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Das Sonntagsgespräch : „Das Ehrenamt, wie es früher einmal war, gibt es nicht mehr“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute sprechen wir mit Hinrich Krodel, Vorsitzender des SuS Waldenau.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2015 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Hinrich Krodel ist Vorsitzender des SuS Waldenau. Im Sonntagsgespräch erzählt er unter anderem, warum er sich in Pinneberg eine Intensivierung des Sportdialogs wünscht.

Was zeichnet den SuS Waldenau aus?
Wir sind ein Vorstadtklub, den das familiäre Umfeld auszeichnet. Kameradschaft und Zusammenhalt sind einmalig. In meinen 30 Jahren als Vorsitzender habe ich zudem festgestellt, dass das Sprichwort „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“ zutrifft. Wir melden uns kaum bei der Stadt, um Hilfe in Anspruch zu nehmen, sondern regeln fast alles vor Ort.

Warum engagieren Sie sich für den Verein?
Die Arbeit bringt mir einfach riesigen Spaß. Meine Motivation ist, hier in Waldenau den Sport voranzubringen und schöne Sportstätten zu schaffen. 1996 haben  wir ein Fußball-Klubhaus gebaut, 2014 eine Heimat für die Tennisspieler geschaffen, Tennisplätze wurden erweitert, der Verein hat Flutlicht bekommen – Investitionen in Infrastruktur und Sportgeräte sorgen dafür, dass der Verein für die Zukunft gut aufgestellt ist.

Hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?
Das Ehrenamt, wie es früher einmal war, gibt es nicht mehr. Es ist alles viel professioneller und durch die zunehmende Bürokratie auch arbeitsintensiver geworden. Ein Vorsitzender hat es ohne Unterstützung einer Geschäftsführung schwer, seine Aufgaben vernünftig zu erledigen. Deshalb denkt der SuS darüber nach, ab dem kommenden Jahr einen Teilzeit-Geschäftsführer zu beschäftigen.

Wie ist die Unterstützung der Stadt?
Die beschränkt sich auf die Jugendförderung. Alles andere ist eingefroren und wird deshalb von uns selbst erledigt. Vor allem in Teilen der Politik fehlt die Wertschätzung für den Sport.

Ist Pinneberg überhaupt noch eine Sportstadt?
Als ich 1986 als Vorsitzender anfing, war Pinneberg in Sachen Sport vorbildlich. Inzwischen ist die Stadt leider völlig vom Kurs abgekommen. Wir haben zwar zahlreiche Sportstätten. Die müssen aber dringend überholt werden. Deshalb wünschen wir uns genauso wie die anderen großen Vereine einen Sportstättenentwicklungsplan, um den Vereinen eine Perspektive zu geben. Wir können ja nur so viele Angebote schaffen, wie Kapazitäten zur Verfügung stehen.

Wie ist das Verhältnis zu den anderen Pinneberger Vereinen?
Wir kooperieren in vielen Bereichen und planen auch gemeinsame Vorstandssitzungen. So können wir abstimmen, wie wir gemeinsam gegenüber der Stadt auftreten. Es muss allen klar sein, dass wir nur zusammen etwas erreichen. Der Sportdialog muss deshalb weiter intensiviert werden.

Was planen Sie für die kommenden Jahre?
Derzeit läuft ein Bauantrag für ein 53 Quadratmeter großes Terrassendach vor dem Fußball-Klubhaus. Weitere Expansionen sind momentan nicht geplant. Es wird vor allem darum gehen, dass der Zustand der Sportanlagen weiter so gut bleibt. Auch dafür sind Investitionen erforderlich. Ein Problem für uns und alle anderen Vereine dürfte in Zukunft sein, genügend qualifizierte Übungsleiter zu finden.

Sie sind auch Mitglied des Schützenvereins Halstenbek. Was reizt Sie am Schießsport?
Das Schießen ist ein Konzentrationssport. Während eines Wettkampfes ist man ganz auf sich gestellt. Manche fallen da fast in eine meditative Phase. Ich schaffe das leider nicht, weil ich zu viele Dinge im Kopf habe und am liebsten gleich mehrere Sachen auf einmal erledigen würde. Ich finde es schade, dass das Schützenwesen zurückgeht und sich im Kreis bald auf zwei oder drei Vereine konzentrieren dürfte. Die bieten dann alles an – auch das Bogenschießen, das immer stärker im Kommen ist.

Hinrich Krodel (65) ist seit 1986 Vorsitzender des SuS Waldenau. Er ist seit 44 Jahren verheiratet und hat eine Tochter.
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