Das Herz der Rellinger erwärmen

<strong>Dietmar Schünicke</strong> dirigierte bereits 2011 die 'Johannes Passion' von Bach in Rellingen. Am 11. November kehrt er erneut zurück an seine alte Wirkungsstätte. Am 5. Dezember 2005 erhielt der Musiker für die Verdienste um die Musik an der Schule die 'Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes' in Silber der Freien und Hansestadt Hamburg. <foto>Vogel</foto>
Dietmar Schünicke dirigierte bereits 2011 die "Johannes Passion" von Bach in Rellingen. Am 11. November kehrt er erneut zurück an seine alte Wirkungsstätte. Am 5. Dezember 2005 erhielt der Musiker für die Verdienste um die Musik an der Schule die "Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes" in Silber der Freien und Hansestadt Hamburg. Vogel

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09. Oktober 2012, 01:14 Uhr

Rellingen | Dietmar Schünicke kehrt zurück nach Rellingen. Dort, an seiner alten Wirkungsstätte, der Barockkirche, hat der am 9. Mai 1944 geborene Chorleiter von 1971 bis 1973 Maßstäbe gesetzt. Auf dessen Initiative geht die Gründung der Kantorei zurück. Am Sonntag, 11. November, schöpft Schünicke aus dem Vollen seines von 1970 bis 2008 jahrzehntelang gewonnenen Erfahrungsschatzes als Schulchorleiter am Christianeum in Hamburg: mit dem ergreifenden Werk "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms (1833-1897) will Schünecke Gemüt und Herz der Rellinger erwärmen.

Schünicke - seit Sommer 2008 im (Un-)Ruhestand - wird sich jedoch ab 18 Uhr der Totenmesse nicht mit dem hiesigen Chor annehmen. "Ich komme mit meinen Zöglingen", gibt sich Schünicke geheimnisvoll. Und löst gleich das im Raum stehende Fragezeichen: Der "Alumni-Chor Christianeum" - sprich die heute 19- bis 50-jährigen Ehemaligen der renommierten Schule der Hansestadt - wird am Taktstock hängen. Das Projektorchester folgt dazu konzentriert den Anweisungen.

Dass Ex-Kantor Schünicke ein Meister seines Fachs ist, beweist die Tatsache, dass mit den professionellen Stimmen von Alexandra Heidorn (Sopran) und Sönke Tams Freier (Bariton) als Solisten ebenfalls Ex-Schüler die Soloparts übernehmen werden.

70 Minuten lang Leid, Trost, Schmerz und Freude - Brahms komponierte das Werk von 1861 bis 1866 - geprägt vom Tod der Mutter, gequält durch den Verlust seines Förderers und Freundes Robert Schumann (1810-1856). "Als Uraufführung gilt die Vorstellung von sechs Sätzen am Karfreitag 1868 im Bremer Dom", so Schünicke. Der Dirigent setzt auf das Motto "Wer mehr weiß, hört mehr". So zögert er nicht zu betonen, "dass sich Brahms bei seinem Requiem von der strengen Form der katholischen Totenmesse abwand, in der für das Seelenheil der Verstorbenen gebetet wird: Requiem aeternam dona eis, Domine (Ewige Ruhe schenke ihnen, Herr)". Brahms habe sich vielmehr auch den Hinterbliebenen zuwenden wollen. Schünicke weiter: "Er stellte verschiedene Bibeltexte so zusammen, dass sie einem subjektiv-religiösem Bild entsprachen." Die lateinische Sprache wich der deutschen.

Schünicke lässt insgesamt 80 Sänger vor dem Altar an der Hauptstraße platzieren. "Wir proben für den großen Moment in Rellingen seit etwa acht Monaten", gibt der 68-Jährige eine Kostprobe dafür, dass ein solches Werk eine gigantische Herausforderung für alle Beteiligten ist. Für den "Alumni-Chor Christianeum" sei es übrigens das erste Mal, dass sie mit Brahms Requiem vor Publikum auftreten. "Im Schulbetrieb hat es nicht gepasst, zudem ist der Notentext sehr anspruchsvoll."

"Selig sind die, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden" - am 11. November gibt es dazu reichlich Gelegenheit. Karten zwischen zehn und 25 Euro gibt es bei Foto Gaedigk in Rellingen (0 41 01) 2 23 21 und im Sekretariat des Christianeums (040) 42 88 82 80.

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