenen Schichten. Und die sollen sich wohlfühlen, was derzeit nicht der Fall ist. Die Klagen über Dunkelheit, trockene Luft und nicht zuletzt Toiletten im Container auf dem Parkplatz sind in der Gegenwart die größten Ärgernisse. Diese sollen ab übernächsten Freitag der Vergangenheit angehören. „Wir wollten viel Tageslicht haben. Das zieht sich wie ein rotes Band durch das gesamte Gebäude“, so Bandlow.

Die Leitstelle in Zahlen

Verbaut wurden unter anderem

  • 85 Kilometer Stromkabel
     
  • 130 Kilometer Kupfer-Datenkabel
     
  • 8 Kilometer Glasfaserkabel
     
  • 2000 Datenanschlusspunkte
     
  • 5000 Lampen und Leuchten
     
  • Kosten Technik: 5,4 Millionen Euro, davon 2,4 Millionen Euro für den kommunalen Bereich
     
  • Kosten Gebäude: 20 Millionen Euro
 

In den beiden großen, durch einen Flur getrennten Leitstellenräumen für die Polizei mit elf Disponenten-Arbeitsplätzen und 17 im kommunalen Bereich haben die Lampen nur unterstützende Funktion. Die Sachbearbeiter gucken durch die jeweils zwei Stockwerke umfassenden Fensterflächen ins Grüne – wenn sie nicht gerade Notrufe annehmen oder Fahrzeuge disponieren. Für die Lichtgestaltung sei selbst die Farbe der Schreibtische wichtig gewesen, erzählt Michael von Malottki aus der fünf Jahre währenden Planungsphase.

Selbst im EDV-Serverraum findet sich grüne Farbe wider.
Michael Bunk
Selbst im EDV-Serverraum findet sich grüne Farbe wider.
 

Die mehr als 100 Disponenten – 44 für Rettungsdienst und Feuerwehr, 60 bei der Polizei – haben fünf Monitore mit allen möglichen Daten vor sich sowie ein Touchpad, über das sie Telefone und den Digitalfunk steuern können. Alle Schreibtische sind höhenverstellbar, so dass die Sachbearbeiter sitzend oder im Stehen arbeiten können. „Das wird man gerade bei richtig stressigen Situationen erleben, denn auch die Kollegen sind dann voll mit Adrenalin“, so Bandlow. Die Lüftungsschlitze für die Klimaanlage sind ebenfalls in die Möbel integriert. So soll es keine Zugluft geben. Zudem wird die Luft angefeuchtet.

Fliesen wie in der Pariser Metro

Daneben gibt es reichlich Nebenräume, die auch für die Ausbildung genutzt werden. Zudem findet sich bei Bedarf im zweiten Stock der Katastrophenschutzstab des Kreises Pinneberg ein. Auch die Polizei hat für besondere Lagen eine entsprechende Ausstattung. Die hochkomplexe Technik ist für den Fall eines Stromausfalls mit Batterien und Notstromaggregat abgesichert. Die Serverschränke für die EDV stehen in Räumen, deren Sauerstoffgehalt auf 15 Prozent abgesenkt wird, um Brandgefahren praktisch auf null zu setzen.

Und die neue Leitstelle hat sogar internationales Flair: Die Fliesen in den sanitären Anlagen sind die gleichen wie in der Pariser Metro.

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