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Das Sonntagsgespräch : „Das Ehrenamt steht nicht mehr hoch im Kurs“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Hinrich Krodel, Ehrenvorsitzender SuS Waldenau.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2017 | 15:00 Uhr

Pinneberg | Hinrich Krodel hat nach mehr als 30 Jahren sein Amt als Vorsitzender des SuS Waldenau abgegeben und wurde vor Kurzem zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Im Sonntagsgespräch wünscht er sich mehr Unterstützung für das Ehrenamt und beklagt das Schattendasein des Sports in Pinneberg.

Was bedeutet Ihnen die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des SuS Waldenau?
Darin drückt sich eine große Wertschätzung aus. Deshalb ist die Ernennung eine Auszeichnung, über die ich mich sehr freue. Sie ist eine Anerkennung dafür, dass ich es mehr als 30 Jahre geschafft habe, das Schiff SuS Waldenau auf Kurs zu halten.

Fällt es Ihnen schwer, das Amt abzugeben?
Das fällt mir sehr schwer. Wenn ich keine gesundheitlichen Probleme hätte, würde ich weitermachen. Ich freue mich aber, dass es mir gelungen ist, mit Christian Stang einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Was waren die Höhepunkte Ihrer Arbeit?
Es gab unzählige schöne Momente. Sehr viel bedeutet mir, dass während meiner Amtszeit der Bau der Clubhäuser für die Fußballer und die Tennisabteilung realisiert werden konnte. Dadurch ist etwas Bleibendes entstanden, das immer weiter ausgebaut wurde. Ich war immer jemand, der nicht einfach die Hände in den Schoß legen konnte. Wenn eine Maßnahme abgeschlossen war, habe ich schon an die nächste gedacht. Sehr wichtig ist mir auch, dass der SuS während meiner Amtszeit immer ein Großverein mit mehr als 1000 Mitgliedern geblieben ist.

Hat sich die Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt?
Alles ist viel professioneller geworden. Gesetze, Verordnungen, Haftungsfragen, Satzungsänderungen, Vorgaben der Finanzämter und anderer Behörden, Versicherungsfragen - die Vereine werden mit enormen Anforderungen konfrontiert, die viele Ehrenamtliche abschrecken.

Wird das Ehrenamt nicht mehr ausreichend gewürdigt?
Das Ehrenamt hat sich grundlegend gewandelt und steht nicht mehr hoch im Kurs. Es wird nicht anerkannt, welche Leistungen der Vorsitzende eines Sportvereins inzwischen erbringen muss. Nur das Amt auszuüben, reicht nicht aus. Jeder in dieser Position muss sich ständig weiterbilden, um nicht schlimmstenfalls in eine Haftungsfalle zu tappen. Das können viele gar nicht leisten.

Werden Sie sich als Ehrenvorsitzender weiter aktiv einbringen?
Ja. Ich werde mich nicht aufdrängen, habe aber dem neuen Vorstand versprochen, dass ich ihn gerne unterstütze. Wir sehen uns beim SuS über den Sport hinaus als Familie. Deshalb wird der Verein weiter ein Teil meines Lebens bleiben.

Sie hatten im vergangenen Jahr den mangelhaften Zustand der Sportstätten in Pinneberg kritisiert. Hat sich die Situation verbessert?
Nein, es hat sich nichts verändert. Politik und Verwaltung wissen zwar, dass der Zustand beklagenswert ist. Kurzfristig dürfte sich aber nur etwas verbessern, wenn die Vereine selbst aktiv werden und investieren. Der Stadt fehlt das Geld.

Was halten Sie vom Sportentwicklungsplan, den die Stadt Pinneberg derzeit erstellt?
Den haben die Vereine schon lange gefordert. Deshalb befürworte ich den Plan natürlich. Ich kann aber nicht nachvollziehen, dass die Vereine bisher nicht in die Arbeit eingebunden wurden. Immerhin hat man uns per Mail einen Fragebogen gesendet, den wir ausgefüllt haben.

Was will die Stadt wissen?
Wir wurden unter anderem gefragt, ob wir uns in Zukunft vorstellen können, eigene Sportanlagen zu bauen und Sportstätten sowie Sportgeräte zu übernehmen. Das haben wir verneint. Ich frage mich, in welche Richtung die Stadt denkt. Werden wir bald wie Privatanbieter behandelt und die Stadt streicht die Sportförderung komplett?

Besteht diese Gefahr aus Ihrer Sicht?
Es scheint zumindest nicht ausgeschlossen, dass sich die Stadt durch Privatisierungen aus der finanziellen Verantwortung stehlen will. Deswegen bin ich froh, dass der SC Pinneberg, der SuS Waldenau und der VfL eine Sportallianz gegründet haben. Nur zusammen erreichen wir etwas für den Sport. In Pinneberg wurde in den vergangenen Jahren fast jede Klientel unterstützt. Nur den Sport hat man aus den Augen verloren. Die Arbeit der Sportvereine erfährt in Pinneberg keine Wertschätzung.

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