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„Verbotenes Thema“ öffentlich machen : Das ist die Leiterin der Selbsthilfegruppe „Depressionen und Ängste“ in Schenefeld

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Nach drei Krankenhausaufenthalten fasste sie den Entschluss eine eigene Gruppe ins Leben zu rufen. Diese besteht mittlerweile seit November 2007.

Schenefeld | Martina May erläutert direkt die wichtigste Regel der Selbsthilfegruppe Depressionen und Ängste, die sich zweimal pro Monat im Haus der Sozialberatung Schenefeld trifft: „Alles, was in dem Raum gesagt wird, bleibt in diesem Raum.“ Nach drei Krankenhausaufenthalten besuchte May eine Selbsthilfegruppe für depressive Menschen. „Da hat es mir so gar nicht zugesagt“, erinnert sich May. Sie wandte sich an die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen und fasste dann den Mut und Entschluss, eine eigene Gruppe ins Leben zu rufen. Diese besteht mittlerweile seit November 2007.

„Durch den Austausch über die Krankheit und die vielfältigen Informationen hat sich ganz viel entwickelt“, sagt May. Bei den Treffen gebe es einen „locker gegliederten Ablauf“. Unter anderem sollen die Teilnehmer ihren eigenen Zustand selbst einschätzen. 1 steht für gut – 10 für sehr schlecht. „Das fällt vielen schwer“, sagt May. Oft werde die eigene Situation zu schlecht bewertet. „Es mag seltsam klingen, aber es ist wichtig, sich gegenseitig zu loben, aber auch zu lernen, sich selbst zu loben“, sagt May. Dabei gehe es auch darum, kleine Schritte zu machen. „Der wichtigste und größte ist, dass man die Krankheit akzeptiert. Es steht ja keinem auf die Stirn geschrieben, dass er an Depressionen leidet.“ Und auch wenn es um Depressionen und Ängste gehe, die oft eine Folge der depressiven Phasen seien, werde in der Gruppe viel gelacht: „Es ist wirklich wahr: Lachen ist gesund.“

Bei den Treffen, an denen regelmäßig acht bis zwölf Personen teilnähmen, sei daher wichtig, positive Erlebnisse zu schaffen und die Erkrankten zu motivieren, diese auch im Alltag nicht zu vergessen. Zudem sei eine Abkehr vom Perfektionsmus notwendig. „Es müssen nicht immer 150 Prozent sein, auch 80 Prozent reichen aus. Sonst macht einen das irgendwann kaputt“, sagt May, die dafür ein Bild gefunden hat: „Wenn eine Batterie leer ist, muss man diese aufladen. Das verdeutlicht die Problematik gut.“

Da sich viele depressive Menschen zurückziehen, sei der Austausch wichtig. „Es geht nicht nur um Tipps, wie man mit der Krankheit umgehen und leben kann, sondern darum, dass einem auch in der Gruppe wirklich zugehört wird“, so May. Derjenige, der das Wort hat, bekomme einen Stein in die Hand. „Man sieht oft bei Politikern, dass sie bei Reden einen Stift in der Hand halten. Der Stein soll Kraft geben, wenn jemand an der Reihe ist.“

May glaubt, dass die Zahl der depressiven Erkrankten deutlich steige und hofft, dass mehr Menschen den Schritt aus der Isolation wagen: „Je mehr wir darüber reden, desto weniger ist es ein verbotenes Thema.“ May rät potentiellen Betroffenen: „Wenn man zwei Wochen durchgehend traurig ist, spricht man von einer Depression. Dann sollte man es ernst nehmen und zu einem Arzt gehen.“

Selbsthilfegruppe „Depressionen und Ängste“, Kontakt: Martina May, erreichbar unter Telefon 04101-8690242. Die Treffen sind an jedem 1. und 3. Montag im Monat von 19.30 bis 21 Uhr im Haus der Sozialberatung Schenefeld, Osterbrooksweg 4. Weitere Infos gibt’s online. www.ff-schenefeld.freiwilligenforum.de
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erstellt am 03.Aug.2015 | 14:00 Uhr

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