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Blutkonserven werden knapp : Das DRK sucht dringend Blutspender

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Versorgungsengpass entsteht laut Experten durch Erkältungswelle und witterungsbedingt eingeschränkter Mobilität.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2016 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Der Blutspendedienst Nord-Ost des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) warnt vor einem Versorgungsengpass mit Blutkonserven. Durch das strenge Winterwetter und die damit verbundenen schwierigeren Verkehrsbedingungen sei es in den vergangenen Wochen zu einem Rückgang der Spenderzahlen gekommen, teilte Blutspendedienst-Sprecherin Kerstin Schweiger mit. Hinzu käme eine Erkältungswelle, die ebenfalls dazu führe, dass derzeit weniger Menschen Blut spenden. Deshalb fordert das DRK jetzt alle auf, zum Blutspenden zu gehen. „Dies hat seit Jahresbeginn zu einem Rückgang der Spenden geführt, so dass die Anzahl der Blutpräparate in den Depots schnell sinkt“, begründet Schweiger den Aufruf.

Schweiger erläutert, dass Blutspenden deshalb nötig seien, da für viele Erkrankungen Präparate, die aus menschlichem Blut gewonnen werden, die einzige Behandlungsmöglichkeit darstellen. Dass Unfallopfer oder Menschen, die operiert werden müssen, den größten Teil der Blutspenden benötigen, ist laut Blutspendedienst des DRK falsch. 19 Prozent der Spenden, und damit der größte Anteil, wird für Menschen benötigt, die an Krebs erkrankt sind und eine Transfusionstherapie erhalten.

Den zweitgrößten Anteil, nämlich 16 Prozent, machten Blutspenden aus, die zur Behandlung von Herzerkrankungen benötigt werden, ebenso viele Spenden werden laut DRK-Blutspendedienst für die Behandlung von Magen- und Darmkrankheiten gebraucht. Zwölf Prozent der Spenden würden tatsächlich für die Behandlungen von Unfallverletzungen eingesetzt.

Es ist nicht möglich, menschliches Blut künstlich herzustellen. Zwar gibt es Blutersatzmittel, die einige Funktionen des Blutes im menschlichen Körper kurzzeitig übernehmen können, etwa die Sauerstoffversorgung bestimmter Organe, aber komplett können sie das menschliche Blut nicht ersetzen. Deshalb sind weiterhin zahlreiche Menschen auf Blutspenden angewiesen. Und diese halten nicht lange. Maximal 42 Tage lang kann eine Blutkonserve nach DRK-Angaben aufbewahrt werden. Deshalb ist es für die Blutspendedienste wichtig, dass auch jetzt Menschen zu den Blutspendeterminen kommen.

Entnahme dauert etwa zehn Minuten

Während der Blutspende, die etwa zehn Minuten dauert, wird dem Spender etwa ein halber Liter Blut abgenommen. Dieses Blut wird an ein Labor geschickt, wo es in seine einzelnen Bestandteile zerlegt wird.Denn nicht jeder Empfänger benötigt alle Blutbestandteile, so dass eine Spende gleich mehreren Menschen helfen kann. Der erste Schritt bei der Weiterverarbeitung der Blutspenden ist die Zentrifugation. Dabei wird das Blut etwa 20 Minuten lang mit einer sehr hohen Geschwindigkeit bewegt. Durch die Zentrifugation trennen sich die unterschiedlich schweren Blutbestandteile in Frischplasma und rote Blutkörperchen sowie den sogeannten buffy coat, der Blutplättchen und weiße Blutkörperchen enthält.

Das Frischplasma wird anschließend gefroren und kann bei Verletzungen und hohem Blutverlust zur Gerinnung des Blutes und zum Aufbau von Abwehrstoffen eingesetzt werden. Die roten Blutkörperchen und der „buffy coat“, die nach der Zentrifugation noch eng zusammenliegen, werden durch Filtern voneinander getrennt. Die roten Blutkörperchen können für zirka sieben Tage aufbewahrt und etwa bei Operationen verwendet werden. Aus „buffy coats“ der gleichen Blutgruppen werden durch erneute Zentrifugation und erneutes Filtern Konzentrate weißer Blutkörperchen erzeugt. Diese kommen häufig bei Chemotherapien zum Einsatz.

Blutspenden dürfen gesunde Frauen und Männer, die zwischen 18 und 65 Jahre alt sind, mindestens 50 Kilogramm wiegen und einen Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 19 haben. Nach einigen Erkrankungen ist man für einen längeren Zeitraum oder permanent von der Spende ausgeschlossen, auch Männer, die mit Männern Sex hatten, dürfen in Deutschland nicht spenden. www.drk-blutspende.de

Der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost, der für die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin, Brandenburg und Sachsen zuständig ist, bereitet laut eigenen Aussagen täglich etwa 1200 Blutprodukte auf. Dafür werden jährlich etwa 500.000 Blutspenden entnommen.

 

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