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Das Sonntagsgespräch : „Das Handwerk hat immer noch goldenen Boden“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Thomas Dohrn, stellvertretender Kreishandwerksmeister, der sagt, dass das Handwerk kein "Schmuddelimage" hat.

Uetersen | Thomas Dohrn ist stellvertretender Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Westholstein, die die Interessen von etwa 1000 Betrieben aus den Kreisen Pinneberg und Steinburg vertritt. Im Sonntagsgespräch erklärt Dohrn unter anderem, warum es sich lohnt, einen handwerklichen Beruf zu ergreifen.

Wie kann die Kreishandwerkerschaft die einzelnen Betriebe unterstützen?
Die hauptamtliche Geschäftsführung übernimmt die Verwaltung für die einzelnen Innungen, die die Kreishandwerkerschaft bilden. Aufgabe der Verwaltung ist, sich um zahlreiche Belange zu kümmern, die die einzelnen  Mitgliedsfirmen  betreffen und mit Rat und Tat zur Seite stehen. So erhalten die Unternehmen  unter anderem Rechtsauskünfte und Unterstützung bei Arbeitsgerichtsprozessen. Dazu vertritt die Kreishandwerkerschaft die Interessen der Betriebe und macht beispielsweise die Politik auf Probleme aufmerksam.

Die Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft hat seit dem Zusammenschluss der Kreishandwerkerschaften Pinneberg und Steinburg ihren Sitz in Itzehoe. Ist das ein Nachteil für Betriebe aus dem Kreis Pinneberg?
Der Umzug ist anfangs vielen Betrieben sauer aufgestoßen. Die Bedenken, dass sich dadurch der Service verschlechtert, haben sich nicht bestätigt. Per Mail oder Telefon ist die Geschäftsstelle rund um die Uhr erreichbar. Positiv ist, dass die Kreishandwerkerschaft durch den Zusammenschluss ein viel größeres Gewicht hat. Sie vertritt die Interessen von etwa 1000 Betrieben. Außerdem hilft die kreisübergreifende Kooperation, Kosten zu sparen.

Mit welchen Problemen hat das Handwerk zu kämpfen?
Die Bereitschaft, junge Menschen auszubilden, ist groß. Schließlich ist das Handwerk auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen. Ein Problem ist allerdings, dass es häufig mehr Stellen als Bewerber gibt. Deshalb knüpfen wir Kontakte zu Asylbewerbern, um diese für das Handwerk zu begeistern.

Der Maler- und Lackierermeister Thomas Dohrn (53) ist Inhaber eines Betriebes am Tornescher Weg in Uetersen. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Dohrn engagiert sich in vielen Bereichen ehrenamtlich und ist unter anderem Schützenmeister der Uetersener Schützengilde. Dem Vorstand der Kreishandwerkerschaft Pinneberg gehörte er von 1996 bis 2007 an und war unter anderem Kreishandwerksmeister. Nach der Fusion mit der Kreishandwerkerschaft Steinburg zur Kreishandwerkerschaft Westholstein wurde er stellvertretender Kreishandwerksmeister.

Wieso lohnt es sich, im Handwerk zu arbeiten?
Das „Schmuddel-Image“, das  dem Handwerk früher nachgesagt wurde, hat mit der heutigen Realität längst nichts mehr zu tun. Die Arbeitstechniken haben sich so stark verändert, dass dafür vielfältig qualifizierte Leute benötigt werden. Auch gibt es tolle Verdienst- und Karrieremöglichkeiten. Wer gute Leistungen erwartet, muss vernünftig bezahlen. Das tun die Betriebe. Dazu kommt: Wer einen Handwerksberuf ergreifen will, hat gute Chancen, tatsächlich einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten sind ebenfalls groß. Das Handwerk hat also immer noch goldenen Boden.

Was kann die Politik für das Handwerk tun?
Die übertriebene Bürokratie bereitet uns immer noch Bauchschmerzen. Nur die fachliche Qualifikation reicht für Firmeninhaber längst nicht mehr aus. Steuerrecht, Arbeitssicherheit  – es ist einiges zu beachten. Ein Problem ist auch das Vergaberecht. In öffentlichen Ausschreibungen stehen so viele Hindernisse, dass viele Betriebe erst gar kein Angebot einreichen. Es wird außerdem nicht berücksichtigt, dass das günstigste Angebot nicht unbedingt das wirtschaftlichste sein muss. Ich würde mir deshalb wünschen, dass die Politik Reformen in Angrifft nimmt.

Was gefällt Ihnen persönlich am Handwerk?
Der persönliche Kontakt zum Kunden. Als Maler und Lackierer darf ich anderen dabei helfen, ihr Umfeld nach ihren Wünschen zu gestalten. Ich arbeite mit Herzblut und freue mich über das, was ich geschaffen habe. Jeder Handwerker ist auf seine Arbeit stolz. Das sollte man sich auch bewahren.

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erstellt am 27.Sep.2015 | 16:00 Uhr

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