Das Erlebte in Worte fassen

Geschichten aus dem Leben: Sibylle Hallberg liest am 28. Oktober aus ihrem neuen Buch „Bloß im Himmel“ vor.
Geschichten aus dem Leben: Sibylle Hallberg liest am 28. Oktober aus ihrem neuen Buch „Bloß im Himmel“ vor.

Pinnebergerin Sibylle Hallberg stellt ihr neues Buch „Bloß im Himmel“ vor / Lesung am 28. Oktober in der Drostei

kowalewski-300x300.jpg von
17. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Mit Sprache zu arbeiten hat der Pinnebergerin Sibylle Hallberg schon immer Spaß gemacht – doch an eine Buchveröffentlichung hatte sie eigentlich nie gedacht. Genau das ist der Autorin und Literaturcafé-Leiterin gelungen: Im September erschien ihr erster gebundener Band „Bloß im Himmel“ im Ihleo Verlag. Enthalten sind elf Gedichte und elf Kurzgeschichten. Diese präsentiert sie im nächsten Literaturcafé in der Pinneberger Drostei: Am Sonntag, 28. Oktober, liest Hallberg gemeinsam mit Gino Leineweber ab 15 Uhr bei freiem Eintritt unter dem Motto „Druckreif“ (siehe Infokasten).

Thema dabei ist natürlich ihr neues Buch. „Ich habe einen dicken Ordner, in dem ich mehr als zehn Jahre Geschichten gesammelt habe“, sagt Hallberg. „Jetzt war es an der Zeit, alles in eine geordnete Form zu bringen.“ Dafür wählte sie Geschichten aus, die gut zueinander passen sollen und nun auf 126 Seiten zu lesen sind. Inhaltlich ging es Hallberg um die Sichtweise der Frauen auf das Leben, um ihre Gefühlswelt. Ihre Charaktere ziehen Bilanz mit ihrem Leben.

Hallbergs Texte sind zumeist getragen von einer leisen Melancholie. Es sind Texte über geplatzte Träume, verlorene Liebe und Abschied, über Menschen, die an einem Scheideweg in ihrem Leben stehen. Absurde Situationen werden dabei mit einer alltäglichen Selbstverständlichkeit wiedergegeben – etwa in der namensgebenden Geschichte „Bloß im Himmel“, in der eine Frau an ihren verstorbenen Ehemann einen Brief schreibt, um zu erfahren, wie der Tod denn so ist. Witzig – aber auch tieftraurig. Hallberg beobachtet menschliche Verhaltensweisen genau und führt sie zum Teil ad absurdum. „In meinen Geschichten sind oft Dreher drin oder etwas Unerwartetes“, sagt Hallberg.

Zum Geschichtenerzählen kam Hallberg erst spät – geschrieben hat sie jedoch schon als Kind, etwa in Briefen an ihre Großmütter. „Ich habe gemerkt, dass Schilderungen von Ereignissen mir helfen, weil ich das Erlebte dabei in richtige Worte fasse. Es bleibt nicht bei diffusen Gefühlen.“ Beim Schreiben fragte sie sich, warum sie etwas geärgert oder gefreut hat. „Ich habe so gelernt, mich besser zu verstehen.“ Im Schreiben konnte sie ausdrücken, was nach außen sonst niemand hört und sieht. Was nicht für Briefe geeignet war, schrieb sie für sich selbst auf. „Vor mir brauche ich ja kein Blatt vor den Mund zu nehmen“, sagt Hallberg. Ihre Erfahrung ist: „Das Schreiben kann helfen, einen Bruch im Leben zu verarbeiten.“ Das spiegelt sich auch in ihrem ersten Buch wieder.

Die Kurzgeschichten basieren alle auf wahren Begebenheiten. „Es ist eine Vermischung des Lebens und der Fantasie“, erläutert Hallberg. „Was wahr ist und was nicht, weiß nur ich, und das soll auch so sein.“ Dabei scheint sie den Nerv der Zeit zu treffen. Sie sagt: „Häufig sagt mir jemand: Genauso habe ich es auch erlebt.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen