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„(arch_IV) Installationen“ : Das Geheimnis der 35 Kisten

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Faszinierende Performance des Kreiskulturpreisträgers Arne Lösekann im Schenefelder Rathaus .

Schenefeld | Saxophon-Töne durchfluteten den Raum von der Empore aus. Während der Performance des Kreiskulturpreisträgers Arne Lösekann erkundete der musizierende Saxophonist Rolf Pfinitzja behutsam und zugleich akribisch die vom Künstler nach und nach geöffneten Boxen. Arne Lösekann hat während seiner Ausstellung „(Arch_IV) Installationen“ 35 Boxen im Rathaus ausgestellt.

Sie enthalten Installationen aus den vergangenen Schaffensjahren. Lösekanns Werken liegen häufig gesellschaftskritische Inhalte zugrunde. Es geht um die Anonymität der Großstadt, den menschlichen Narzismus, Klischees und die sich aus ihnen ergebenden Zwänge sowie um moderne Utopien. Doch auch mit weit intimeren Ideen wie die Selbstsuche beim Erwachsenwerden, Geschwisterliebe und die ewigen Selbstzweifel setzt er sich auseinander.

Der 40-jährige Wedeler öffnete nur einige der 35 Kisten. Andere Boxen blieben verschlossen. Als Lösekann seine Performance eröffnete, folgten ihm die Besucher und beobachteten fasziniert das Geschehen. Während Lösekann mit seinem Schraubenzieher Kisten öffnete, öffnete sich die Perspektive auf Bügelbrett, Geometer, Messlatte und weitere Utensilien. Eine spannende Wirkung entfalteten dann auch die vom Künstler aus den Boxen gezauberten Spieluhr-Gehäuse, deren Melodien sich auf eigentümliche Weise mit den Klängen des Saxophons vermischten.

Die Farbe weiß zieht sich wie ein Markenzeichen durchs Werk des Wedelers. Nicht nur die in den Boxen verstauten Gegenstände, wie beispielsweise das Bügelbrett, sind in kühlem Weiß gehalten, sondern auch die 22 in der Ausstellung zu sehenden Bilder. Bei ihnen handelt es sich um Transferdrucke historischer Fotografien auf Glasplatten. Sie stammen aus der Zeit von 1919 bis 1950 und zeigen Alltagsmotive aus dem Hamburger Stadtteil Barmbek.

Vergangenheit und Gegenwart

Die Performance, aber auch die historischen Bilder luden den Betrachter ein, sich mit dem Thema Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen. Im Hintergrund liefen mittels eines Beamers an der Wand geworfene Filme, die Lösekann bei vergangenen Ausstellungen zeigten. Beim Betrachten der mit roten Korrekturen versehenen Fotos kann sich der Besucher bei bestimmten Lichteinfall selbst im Bild erkennen. Es geht dem Wedeler bei seiner Kunst unter anderem darum, dem Bedürfnis des Menschen Rechnung zu tragen, sich selbst zu seiner Vergangenheit in Bezug zu setzen.

Der Installationskünstler und Architekt lässt sich auf seinen Reisen inspirieren. Das „Unterwegs sein“ und das temporäre Vertäuen im Heimathafen sind zentrale Themen. Der 40-Jährige reiste unter anderem durch Chile, Argentinien, Bolivien und Peru. Eine seiner nächsten Inspirationsquellen ist die weißrussische Hauptstadt Minsk.

Der auf internationalen Ausstellungen vertretene Lösekann wirft die Frage auf, inwieweit Kunst archiviert werden soll. Der Titel seiner Ausstellung „Arch_IV“ wird auch insofern deutlich. Die vom Kunstkreis präsentierte Ausstellung ist noch bis zum 6. August im Rathaus zu sehen. Arne Lösekann wird am Sonntag, 6. August, von 12 Uhr an, bei einem Gespräch Rede und Antwort stehen. Die Ausstellung komplettierte eine anregende philosophische Einführung des Archäologen Dr. Thomas Piesbergen mit zahlreichen Bezügen zu Jean Paul Sartre.

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erstellt am 24.Jul.2017 | 16:00 Uhr

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