Das Ende der deutschen Demokratie

Die Mitglieder der VHS-Geschichtswerkstatt erforschen Pinnebergs Geschichte:  Bernd Sticklies (von links), Kai Frank, Johannes Seifert, Dieter Brandt, Ralf Wenn, Hartmut Tank, Reinhard Schlifke sowie VHS-Leiter Wolfgang Domeyer und Jürgen Eggert.
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Die Mitglieder der VHS-Geschichtswerkstatt erforschen Pinnebergs Geschichte: Bernd Sticklies (von links), Kai Frank, Johannes Seifert, Dieter Brandt, Ralf Wenn, Hartmut Tank, Reinhard Schlifke sowie VHS-Leiter Wolfgang Domeyer und Jürgen Eggert.

VHS-Serie Professor Uwe Danker über den Aufstieg des Nationalsozialismus / Geschichtswerkstatt stellt neues Buch vor

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08. Dezember 2017, 16:00 Uhr

Wie die junge Demokratie der Weimarer Republik den Nazis zum Opfer fiel – darüber hat Uwe Danker (Foto), Professor für Geschichte und Autor sowie Co-Autor vieler geschichtlicher Abhandlungen, in der VHS einen Vortrag gehalten. Anlass ist die Buchveröffentlichung der VHS-Geschichtswerkstatt unter dem Titel „Pinneberg in der Weimarer Republik“.

Mit vielen Einzelbeispielen, Bildern und Zahlenmaterial, bis hin zu Übersichten zu Wählerwanderungen in Schleswig-Holstein brachte Professor Danker den Anwesenden die entscheidenden Fakten Schritt für Schritt näher. Die Weimarer Republik endete 1933 mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, die Zeit davor kann in drei Abschnitte unterteilt werden.

„1918 musste die junge parlamentarische Demokratie zunächst Krisenjahre durchstehen. Nicht nur die Folgen des Ersten Weltkriegs waren eine schwere Last, eine Hyperinflation und eine Vielzahl politischer Umsturzversuche und Morde markierten die Gründungsphase der Republik“, führte Danker aus.

„In den Jahren nach 1924 folgte das, was wir heute als Goldene Zwanziger bezeichnen. Dies bezog sich allerdings mehrheitlich auf das elitäre und bürgerliche Deutschland in den Städten, das mit Kinobesuchen und Tanzvergnügen das typische Bild dieser Zeit prägte“, so der Wissenschaftler. Die Landbevölkerung, insbesondere im bäuerlichen Küstengebiet des westlichen Schleswig-Holsteins und den Geestgebieten, hatte davon wenig. Zwar konnten sich viele bäuerliche Betriebe und das Handwerk zunächst mit der Inflation ihrer Schulden entledigen. Aber jetzt wurden sie konfrontiert mit überregionalem, sogar internationalem Wettbewerb. „Die Anzahl der Pleiten bäuerlicher Betriebe wuchs in dieser Zeit rapide. Genau diesen Umstand machte sich die damals noch junge nationalsozialistische Bewegung zu Nutze, sie versprach Besserung“, führte Danker aus. Die zweite Phase der Weimarer Republik endete 1929 mit dem Börsencrash und der Weltwirtschaftskrise. Die nationalsozialistische Bewegung konzentrierte sich auf die ländliche Bevölkerung und hofierte die lokalen Meinungsmacher dieser Zeit: Lehrer, Ärzte oder Pastoren. Die Eigendarstellung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und ihrer Organisationen, der SA (Sturmabteilung) und der SS (Schutzstaffel), waren bedingungsloser Zusammenhalt nach innen und nach außen Abgrenzung. Straßen- und Saalschlachten mit politisch Andersdenkenden wurden provoziert, um dies zur Schau zu stellen. Danker: „Besonders die Juden wurden für die wirtschaftliche Lage der frühen 1930er Jahre verantwortlich gemacht, die Öffentlichkeit hatte einen Schuldigen gefunden.“

Die damaligen Wahlergebnisse hätten bewiesen, dass dort, wo einst die Wiege der deutschen Demokratie stand, diese der Hitler-Diktatur geopfert werden sollte. War die NSDAP bei der Wahl 1928 mit 4,7 Prozent eher eine Randerscheinung, dominierte sie bereits vier Jahre später mit über 50 Prozent.

Danker schloss seinen Vortrag mit der Bemerkung, dass ein Vergleich mit der damaligen Zeit und den heutigen rechtspopulistischen Bewegungen sich nicht herstellen lässt. Aber, dass man Geschichte nicht nur anhand von Jahreszahlen verstehen kann, sondern dass wir uns geschichtliche Hintergründe ansehen müssen, um daraus für die Zukunft zu lernen.

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