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Ernst-Paasch-Halle zu : Das Forum Theater Pinneberg gibt sich kämpferisch

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Obwohl das Forum Theater Pinneberg die Ernst-Paasch-Halle als Aufführungsort verloren hat, gibt sich der Verein kämpferisch: „Unsere Existenz ist nicht gefährdet“, sagt Vorsitzender Andreas Hettwer im Interview.

Pinneberg | Das Forum Theater ist heimatlos und hat sämtliche Vorstellungen für das Jahr 2017 abgesagt. Grund ist die Schließung der Ernst-Paasch-Halle, in der bisher die Veranstaltungen der Schauspieler stattfanden. Im Interview spricht Andreas Hettwer, Vorsitzender des Forum Theaters, über die Zukunft des Vereins, den kulturellen Standort Pinneberg und die Stimmung der Mitglieder.

Kam die Schließung der Ernst-Paasch-Halle für das Forum Theater überraschend?
Ja. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Die Spielzeit 2017 war bereits geplant.

Was bedeutet die Entscheidung der Stadt, die Halle zu schließen, für den Verein?
Erst einmal, dass 2017 bis auf Weiteres keine Aufführungen stattfinden, weil uns keine adäquate Spielstätte zur Verfügung steht.

Droht die Auflösung des Vereins?
Unsere Existenz ist nicht gefährdet. Dafür gibt es zu viele Menschen, denen der Verein wichtig ist und die sich um Lösungen bemühen. So soll 2017 zumindest das Jugend- und das Kinder-Stück stattfinden. Diese könnten zum Beispiel direkt an den Schulen aufgeführt werden. 2018 werden wir dann hoffentlich wieder den gewohnten Spielplan präsentieren. Aufgrund der fehlenden Spielstätte könnten in diesem oder im folgenden Jahr auch Open-Air-Aufführungen eine Möglichkeit sein. Dafür bräuchten wir aber noch Sponsoren.

Was passiert, wenn für längere Zeit keine Aufführungen möglich sind?
Dann könnte es für uns natürlich eng werden. In dem Fall dürfte der ein oder andere überlegen, was er mit seinem Hobby, dem Theaterspielen, anfangen wird. Kurzfristig habe ich überhaupt keine Bedenken, dass uns viele Mitglieder wegbrechen könnten. Die Stimmung ist eher kämpferisch als resigniert. Wir wollen uns nicht unterkriegen lassen. Ich bin grundsätzlich ein optimistischer Typ und gehe deshalb davon aus, dass sich eine Lösung findet. Herausforderungen muss man sich stellen. Deshalb werde ich demnächst bei der Jahreshauptversammlung auch wieder als erster Vorsitzender kandidieren.

Wurde der Verein von der Stadt ausreichend in die Entscheidung einbezogen?
Der zuständige Fachdienst der Stadt hat versucht, uns nach der Sperrung der Halle Alternativen aufzuzeigen. Die berücksichtigten allerdings alle nicht ausreichend unsere Bedürfnisse. Es zeigte sich dadurch aber immerhin, dass zumindest der Wille da ist, uns zu helfen.

Bei der Sperrung der Halle bezog sich die Stadt auf ein Gutachten aus dem Jahr 2012. Wie kam es mehrere Jahre später zur Sperrung?
Es wurde 2012 ein statisches Gutachten angefertigt. Dieses besagte, dass die Dachbalken verstärkt werden und Lasten wie Kletterseile und eine Zwischendecke entfernt werden müssen. Letzteres solle nun umgesetzt werden. Dadurch fallen aber logischerweise Kosten an. Die Ausgaben müssen von der Politik genehmigt werden. Mit dem Thema befasst sich am 15. Februar nun der städtische Ausschuss für Kultur, Sport und Jugend.

War es nicht gefährlich, die Halle trotz des Gutachtens zu nutzen?
Das Gutachten sah vor, dass jedes halbe Jahr eine Begehung erfolgt. Dadurch sollte überprüft werden, ob der Zustand der Dachbalken nicht schlechter wird. Diese Begehungen haben nicht stattgefunden. Aus welchen Gründen darauf verzichtet wurde, ist uns nicht bekannt.

Ist eine plötzliche Schließung aufgrund eines seit Ewigkeiten vorliegenden Gutachtens aus Ihrer Sicht überhaupt nachzuvollziehen?
Das ist schwer zu beantworten. Es mag sein, dass wir nicht alle Fakten kennen. Deshalb wäre es unfair, jemandem den Schwarzen Peter zuzuschieben. Wenn die Dachbalken tatsächlich einstürzen könnten, ist es richtig, die Menschenleben in den Vordergrund zu stellen. Dennoch bleiben Fragezeichen. Wenn keine Gefahr besteht, ist keine Schließung erforderlich. Ist aber tatsächlich ein Risiko vorhanden, ist erstaunlich, dass wir die Halle vier Jahre nutzen durften. Wurde unser Leben etwa leichtfertig aufs Spiel gesetzt? Es bleibt also auf alle Fälle ein fader Beigeschmack.

Sind Sie sauer auf die Stadt?
Nicht sauer, aber enttäuscht. Wir mussten Knall auf Fall das weitere Vorgehen beschließen, da wir Verpflichtungen gegenüber Abonnenten und Kooperationspartnern haben. Nach zwei Begehungen war ersichtlich, dass uns die Ernst-Paasch-Halle nicht zur Verfügung steht. Da auf die Schnelle keine Alternative zu finden war, blieb uns gar nichts anderes übrig, als das Jahr 2017 abzuschreiben. Nun suchen wir in Ruhe nach einer adäquaten Spielstätte.

Haben Sie eine Spielstätte im Blick?
Die Größe der Bühne, die Verfügbarkeit – irgendwelche Probleme gibt es immer. 2017 dürfte aufgrund der bisherigen Aussichten schwierig werden. Ich hoffe, dass sich zumindest für 2018 etwas auftut.

Können Sie sich für das Forum Theater eine Zukunft außerhalb der Ernst-Paasch-Halle vorstellen?
Unser Schicksal darf nicht an der Ernst-Paasch-Halle hängen. Sie war jahrelang unsere Heimat, auf die wir unsere Ausstattung abgestimmt haben. Das macht die Suche nach einer Alternative schwierig. Nur eine Bühne und Raum für die Zuschauer reichen nicht aus. Wir brauchen zum Beispiel auch Platz für die Requisiten. Momentan kommen wir ja nicht einmal an unseren Fundus ran, weil die Ernst-Paasch-Halle abgeschlossen ist. Zumindest können wir weiterhin in der Schule neben der Halle proben.

Die Paasch-Halle ist seit Dezember gesperrt.
Die Paasch-Halle ist seit Dezember gesperrt. Foto: Soenke Schierer

Welche Bedeutung hat die Schließung der Ernst-Paasch-Halle für den Kulturstandort Pinneberg?
Die Halle war schon längere Zeit als Kulturzentrum im Gespräch und wäre dafür auch der ideale Standort. Wenn sich dort tatsächlich ein Kulturzentrum etablieren könnte, würde das nicht nur uns, sondern dem gesamten kulturellen Leben in der Stadt nutzen. Viele Vereine könnten darin eine Heimat finden. Die erforderlichen Investitionen sind aber schwierig, weil die Stadt kein Geld hat. Da steht die Kultur in der Prioritätenliste leider meistens ganz am Ende.

Kümmert sich die Politik zu wenig um Sport und Kultur und damit um das, was das Leben in Pinneberg lebenswert macht?
Wir haben bisher gute Erfahrungen mit der Politik gemacht. Sie will Kultur in Pinneberg und ist auch bereit, dafür etwas zu tun - zum Beispiel, indem sie uns hilft, eine Spielstätte zu finden. Dass die finanziellen Mittel fehlen, müssen wir akzeptieren.

Wie beurteilen Sie generell die kulturelle Situation in Pinneberg?
Ich habe den Eindruck, dass zumindest die Theaterkultur sehr stark lebt. Schließlich haben wir hier gleich vier Theatervereine. Das ist ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern kann. Diese Vielfalt zeigt, dass Pinneberg nicht nur eine Schlafstadt ist. Man müsste gerade den Neubürgern noch mehr verdeutlichen, was Pinneberg lebenswert macht.

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erstellt am 09.Feb.2017 | 16:30 Uhr

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